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Tour d’Energie: BG-Göttingen-Coach Patrick als Wächter der Vorgärten

6. Tour d’Energie Tour d’Energie: BG-Göttingen-Coach Patrick als Wächter der Vorgärten

Das ist gigantisch. 2005 bei der ersten Tour mit knapp 1000 Teilnehmern war es schon voll, aber jetzt 2500 Radsportler hier starten zu sehen, das ist ein tolles Gefühl, ein richtiges Spektakel“, sagt Martin Burkert. Und wenn jemand die Kulisse bewerten kann, dann ist es Burkert – der Vorsitzende des auf den Zietenterrassen beheimateten SC Hainberg.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. Gut eine Stunde vor dem Start ist die Stimmung sehr gelöst. Vielerorts wird geplaudert, in der Fun-Sport-Halle – die einer riesigen Mensa gleicht – nutzen viele Athleten noch die Zeit zu einem mehr oder weniger ausgiebigen Frühstück.

Bananen – unter Radsportlern „Affenschnitzel“ genannt – finden reißenden Absatz, ebenso Wasser und Schorlen. Vereinzelt fahren sich Radsportler auf der Bahn um den Sportplatz warm.

Etwa 20 Minuten vor dem Startschuss fangen die Teilnehmer an, sich für den Start zu positionieren. Es wird hektischer, die viele Teilnehmer aufgeregter – Adrenalin liegt in der Luft. In einer riesigen knapp einhundert Meter langen und acht Meter breiten Schlange stehen die Radsportler aufgereiht und fiebern dem Startschuss entgegen.

Im Anstehen sind die Pedalritter allerdings erfahren, denn für die 2500 Radsportler gibt es etwa 20 Toiletten. Da kommt der ein oder andere schon mal auf die Idee, sich im Vorgarten des angrenzenden Wohngebietes zu erleichtern. Doch dieser vermeintliche „Umweltfrevel“ ruft Moderator Andreas Lindemeier auf den Plan.

„Bitte nicht in die Vorgärten pinkeln“, dröhnt es aus den mächtigen Lautsprechern, aus denen später kurz vorm Start die Filmmusik zum Flieger-Film „Top Gun“ erklingt. „Die neugepflanzten Veilchen vertragen das nicht, sie welken. BG-Coach John Patrick wohnt da hinten. Er wird Fotos machen, die dann heute Abend in der Lokhalle präsentiert werden“, witzelt Lindemeier. An den stark frequentierten Toilettenhäuschen ist kurz danach zu beobachten, dass Lindemeiers Ansprache Wirkung gezeigt hat.

Um 10.45 Uhr kommt im Organisationsteam plötzlich Hektik auf. Eine kleine Logistik-Panne hat zur Folge, dass an der Versorgungsstation im Bramwald keine Getränke-Becher zur Verfügung stehen. Dafür sind 4000 am Hohen Hagen angekommen. Ex-GoeSF-Mitarbeiter Dennis Ehrenberg – er hat die Tour 2008 organisiert – springt ein, da sämtliches Personal am Start gebraucht wird.

Er schnappt sich einen Caddy und rast zum Hohen Hagen. „Da war doch noch genügend Zeit, ist doch logisch, dass ich da helfe. Ich weiß ja aus Erfahrung, dass hier viel ehrenamtliches Engagement gefragt ist“, sagt Ehrenberg später im Ziel.

Pünktlich um 11 Uhr schickt Sparkassen-Chef Rainer Hald mit einem Gesundheitsappell an die Fahrer das Feld auf die Strecke. „Die Organisation ist wieder phänomenal“, sagt Hald, der noch besonders den Einsatz von Oelle‘s Bike-Service lobt. „Es war deutlich mehr zu tun als im Vorjahr.

Wir haben viele Schläuche repariert und gewechselt, vor allem aber Schaltungen eingestellt“, sagt Techniker Jan Riel. Mit vier Mitarbeitern helfen sie den Sportlern bei Problemen. Einer der Pedalritter in Not ist Halds Sohn Tobias, der sich 30 Minuten vor dem Start einen Platten einfing. „Ich war nervöser als Tobias, alles ging gut, er kam pünktlich zum Start“, sagt Hald und begibt sich mit dem restlichen Tross aus Sponsoren und Organisatoren hinab ins Tal zum Zielbereich am Neuen Rathaus.

Um 11.45 Uhr herrscht idyllische Ruhe. Auf der Terrasse des SC Hainberg genießen Passanten die Sonne, trinken Kaffee oder ein Bierchen. In der Ferne hört man leichtes Hämmern, die Technik wird abgebaut. Dennoch erinnert nichts daran, dass vor 45 Minuten hier 2500 Radsport-Enthusiasten die Tour in Angriff nahmen. SCH-Chef Burkert meint: „Ich glaube, wir haben hier noch ein wenig Luft, vielleicht werden es ja mal 3000.“ Und der Mann kennt sich aus.

Kurz tot, dann gings wieder

100 Höhenmeter auf nur 2,1 Kilometern:

Das Bergzeitfahren am Vortag der Tour d’ Energie von den Terrassen hat es in sich. Rund 100 Radsportler versuchten sich bereits am Sonnabend an einer der steilsten Straßen Göttingens. Im Wiegetritt und mit hoch roten Köpfen ging es die Von-Ossietzky-Straße auf die Terrassen zum Startbereich der Tour d’ Energie hoch. Im 30-Sekunden-Takt starteten die Athleten am Steinsgraben.

Mit dabei war auch Henri Verkampen. „Ein treuer und ganz besonderer Starter“, sagt Organisator Frieder Uflacker. Auf den ersten Blick versteht man nicht, was er damit meint. „Trotz seiner Prothese geht er äußerst kraftvoll in das Rennen“, sagt Uflacker weiter.

Der 54-jährige Verkampen hat am linken Unterarm eine Prothese. Bereits 1987 verlor der Niederländer seine Hand bei einem Arbeitsunfall. Aus der Behinderung hat der Sportler eine Tugend gemacht. „Ich habe immer viel Sport gemacht – und irgendwann zog es mich zum Radsport.“

An das Ende seiner Prothese bastelte er sich einen Haken, der sich an den Lenker klemmen lässt. „Das ist ein Unikat, wenn das gedrehte Eisen kaputt geht kann ich keine Rennen mehr fahren“, sagt Verkampen. Um trotzdem sicher Bremsen zu können hat er den linken Bremshebel einfach unter den Rechten gebaut. Der gebürtige Niederländer ist für die Tour d’ Energie mit seiner Freundin extra aus dem nordrhein-westfälischen Viersen angereist.

Nach 5 Minuten und 44 Sekunden ist Verkampen, der im Jedermann-Team „Agapedia Münsterland“ startet oben und zufrieden. „An einem Punkt war ich kurz tot, dann gings wieder – man muss den richtigen Tritt-Rhythmus finden, dann geht es besser.“

Warum er einen Tag vor dem eigentlichen Rennen diesen anspruchsvollen Bergsprint absolviert, sagt er nur: „Eine kleine Vorbelastung ist immer ganz gut“. Für Sonntag nahm er sich dann aber „nur“ die 46-Kilometer-Runde vor. „Da kann ich schneller fahren, das liegt mir“.

Schnellster des Bergzeitfahrens und somit aussichtsreichster Anwärter auf das Bergtrikot der Tour d’ Energie war Thomas Göllner, der für die Strecke nur 4:26 Minuten brauchte. Nur zwei Sekunden langsamer war der Lokalmatador Julian Sinske vom Tuspo Weende.

Als schnellste Frau ließ Verena Weiser mit 5:19 Minuten viele männliche Starter „am Berg stehen“.

Veranstalter Tuspo Weende und Organisator Frieder Uflacker hatten in diesem Jahr eine neue Strecke für das Zeitfahren auserkoren: „Die alte hat so viele Schlaglöcher, da kann man kein Rennen mehr machen“, sagte Uflacker.

Von Hendrik Maaßen

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Mittendrin
Begeistert, erschöpft und vor allem sehr durstig: Hendrik Maaßen lässt sich im Ziel angekommen einen Becher Wasser schmecken.

Völlig kraftlos steige ich in den Besenwagen. Meine Lungen schmerzen fürchterlich, ich bin nur am Husten. Was für eine dumme Idee, mit einer Erkältung sein erstes Radrennen zu fahren, denke ich mir.

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Tour d'Energie 2010

Impressionen von der Tour d'Energie 2010.

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