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Tour d'Energie: Zweiter Start für Göttinger Gustavo Moreno Morales

Todesangst auf Südamerika-Tour Tour d'Energie: Zweiter Start für Göttinger Gustavo Moreno Morales

Eine Fahrrad-Tour durch Südamerika ist nicht nur anstrengend, sie kann auch lebensgefährlich sein. Das hat der Göttinger Gustavo Moreno Morales, der zum zweiten Mal nach 2012 bei der Tour d'Energie am 28. April startet, am eigenen Leib erfahren.

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Abenteuerlustig und topfit: Gustavo Moreno Morales.

Quelle: Vetter

Göttingen. Von November 2010 bis November 2011 war der gebürtige Kolumbianer, der sein Alter partout nicht verraten will („Da sind wir Latinos eigen“), ohne Begleitung auf seinem Heimatkontinent unterwegs. Der Plan war, auf der Panamericana, die Alaska mit Feuerland verbindet, rund 7000 Kilometer von Kolumbien bis Argentinien zu fahren.

„Es war schon lange mein Traum, die unterschiedlichen Kulturen Südamerikas kennenzulernen. Und das geht am besten per Fahrrad“, ist Moreno Morales überzeugt. „Bis dahin kannte ich nur Kolumbien und einige Länder in Europa.“

Nach abgeschlossenem Sportlehrer-Studium an der Universidad del Valle in Cali war der talentierte Fußballer und glühende Werder-Bremen-Fan, der 1977 als 19-Jähriger in einer Regionalauswahl von Cali gegen New York Cosmopolitan mit Pele und Franz Beckenbauer gespielt hatte, für ein Aufbaustudium nach Genf gekommen.

„Da aber mein kolumbianischer Abschluss in der Schweiz nicht anerkannt wurde, habe ich mich für Tübingen und Göttingen beworben. Dort habe ich ab 1986 Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Kinder- und Jugendpsychiatrie und Pädagogik studiert und 1991 mein Magister-Examen gemacht“, erzählt Moreno Morales.

Salsa Workshops

Während des Studiums verdiente er sich den Lebensunterhalt mit Salsa-Unterricht und Workshops, die er neben seiner aktuellen beruflichen Tätigkeit in einem Göttinger Kinderheim weiterhin anbietet und um Zumba-Kurse erweitert hat.

Der Panamericana-Trip, auf den sich der Vater von vier Kindern akribisch vorbereitet hatte – unter anderem mit Touren auf dem Jakobsweg von Frankreich nach Santiago de Compostela und von dort nach Farun in Südportugal –, schien von Beginn an unter keinem guten Stern zu stehen.

„Schon am ersten Tag wurde ich nach 50 Kilometern von einem Auto angefahren und bin gestürzt. Die linke Körperhälfte tat von der Hüfte bis zur Schulter höllisch weh. Doch da der herbeigerufene Arzt sagte, es sei nichts gebrochen, bin ich trotz der Schmerzen 1200 Kilometer weitergefahren. Manchmal habe ich allerdings den Bus genommen“, gesteht Moreno Morales.

Erst ein Chiropraktiker, den er unterwegs traf, habe eine ausgekugelte Schulter diagnostiziert und sie mit einem Ruck wieder eingerenkt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er allerdings schon beschlossen, nicht bis Argentinien zu fahren, sondern nur über Peru und Ecuador zurück nach Kolumbien.

Hätte er die Folgen absehen können, wäre Moreno Morales sicher nicht von der Panamericana auf eine Nebenstrecke abgebogen, um sich einen mitten im kolumbianischen Dschungel gelegenen berühmten Wasserfall anzuschauen. „Als es auf dem Weg dorthin dunkel wurde, fragte ich eine vor einem Landhaus stehende junge Frau mit Kind auf dem Arm, ob ich im Garten mein Zelt aufbauen dürfe“, erzählt er.

Schwer bewaffnete Männer

 
Geweckt wurde er in der Nacht vom Geräusch eines Motorrades. Ehe er es sich versah, zerrten ihn zwei schwer bewaffnete Männer aus dem Zelt und zwangen ihn nach kurzem Verhör, auf sein Rad zu steigen und ihnen zu folgen. An ihren Uniformen erkannte er, dass die Männer zur berüchtigten paramilitärischen Organisation Nuevas Autodefensa Gaitanistas gehörten, die das Gebiet kontrollieren.

„Ich hatte Todesangst, weil ich vermutete, dass sie mich für einen Spion der Guerillas hielten und mir sicher war, dass sie mich umbringen würden und nur nicht vor den Kindern der Frau erschießen wollten“, so Moreno Morales.

Er wurde zu einer Ansammlung kleiner, mit Stacheldraht eingezäunter Hütten gebracht und am nächsten Morgen vom Chef der Paramilitärs verhört. „Ich habe ihm meinen deutschen Pass und Fotos von meiner Reise gezeigt, und schließlich hat er mich – nach telefonischer Rücksprache mit der Führung der regulären Armee – freigelassen, mit der strikten Order, auf direktem Weg in die nächste größere Stadt zu fahren. Wenn ich den Pass nicht gehabt hätte, hätten sie mich erschossen, und kein Hahn hätte danach gekräht“, ist der Göttinger überzeugt.

Trotz dieses Horrors setzte Moreno Morales seine Tour fort und plant bereits eine zweite: „In spätestens vier Jahren will ich von Argentinien nach Mexiko radeln – diesmal allerdings in Begleitung. Ich habe die Zusage von einem Sponsor, dass er einen Großteil der Kosten übernimmt, wenn ich 10    000 Kilometer schaffe.“

Tempelstadt Teyuna

Hauptgrund für die weitere Reise sei allerdings, dass die Erlebnisse der ersten einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen hätten. Dazu gehörte der Besuch der vom Dschungel überwucherten ehemaligen Tempelstadt Teyuna des von den Spaniern ausgerotteten Stammes der Tayronas in der Sierra Nevada de Santa Marta und der 30-tägige Aufenthalt im abgeschiedenen Dorf Punta Gallinas des Stammes der Wayuus.

„Ich war überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft dieser bitterarmen Menschen“, berichtet Moreno Morales. „Als kleine Gegenleistung habe ich ihre Kinder unterrichtet, weil schon länger kein Lehrer gekommen war.“

Doch damit nicht genug: Nach seiner Rückkehr gründete der Göttinger zusammen mit Andreas Krüger von der gleichnamigen Spedition den „Partnerschaftsverein für Entwicklungsförderung in Lateinamerika“ mit dem Ziel, die Wayuus konkret zu unterstützen. Das erste Projekt, die Gründung einer Schule, sei dank 5000 Euro Spendengelder bereits realisiert.

Für das zweite, den Aufbau einer Hühnerzucht, fehlten noch 20    000 Euro. Langfristig soll auch eine Klinik entstehen. Auf Vorträgen über seine Reise sowie bei einer Filmvorführung über ihn und seine Tour im vergangenen Januar im Göttinger Lumière hat Moreno Morales für sein Projekt geworben. Ebenfalls im Lumière veranstaltet sein Verein am 26. Oktober das „1. Lateinamerikanische  Kulturfestival“. Wer Moreno Morales in diesem Zusammenhang für einen Vortrag buchen möchte, kann ihn unter Telefon 01    76/631    727    93 erreichen.

Mit dem Fitnesstraining für seine zweite Südamerika-Tour  hat Moreno Morales bereits begonnen. „An jedem Wochenende fahre ich rund 250 Kilometer, und vor ein paar Tagen bin ich schon mal die 100-Kilometer-Strecke der Tour d’Energie abgefahren, auf die ich mich unheimlich freue“, versichert er.

Weitere Informationen unter tavoelandariego.blogspot.de

Von Michael Geisendorf

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