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1. SC 05 Göttingen nach Rücktritten mit finanziellen Problemen

Nur noch Ehrlich dabei 1. SC 05 Göttingen nach Rücktritten mit finanziellen Problemen

Nach dem Rücktritt von Präsident Michael Wucherpfennig am späten Mittwochabend ist nur noch der Sportliche Leiter und Trainer Hans-Jörg Ehrlich Vorstandsmitglied des Fußball-Oberligisten 1. SC 05. Zuvor hatten sich bereits John Deike (persönliche Gründe) und am Mittwochnachmittag Jan Steiger und Hartwig Vogelsang aus dem Gremium verabschiedet.

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Es war einmal: der Vorstand des 1. SC 05 (hier mit dem ehemaligen Pressesprecher des JFV Göttingen Holger Koch in der Mitte) mit Hartwig Vogelsang, Hans-Jörg Ehrlich, Michael Wucherpfennig und Jan Steiger (von links) bei der Pressekonferenz zur Fusion von 1. SC 05 und JFV Göttingen.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Eine von Wucherpfennig noch vor seinem Rücktritt anberaumte außerordentliche Mitgliederversammlung am 13. November soll die Weichen stellen.

Bis dahin ist die Zukunft von 05 unklar, vor allem in finanzieller Hinsicht, denn Wucherpfennig war der Hauptsponsor des Oberligateams. Fakt ist nur, dass an diesem Sonntag (14 Uhr, Heimspiel gegen Wunstorf) und am Wochenende darauf die Oberligamannschaft und die übrigen 05-Teams auflaufen – das verspricht der Trainer Hans-Jörg Ehrlich: „Es geht weiter.“

Eine weitere Pointe erhielt die Rücktrittswelle am Donnerstag, als Ehrlich beim Amtsgericht feststellte, dass nicht er und seine bisherigen Kollegen, sondern Wucherpfennig und der längst ausgeschiedene Stephan Kazmaier als Vorstände im Vereinsregister eingetragen sind.

Kazmaier bleibt übrig

Nach Wucherpfennigs Rücktritt, der von ihm mit „extrem unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Ausrichtung und die Finanzplanung“ begründet wurde, bleibt also nur noch Kazmaier übrig – Ehrlich, Steiger, Vogelsang und Deike waren niemals als Vorstand im Vereinsregister eingetragen.

Der Protokollführer, dessen Namen Wucherpfennig nicht nennen möchte („Einer der anderen vier“), habe das Schriftstück trotz mehrfacher Aufforderung nicht vorgelegt, so der bisherige Präsident gestern. Ein Anwalt, den er um Rat fragte, habe ihm jedoch versichert, dass der bisherige Vorstand auch so anerkannt wird. „Ein Steuerberater durfte mir nicht Auskunft geben“, unterstrich demgegenüber Ehrlich gestern.

Insbesondere zwischen Wucherpfennig und Ehrlich muss es in den vergangenen Wochen erheblich gekracht haben. „Wenn vier zurücktreten und einer verbleibt, würde ich den mal fragen“, sagte Wucherpfennig gestern.

Kein Spass mehr gemacht

Sein Entschluss habe bereits zwei Tage festgestanden, und er sei nach dem Motto verfahren „Love it, leave it or change it“ (Liebe es, verlass es oder ändere es). „Zum Schluss hat es keinen Spaß mehr gemacht und nur noch Geld gekostet“, so Wucherpfennig, der laut eigener Aussage in der vergangenen Saison 60 Prozent des Oberliga-Etats aus eigener Tasche bezahlt hat.

Nach Tageblatt-Informationen wirft Wucherpfennig Ehrlich vor, mit seiner Bankvollmacht zu viel Geld ausgegeben zu haben. Ehrlich bestreitet das. „Ich habe für 1500 Euro 36 Bälle und Leibchen angeschafft. Das wird mir seitdem immer wieder vorgeworfen“, sagte der Trainer gestern. Im Übrigen sei er zwar mit dem Junioren-Etat vertraut, der Oberliga-Etat sei ihm aber fremd, und er müsse sich nun erst mal einen Überblick verschaffen.

„Ich wollte wissen, wie sich der Oberliga-Etat zusammensetzt, weil uns die Oberliga-Zahlen reinreißen“: Das ist laut Ehrlich der Auslöser für den Streit mit Wucherpfennig. Der Etat des Oberligateams weise nämlich eine Unterdeckung auf. Aus Ehrlichs Sicht sind Steiger und Vogelsang zurückgetreten, weil sie sich außerstande sahen, den Disput zwischen ihm und Wucherpfennig zu schlichten.

Steiger will sich nicht äußern

Steiger wollte sich auch gestern nicht zu seinem Schritt äußern. An der Organisation des Wunstorf-Heimspiel wird er aber noch beteiligt sein. „Schade, dass die aufgehört haben. Aber wenn alte gehen, kommen neue“, sagte Ehrlich, der sich nun nach Ersatz umsieht. „Ich denke, es werden sich drei finden.“

Allerdings tritt mit Wucherpfennig auch der Finanzier des Oberligateams ab. Laut Tageblatt-Informationen sind die Zahlungen an die Spieler für diesen Monat noch gesichert, für den nächsten jedoch bereits nicht mehr. Einige Spieler sollen sich schon nach anderen Klubs umsehen.

„Kein einziges Vereinskonto ist im Minus“, unterstreicht Wucherpfennig. „Ich stehe für Schuldenfreiheit, und ich könnte nicht mit einem Minus leben, das entstanden ist aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann. Deshalb musste ein Riegel vorgeschoben werden. Es gibt einen Punkt, an dem die Frust-Toleranz erreicht ist.“ Außerdem sei nahezu jeder Vorschlag vom Vorstand, in dem die Vertreter des Fusionspartners JFV Göttingen in der Mehrheit waren, torpediert worden. „Zum Schluss war nichts mehr so, wie ich mir das vorgestellt habe.“

Keine Aussprache möglich

Eine Aussprache mit Wucherpfennig sei zum Schluss nicht mehr möglich gewesen, sagte Ehrlich gestern. Der bisherige Präsident schloss eine zukünftige Zusammenarbeit aus: „Es gab Missverständnisse, die nicht ausgeräumt werden können.“ Eine Rückkehr erachtet er als unwahrscheinlich, eine Kampfabstimmung will er im Sinne des Vereins vermeiden.

„Das kommt nicht wirklich überraschend“, sagte Fan-Vertreter Philipp Rösner. Die 05-Anhänger wollten sich gestern Abend beraten. Ehrlich blickte bereits wieder nach vorn. Rund 100 05-Junioren sollen als Zuschauer des Wunstorf-Spiels am Sonntag in 05-Jerseys dabei sein. Und ein spanischer Stürmer, der bereits für die zweite Mannschaft von Athletico Madrid gespielt hat, sei auch an der Angel. Allerdings muss noch geklärt werden, wer zeichnungsberechtigt ist und die Verträge abschließt.

Von Eduard Warda

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Zwei überraschende Rücktritte haben am späten Mittwochnachmittag den Fußball-Oberligisten 1. SC 05 in eine Krise gestürzt. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Hartwig Vogelsang, verantwortlich für Finanzen, und Jan Steiger, Geschäftsführer und Pressesprecher des Klubs, gaben in einer Mitteilung bekannt, dass sie sich mit sofortiger Wirkung von sämtlichen Ämtern zurückziehen.

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