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100 Jahre TSV Ebergötzen

Umfangreiches Festprogramm 100 Jahre TSV Ebergötzen

Am Sonnabend soll der Festumzug mit 15 Wagen und vier Musikzügen am Ebergötzer Dorfgemeinschaftshaus starten. Gäste aus der Partnerstadt Aba steuern ungarische Blasmusik bei. Am Freitag ist die Feier in der Sporthalle vorgesehen, und das ist nur ein Teil des Programms:

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Aufnahme aus den 50er-Jahren: Die Turner des TSV halten eine Übungsstunde ab. Weil noch keine eigene Halle zur Verfügung steht, wird auf dem Saal des Vereinswirts Feindt trainiert.

Quelle: EF

Göttingen. Vom Freitag bis zum Montag will der TSV Ebergötzen seinen 100. Geburtstag feiern. Dabei ist das Jubiläum auf den ersten Blick gar keines.

Das vermerkt der Verein in seiner für diesen Tag erstellten Chronik gleich auf Seite eins. Denn der TSV (Turn- und Sportverein) wurde in Ebergötzen erst 1947 gegründet, der Arbeitersportverein (ASV) 1931.

Vor 100 Jahren dagegen riefen Dorfbewohner im heutigen Gasthaus Jütte in der Herzberger Straße – damals Gasthaus Fritz Wielert – den Männerturnverein (MTV) ins Leben. Mit der Chronik, so die einleitende Notiz weiter, solle die Geschichte aller drei Vereine gewürdigt werden.

Ein Gründungsmitglied erinnert sich: „Der olle Krömerfritschen (Gemeindediener/Ausrufer Fritz Kramer) kam an und sagte, ihr jungen Kerle sollt am Abend um 8 Uhr in die Wielertsche Wirtschaft kommen. Bachmann will da einen Turnverein gründen. Wir gingen da natürlich hin, und wir kriegten dann erstmal ein großes Glas Bier eingeschenkt, und der Turnverein stand wahrscheinlich schon fest auf den Füßen, was die Passiven anbelangt, aber noch kein Aktiver, der das Haupt war, denn dazu waren wir ausersehen.“

„Mittelpunkt der Jugendpflege“

Mehr als 500 Seiten umfasst die Chronik, die der Vereinsvorsitzende Michael Pietzek mit Horst Schwarzlos und Hans-Joachim Schlick erstellt hat. Vier Jahre hat die Materialbeschaffung gedauert.

Pietzek und die anderen durchkämmten unter anderem Bestände des Stadtarchivs, Artikel aus dem Göttinger Tageblatt und dem Turnkreisblatt.

Und so ist nachzulesen: In Ebergötzen mit seinen damals 850 Einwohnern traten bereits am Gründungsabend 32 aktive und 30 passive Mitglieder in den MTV ein.

In geschwungener Schrift hält ein Protokollant aus dem Ausschuss der Jugendpflege für den 5. November 1913 fest: „Die Versammlung kam zu der Überzeugung, daß der Turnverein die beste Gelegenheit böte, eine wirksame und fruchtbare Jugendpflege zur Durchführung zu bringen. Es wurde deshalb von den Anwesenden die Gründung eines Turnvereins beschlossen, der es sich zur Aufgabe macht, den Mittelpunkt der Jugendpflege zu bilden.“

Zäsur durch den Ersten Weltkrieg

Im Juli 1914 feierte man in Göttingen noch das Kreissportfest. Aber schon im Oktober waren in Ebergötzen 100 Männer in den Ersten Weltkrieg eingezogen worden.

In einer eckigen Handschrift notiert nun jemand auf einer Beitragsliste, wer im Krieg gestorben war, sechs Namen stehen auf dem weißen Blatt. Nach dem Kriegsende lebten noch 785 Menschen in Ebergötzen.

Ein Jahr etwa dauerte es nach Kriegsende, bis der Sportverein „wieder zum Leben erwachte“, heißt es in der Chronik. Im Juli 1920 feierte der MTV sein Sommerfest auf dem Kampen, Ende des Jahres besaß der Verein 69 Mitglieder.

Der Verein war dem Namen nach ein Männerverein, ab 1921 existierte aber „eine Damenriege“. Über Stellung und Zahl der Frauen innerhalb des MTV ist nicht viel herauszubekommen.

„In den ersten Bestandserhebungen (...) hielt man es nicht für nötig, weibliche Mitglieder zu melden“, schreibt Pietzek. Hier tauchen erst 1925 weibliche Vereinsmitglieder auf. Von 24 ist die Rede.

Winterbälle waren fester Bestandteil des Vereinslebens. Anfang 1922 wurden dabei patriotische Töne angeschlagen, die heuet mit dem Wissen um die weitere Entwicklung unangenehm  aufstoßen.

In der Begrüßungsansprache hieß es: „Hat uns der Friede von Versailles bisher viel genommen, er kann, darf und soll uns nicht nehmen den heiligen Willen zum Deutschsein, zum Deutschtum und zur Reichseinheit, die zu verteidigen, wir alles daran setzen wollen.“

Daraufhin sang man das Deutschlandlied und „Die Wacht am Rhein“. Ein Ausschnitt des Stückes sollte zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Erkennungsmusik für die Sondermeldungen des Wehrmachtberichts dienen.

Neben dem MTV gründete sich 1931 der Arbeitersportverein (ASV). Seit Ende des 19. Jahrhunderts, berichtet die Chronik, organisierten sich Sportler aus der Arbeiterbewegung in eigenen Vereinen, die in der Deutschen Turnerschaft zusammengeschlossenen des Kaiserreichs seien ihnen zu nationalistisch ausgerichtet gewesen.

Ein Reck für 15 Mark

Aber schon zwei Jahre später, im März 1933, beschloss der ASV seine Auflösung und verhinderte damit, dass das Vereinsvermögen in die Hände der Nationalsozialisten fiel. Die Sportgeräte verkaufte man. Ein Reck etwa wechselte für 15 Mark den Besitzer, eine Matte für fünf Mark. 

Der MTV bestand zwar zunächst weiter. Für die Jahre 1933 bis 45 führt die Chronik aber nur wenige Zeitungsberichte an. „1933 geht die Berichterstattung schlagartig zurück“, sagt Pietzek auf Nachfrage.

Dass die Vereine gegenüber der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel in den Hintergrund gedrängt werden sollten, spiegele sich auch in der Berichterstattung wider.

„Wir wissen nicht genau, was aus dem MTV geworden ist“, sagt Pietzek. Zwischen 1937 und 40 wurden laut Chronik die Mitgliederlisten des MTV nicht bearbeitet.

Eine Bestandsangabe wurde erst wieder 1948 gemacht – für Pietzek ein Indiz dafür, dass der Verein seine Existenz aufgegeben hatte.

Es brauchte ein wenig, bevor sich am 31. Mai 1947 noch einmal ein Sportverein im Dorf gründete: der TSV. Laut Pietzek traten sowohl ehemalige Mitglieder des MTV als auch des ASV bei.

Ein Heimatgefühl entwickeln

„Das waren dieselben Leute. Von Konflikten ist nichts bekannt.“ Zur Versammlung im Juni kamen 62 Mitglieder, im Juli schon 80. Fußball und Feldhandball spielten eine wichtige Rolle im Vereinsangebot – anders als im MTV, wo ausschließlich geturnt wurde.

Fünf Jahre nach Kriegsende fand das erste Mal ein Maskenball statt. Der TSV-Karneval existiert bis heute.

In der Nachkriegszeit stieg die Einwohnerzahl in Ebergötzen. Der Sportverein profitierte davon, vermerkt die Chronik. Und auch seinerseits habe er den neuen Dorfbewohnern dabei geholfen, ein Heimatgefühl zu entwickeln.

Kampenfest, Winzerfest, Sommerfest, Sommerball, Winterball, Maskenball: Als Leser der Chronik kann man bei all den Feiern durcheinanderkommen. Ein besonders großes Fest mit Wettkämpfen und Kommers stand aber 1973 bevor, zum 60. Jubiläum.

Man hoffte auch auf Gäste. An den Turn- und Sportverein Dynamo Worbis in der DDR ging ein Brief, in engen, verwackelten Zeilen schrieb jemand: „Sehr geehrte Herren, werte Sportkameraden. Der TSV Ebergötzen begeht in der Zeit vom 27.06. – 2.7. 1973 sein 60-jähriges Vereinsjubileum (!). Wir würden uns sehr freuen eine Fußballmannschaft bzw. ein (!) Turnriege begrüßen zu können. Vielleicht ist dieses im Zuge des kleinen Grenzverkehres möglich!“ Die Bemühungen blieben jedoch vergeblich.

Einmaliger Boom

Ende der 70er-Jahre erlebte der TSV laut Pietzek einen „Boom“ der Mitgliederzahlen, der wohl nicht wiederholbar ist. Dem Verein stand nun endlich eine eigene Sporthalle zur Verfügung, lange musste auf den Sälen der Vereinswirtschaften trainiert werden.

Nach der Einweihung der Halle 1977 konnte auch das Angebot erweitert werden, das zog neue Sportler an. Zehn Jahre später folgte ein Anbau.

Bundesweit verzeichnen die Sportvereine mittlerweile jedoch sinkende Mitgliederzahlen. Davon ist auch der TSV betroffen, der derzeit 750 Mitglieder hat.

Dafür ist das Angebot des Vereins vielleicht umfangreicher denn je: Unter anderem mit Zumba, Fußball, Leichtathletik, Tischtennis, Nordic Walking, Aqua Jogging und Schwimmen kann begonnen werden – und natürlich mit dem Turnen.

Von Telse Wenzel

Die TSV-Chronik wird im August veröffentlicht. Auszüge hängen an diesem Wochenende aus. Bestellungen werden entgegengenommen.
 
Das Festprogramm im Überblick

Freitag, 17 Mai:

► 18 Uhr: Kranzniederlegung am Ehrenmal

► 20 Uhr: Kommers in der Sporthalle

Sonnabend, 18. Mai:

► 14 Uhr: Jubiläumsjahresspiel auf dem Sportplatz (Turnier mit 12 Mannschaften)

► 20 Uhr: Festball in der Sporthalle

Sonntag, 19. Mai:

► 10 Uhr: Fußballspiel Ebergötzen – Aba auf dem Sportplatz

► 14 Uhr: Festumzug vom Dorfgemeinschaftshaus zum Sportplatz

► 21 Uhr: Disco in der Sporthalle

Montag, 20. Mai:

► 6 Uhr: Wecken

► 11 Uhr: Jubiläumsfrühstück mit Festgottesdienst und Blasmusik aus Aba in der Sporthalle

Freitag, 17., bis Montag, 20. Mai:

► Auf dem Sportplatz sind nachmittags an allen vier Tagen Fahrgeschäfte und Buden geöffnet.

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