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Regional 2. Damenbasketball-Bundesliga: Jennifer Kerns kein Veilchen mehr
Sportbuzzer Sportmix Regional 2. Damenbasketball-Bundesliga: Jennifer Kerns kein Veilchen mehr
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18:49 06.05.2014
Arbeitet intensiv für ihren Sport: Jennifer Kerns als Trainerin im Kreise ihrer Spielerinnen bei einer Team-Ansprache. Quelle: Pförtner
Göttingen

„Ich brauche eine neue Herausforderung. Und ich habe zwei sehr gute Angebote aus der 1. Damenbasketball-Bundesliga (DBBL) und von einem College aus meiner Heimat vorliegen. Deshalb muss ich Göttingen nach zehn tollen Jahren jetzt einfach Tschüss sagen“, erklärt Kerns.

In einem Gespräch mit Reiner Fees, Geschäftsführer des Lizenz-Inhabers Veilchen Ladies UG, zu Beginn der Woche wurde klar, dass es nach einem Jahrzehnt begeisternden Damenbasketballs mit der 37-jährigen US-Amerikanerin keine Fortsetzung mehr geben wird.

Fees ist sich der Tragweite dieser Entscheidung bewusst: „Jen war und ist der personifizierte Damenbasketball in Göttingen. Es tut mir in der Seele weh, eine solche herausragende Basketballerin zu verlieren. Aber wir sind halt Göttingen. Wir können nicht ewig den Anforderungen von Vereinen und Colleges standhalten, die über mehr Finanzkraft verfügen als wir.“

Für Kerns sei nach zehn sehr intensiven Jahren in Göttingen nun allerdings die Zeit gekommen, etwas zu verändern.

Ausdrücklicher Dank zum Abschied

Zum Abschied richtet Kerns ihren ausdrücklichen Dank an fünf Personen: „Vlastibor Klimes, der mich als überragender Basketballer und Trainer überhaupt erst in diese Rolle gebracht hat. Laura Medina und Finn Höncher für den tollen Job in der Jugendarbeit. Carola Fahlbusch und Andreas Fink – ohne sie hätten wir die 2. Liga überhaupt nicht realisieren können.“

Dem Göttinger Damenbasketball mit all seinen Sponsoren und Helfern wünsche sie für eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft alles Gute.

Kerns wurde am 1. September 2004 als Nachfolgerin von Missy West vorgestellt. Im Team von Trainer Mahmut Ataman nahm die physisch starke Athletin sofort eine Führungsrolle ein. Als Aufbauspielerin glänzte sie nicht nur mit einer überdurchschnittlichen Spielübersicht, sondern bewies mit viel Empathie besonders ihre Qualität als Führungsspielerin.

2009 deutete sich bereits einmal das Ende ihres Göttingen-Kapitels an. Als der damalige Lizenz-Inhaber das Team aus der DBBL zurückzog, plante Kerns die Rückkehr in die USA, um sich dort einen Job als Trainerin, Polizistin oder Feuerwehrfrau zu suchen.

Konsequente Nachwuchsarbeit

Doch es kam anders: Am 1. Juli 2009 begann sie als Trainerin und Jugend-Koordinatorin und startete mit einem stark verjüngtem Team in der 1. Regionalliga. 2011 gelang dann nach nur zwei Jahren die viel umjubelte Rückkehr in die 2. Damenbasketball-Bundesliga.

Mit ihrer konsequenten Nachwuchsarbeit hatte sie maßgeblichen Anteil daran, dass Göttinger Talente wie Nele Aha, Jennifer Crowder und Maj vom Hofe den Sprung in die Nachwuchs-Nationalmannschaften geschafft haben.  

Fees wisse, dass jetzt viel Arbeit auf ihn zukommt, denn ambitionierter Damenbasketball sei weiterhin kein Selbstläufer. „Wir brauchen Sponsoren, Trainer und Spielerinnen. Aber trotz des Abschieds von Jens sind wir gut aufgestellt. Deshalb: Wir schauen nach vorne.“

Glücklich mache ihn besonders, dass Kerns ihm versprochen habe, auch weiterhin mit ihrem Rat zur Verfügung zu stehen. „Viel persönlicher geht ein Abschied nicht“, so Fees.

Herber Verlust

Jennifer Kerns ist ohne Zweifel das Gesicht des Göttinger Damenbasketballs. Ihr Name ist nicht nur eng mit den Erstliga-Erfolgen in den Jahren 2004/05, als die Veilchen-Ladies das DBBL-Pokal-Halbfinale erreichten, und den erfolgreichen Playoffs 2007/08 verknüpft, sondern auch mit der wiedererstarkten Nachwuchsarbeit in der Region.

Ihrem Einsatz als Jugend-Koordinatorin ist es zu verdanken, dass Göttingen im weiblichen Nachwuchs gleich über mehrere Spielerinnen verfügt, die in Nachwuchs-Nationalmannschaften spielen oder kurz davor sind.

Geschickt und mit viel Empathie hat sie junge Spielerinnen gefördert und früh den Sprung in den Damenbasketball ermöglicht.

Kerns steht für unbedingten Einsatzwillen, sowohl auf als auch abseits des Parketts. Die streitbare US-Amerikanerin gab alles, um das Beste für ihren Sport herauszuholen. Das hat sie als Spielerin, Trainerin und Jugend-Koordinatorin besonders ausgezeichnet.

Für die Veilchen-Ladies wird es vermutlich keine leichte Aufgabe sein, eine adäquate Nachfolge zu finden. Die Messlatte, die Kerns gelegt hat, liegt auf beträchtlichem Niveau.

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