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Regional Antisemitismus im Fußball: Kein Problem, das erledigt ist
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23:33 15.03.2015
T-Shirt der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“: Bei rechten Fan-Gruppierungen herrscht auch immer noch Antisemitismus vor. Quelle: dpa
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Göttingen

Antisemitische Denkmuster seien nach wie vor tief in der Gesellschaft verankert, macht Blaschke eingangs deutlich - und natürlich äußern sie sich dann auch im Stadion. In den 60er- bis 80er-Jahren war das noch anders, unterstreicht der Journalist, der bisher drei Bücher im Göttinger Verlag Die Werkstatt publiziert hat. Der Holocaust war noch gesellschaftlich tabuisiert, thematisiert wurde er im Stadion in Form antisemitischer Parolen: „Schindler-Juden, wir grüßen euch“, war auf einem Banner deutscher Fans bei einem Länderspiel in Polen zu lesen. In der ehemaligen DDR wurde der BFC Dynamo von rivalisierenden Fans als „Juden-Berlin“ bezeichnet, obwohl der Stasi-Klub keinerlei jüdische Vergangenheit hatte. Vielmehr griffen beim übermächtigen Hauptstadt-Vertreter klassische antisemitische Deutungsmuster: der Verein als einflussreicher „Geld-Jude“.

Hermann Gerland, heute beim FC Bayern, damals in den 90er-Jahren Trainer beim von der Göttinger Gruppe gesponserten Tennis Borussia Berlin, einem Verein mit jüdischen Wurzeln, bekam einmal zu hören: „Dich stecken wir auch noch in den Ofen.“ Doch antisemitische Ausfälle werden auch heute noch registriert. So wurde im Jahr 2012 Kaiserlauterns Itay Shechter beim Auslaufen von den Fans als „Drecksjude“ bezeichnet. Der DFB hat sich laut Blaschke lange um das Thema „herumgedrückt“, unter anderem mit der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises aber seit einigen Jahren den Kurs geändert.

„Die Erinnerungskultur wird intensiver“, sagt Blaschke und meint damit unter anderem die späte Würdigung des ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer. Fans von Ajax Amsterdam bezeichnen sich selbst trotzig als „Super-Juden“, auch wenn sie gar nicht jüdischen Glaubens sind. Und in Berlin sollen im Sommer die Maccabi-Games mit 2000 jüdischen Sportlern stattfinden. Dass die Spiele jedoch, gerade auch im Hinblick auf die islamistische Gefahr, der höchsten Sicherheitsstufe unterliegen und ein Klub wie Makkabi Berlin ständig von einer Polizeistreife bewacht werden muss, spricht für sich - und für Blaschkes These: „Zwischen Abgrund und Aufbruch.“

Von Eduard Warda

Ronny Blaschke
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