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Bowling-Landesmeisterschaft: Zusammenhalt an der Bahn

Zusammenhalt an der Bahn Bowling-Landesmeisterschaft: Zusammenhalt an der Bahn

Bier auf den Tischen, Öl auf den Bahnen und in der Luft der Geruch von Schweiß.  Die deutsche Bowling-Szene ist klein, umso enger rückt man auf Wettkämpfen zusammen.

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Scheidet überraschend in der Vorrunde aus: Ute Wolter vom ASC Göttingen am ersten Turniertag.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Es ist ein warmer Sonntag im April, ein guter Tag, um auf dem Balkon zu sitzen. Ein guter Tag auch für einen Stadbummel, denn es ist ein verkaufsoffener Sonntag. „Volle Parkhäuser, volle Innenstadt“ wird in der Zeitung stehen.

Mario Leweke interessiert all das nicht. Leweke bowlt seit sieben Jahren. Und an diesem Sonntag ist Finaltag bei den Landesmeisterschaften, in seiner Stadt, in Göttingen. Leweke ist motiviert, er wirkt glücklich. Wegen einer Zahn-OP lief es am Vortag für den 24-Jährigen nicht so gut, wie er gehofft hatte, aber heute, sagt er, will er "noch einmal die zehn angreifen". Leweke ist unter den Ersten, die im Bowling-Center antreten, acht Spiele muss er für den Post SV Göttingen machen. Pro Spiel hat er zehn Durchgänge.

Eine Art feierliche Stille tritt ein, als die Bowler mit ihren Würfen beginnen. Nur der Aufprall der Bälle und das Geräusch der fallenden Pins sind zu hören. Es geht um viel: Die ersten drei qualifizieren sich für die Deutsche Meisterschaft.

Ein unscheinbares graues Gebäude im Industriegebiet ist das Ziel von Mario und den anderen 74 Sportlern. Es parken nur wenige Autos vor dem Haus. Das Ganze wirkt so deprimierend wie die Zukunftsaussicht des Bowlings. Denn Nachwuchsförderung findet kaum statt, und der Sport ist teuer.

Kein Preisgeld

Bei der Landesmeisterschaft kostet die Teilnahme an der Vorrunde 25, an den Finalspielen 35 Euro. Ein Preisgeld gibt es nicht. Größere Turniere sind teurer, die Kosten für die Anreise, Übernachtung und Ausrüstung kommen dazu. Für den Nachwuchs, meint Leweke, sind die Ausgaben abschreckend. 

Umso enger rücken die zusammen, die sich dem Sport verschrieben haben. Wer ankommt in der Halle, der dreht eine Runde und begrüßt die anderen – mit Handschlag oder Umarmung. Unter Bowlern gibt es viel Körperkontakt. „Gut Holz!“, rufen sich die Sportler zu, als es losgeht, und dabei wird dem anderen zweimal in die Handflächen geklatscht.

Abgeklatscht wird auch bei jedem Strike und wenn ein Wurf danebengeht – zumindest im eigenen Verein, obwohl es ein Einzelwettkampf ist. „War doch schon besser.“ „Sauber, Ralph!“, rufen die Männer, die dicht beieinander an den Bahnen stehen. Jeder hier weiß, dass ihr Sport von Außenstehenden oft belächelt wird. Vielleicht ist gerade deshalb der Rückhalt untereinander groß.

Klasse Atmosphäre

Wer am Bowling drangeblieben ist, wer bereit ist, für Ausrüstung und Turniere viel Geld zu zahlen, der tut das jedenfalls auch wegen der Atmosphäre bei den Turnieren. Hinter den Bahnen drängen sich ab Mittag andere Bowler und Freunde. „Man ist immer zusammen“,  sagt eine Spielerin, die mittendrin auf einem Barhocker sitzt.

„Das ist hier nicht wie beim Fußball, wo sich alles über die Halle verteilt.“ „Was reizt Sie am Bowling?“  – „Der Wettkampf, die Leute. Es ist immer schön, die anderen zu sehen.“ Ähnlich äußern sich alle, die man fragt. Sie schwärmen von der guten Stimmung und den freundlichen Menschen.

Für Leweke, dem auf Bahn elf die Haare an der verschwitzen Stirn kleben, läuft es nicht gut. Von 176 Punkten in Spiel vier ging es zurück auf 155 und jetzt 144 Punkte. Leweke ist zurückgefallen, wie weit, weiß er noch nicht.  Platz 25 oder 30, von seinem gesteckten Ziel ist er jedenfalls weit entfernt. Die OP macht ihm noch zu schaffen, das Sprechen fällt  Leweke schwer.

Kein großes Publikum

Ein größeres Publikum, das sie mitziehen könnte, haben die Bowler in Deutschland oft nicht. Sie können sich nur gegenseitig motivieren. In den USA ist das anders. Bowling gehört dort zum Breitensport, wird als Schulsport angeboten. Turniere sind ein Ereignis.

Während Leweke Mut und Kraft verlassen, beobachtet Jamie Mc Dermott das Geschehen auf den Bahnen aus der Distanz. Schon am Morgen ist der gebürtige Schotte eingetroffen. Mit dem Bowling hat der 28-Jährige als Junge begonnen, in einer belgischen Kaserne, wo sein Vater, ein Berufssoldat, stationiert war.

Am Nachmittag wird der Favorit vom BSV 2000 Oldenburg das Turnier gewinnen, unerreichbar für die Göttinger mit 2858 Punkten. Als bestplatzierter Göttinger erreicht Manfred Löffers vom Post SV Platz zehn. Barbara Karnasch vom ASC Göttingen wird nachnominiert und qualifiziert sich als Viertplatzierte mit der zweitplatzierten Anja Repkewitz, ebenfalls vom ASC, für die Deutsche Meisterschaft. Leweke landet auf Rang 32.

Von Telse Wenzel

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