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Regional Bujinkan: Kampfkunst als Lebenseinstellung
Sportbuzzer Sportmix Regional Bujinkan: Kampfkunst als Lebenseinstellung
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00:19 05.04.2013
Lehrstunde mit Schwert: Shihan Oliver Piskurek (links) unterrichtet die Seminarteilnehmer im Kumite (Freikampf). Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Die Seminarteilnehmer sind gekommen, um Techniken zu lernen und verfeinern. Die ausgeglichene Art der drei Shihane (hochgraduierte Lehrer) ist spürbar. Als Lehrende sind sie konzentriert, gleichzeitig aber auch erfrischend lässig.

Vor allem sind der Australier Stewart, der US-Amerikaner Wilson und der Göttinger Piskurek aber eines: extrem humorvoll. Keine Minute vergeht, ohne dass die Freunde beim Sandwich-Essen in der Mittagspause scherzen, über ihre blondierten Haare witzeln und augenzwinkernd nicht ganz ernstgemeinte Lebensweisheiten von sich geben. In Japan, dem Land des Lächelns, liegt die Quelle ihrer entspannt-glücklichen Lebensart.

Ninja- und Samurai-Elemente

Piskurek hat vor seiner Rückkehr als Biologe nach Göttingen acht Jahre dort gelebt. Stewart lebt seit neun Jahren in Fernost, Wilson gar seit 18. Unter Bujinkan-Begründer Hatsumi ist das Trio in die Geheimnisse der aus Ninja- und Samurai-Elementen bestehenden Kampfkunst eingeführt worden. „Aber man lernt nie aus, hier sind wir vielleicht Shihane, in Japan nur Schüler“, erklärt Stewart. Alle drei haben ihre Wurzeln in den Martial Arts. „Mit der Zeit erkennst du aber, dass es dort und im Sport Limits gibt. Dann gehst du zum Bujinkan, weil deine Seele danach gesucht hat und es eine Lebensart ist“, sagt Wilson. Viele ehemalige Kampfsport-Champions, Polizisten oder Agenten kämen so zum Bujinkan.

Kampfsport oder Martial Arts

In Japan seien die Einflüsse zahlreicher Kampfkünste auf die Kultur nicht zu übersehen. „Fast jeder Japaner betreibt einen Kampfsport oder Martial Arts“, betont das aufgeschossene Kraftpaket Stewart. „Kampfkünste dienen zur Selbstverteidigung, vor allem aber der charakterlichen Bildung“, sagt Piskurek. Damit gehe aber noch längst kein friedlicherer sozialer Umgang der Menschen miteinander einher. Die Versportung der traditionellen Kampfkünste und deren Philosophie verhindere dies. Denn: Martial Arts und Bujinkan als deren Krönung seien nicht mit Sport zu vergleichen. Beim Sport würden viele Menschen ihre Probleme außerhalb des Dojos lassen, sie aber praktisch „wieder abholen“, wenn das Training beendet ist. „Im Bujinkan überträgst du hingegen deine Einstellung aus dem Dojo ins reale Leben und bleibst locker und friedliebend“, stellt Wilson klar.

Polizeiliches Führungszeugnis

Einige Kriege in der westlichen Welt hätten durch einen höheren Einfluss der Kampfkünste sogar verhindert werden können, schätzen die Großmeister. Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas bleibt aber auch ihr Humor nicht auf der Strecke. „Im Prinzip sind wir besser als die Uno“, statuiert der bei San Francisco geborene Wilson mit breitem Lächeln und überrascht prompt mit der nächsten Weisheit. Er und seine zwei Mitstreiter würden seit ihrem 40. Geburtstag nicht mehr altern. „Mir wurde gesagt, ab 40 geht es nur noch ins Minus. Ich ziehe eben jedes neue Lebensjahr ab.“

Lebensjahre abziehen lerne man bei ihm in Göttingen zwar nicht, aber den Charakter und das Herz zu bilden, sagt Piskurek. Wöchentlich gibt er seine Philosophie an verschiedenen Trainingsorten weiter. Einzige Voraussetzung zur Teilnahme sei ein tadelloses polizeiliches Führungszeugnis.

Bujinkan: Großmeister haben Göttinger Seminarteilnehmern die japanische Philosophie und Kampfkunst nähergebracht. © Theodoro da Silva

► Info: Japanische Kampfkunst Bujinkan

Bujinkan ist eine weltweit verbreitete japanische Kampfkunst. Gelehrt werden traditionelle Ninja- und Samurai-Prinzipien, die sich auch in der heutigen Zeit anwenden lassen. Bujinkan setzt sich aus neun verschiedenen Schulen zusammen: drei Ninja-und sechs Samurai-Schulen, davon zwei chinesische und vier japanische. Im Jahr 1972 beschloss Masaaki Hatsumi die in den neun Schulen vorkommenden Techniken aufgrund ihrer Vielzahl und Komplexität als Einheit zu lehren. Im Bujinkan finden keine Wettkämpfe statt. Fortgeschrittene Schüler testen ihre Fertigkeiten im Randori. Gekämpft werden kann waffenlos, aber auch mit Stöcken, Klingen, flexiblen Waffen wie einem Seil und Geschossen.

arashi-dojo.de

Von Rupert Fabig

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