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Vom Kneipensport zum Massenphänomen

Dart: Dank TV-Präsenz boomt der Wurfsport Vom Kneipensport zum Massenphänomen

Für sie ist die Erde eine Scheibe. Gut 10 000 sind es mittlerweile, und es werden immer mehr. Die Rede ist aber nicht von Anhängern der „Flache-Erde-Theorie“, sondern von in Vereinen organisierten Dartspielern. Der Präzisionssport ist zum Massenphänomen geworden. Vom Aufwind profitieren auch die Klubs aus der Region.

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10 005 Spieler hat der Deutsche Olympische Sportbund bei seiner Bestandsaufnahme 2016 gezählt. Das bedeutet einen Zuwachs von 1512 Mitgliedern um 15,11 Prozent.

Quelle: Heller

Göttingen. 10 005 Spieler hat der Deutsche Olympische Sportbund bei seiner Bestandsaufnahme 2016 gezählt. Das bedeutet einen Zuwachs von 1512 Mitgliedern um 15,11 Prozent. Zum Vergleich: Die 3,88 Prozent, die der Alpenverein als Verband mit dem zweithöchsten Wachstum verzeichnet, sind dagegen geradezu mickrig. Ist diese Entwicklung allein mit den extrem erfolgreichen TV-Übertragungen von Weltmeisterschaften und hochklassigen Turnieren, die ein Millionenpublikum verfolgt, zu erklären?

„Nur zum Teil“, berichtet Reinhold Bohn, Präsident des 2250 Mitglieder starken Niedersächsischen Dartverbands. „Wir hatten schon vor dem Hype einen Zuwachs von 200 bis 300 Spielern jährlich. Viele Aktive bringen ihre Freunde mit, andere wollen ihr Hobby intensiver betreiben, und einige die Gemeinschaft im Verein genießen“, sagt Bohn. Dabei kommen immer mehr Nachwuchsakteure - „ehrgeizige junge Bengels“ - zum Vereinssport, was auch damit zusammenhänge, dass Dart aufgrund des Nichtraucherschutzgesetzes längst kein Kneipensport mehr sei. Ein Problem sei allerdings, so Bohn, dass es noch keinen deutschen Spitzenspieler gebe, wenngleich er dem 20-jährigen Max Hopp den Sprung in die Weltelite zutraut: „Weltmeister Michael van Gerwen war in dem Alter auch noch nicht dominant.“

Im Landkreis wird nirgendwo länger Dart gespielt als in Adelebsen. Bereits 1985 wurde dort der DC Guinness gegründet - und das Interesse ist nie so groß wie jetzt gewesen. „Es kommen ständig Neugierige vorbei“, erzählt Melanie Kunze, Vorstandsmitglied des Traditionsvereins, der mit zwei Mannschaften in der Bezirksliga und Verbandsliga antritt und derzeit eine neue Trainingshalle sucht, da die bisherige Spielstätte in einer Adelebser Gastwirtschaft geschlossen wurde. Grundsätzlich sei es kein Problem für Anfänger, zum Training zu kommen. Wie lange es zur ersten „180“, dem höchsten mit drei Würfen erzielbarem Wert, dauert, lässt sich nicht pauschalisieren. „Wie in jedem Sport gibt es Naturtalente und weniger Begabte. Viel Training ist aber definitiv nötig“, sagt die Freundin des Bundesliga- und Nationalspielers Jens Ziegler.

Allerdings müsse Anfängern bewusst sein, dass sie keine bierbeseelte Feier-Atmosphäre wie bei den Profis erwarte. „Der Weltverband hat eine Party daraus gemacht, aber eigentlich ist Dart aufgrund der Konzentration ein sehr ruhiger Sport“, betont Kunze. Eine Hand voll Zuschauer sei zumeist nur bei den Matches zugegen, und Alkohol ist tabu. „Trotzdem herrscht immer gute Stimmung, denn in der Dartszene kennen wir uns alle super und sind wie eine große Familie.“

Dass der Sport mit den fliegenden Pfeilen boomt, macht sich auch im Untereichsfeld bemerkbar. „Durch den Zulauf an neuen Spielern konnten wir in dieser Saison erstmals drei Mannschaften für den Spielbetrieb melden“, sagt Dirk Wusowski, Vorsitzender des DC „Flying Darts“ Mingerode. Jährlich richten die „Flying Darts“ ein Turnier aus, zu dem Aktive aus ganz Niedersachsen und anderen Bundesländern kommen. Auf einen weiteren Schub dank der Präsenz in den Medien hofft Wusowski: „Das wünscht man sich natürlich. Wir haben aktuell 19 aktive Spieler. Andere Vereine haben 60 oder 70 und schicken sechs oder sieben Mannschaften in den Punktspielbetrieb.“

Vereine in der Region: Pub Dragons und Happy Hippos

An der „180“ und dem Neun-Darter versuchen sich in Göttingen seit 1990 organisierte Vereinsspieler. Die Pub Dragons, die im Irish Pub trainieren und spielen, sind der älteste Klub der Universitätsstadt. Außerdem werden in Göttingen bei der TWG Pfeile geworfen. Weitere Cracks sind beim DC Guinness 85 Adelebsen, DC GoIn 07 Uslar sowie den erst kürzlich gegründeten Happy Hippos des Bovender SV aktiv. Im Eichsfeld treten der DC Geyer Gieboldehausen und DC „Flying Darts“ Mingerode an. fab

E-Darter machen sich nicht zum „Horst“

„Wir sind alle große Fans der Steeldarter und haben begeistert die WM geschaut“, sagt Marcus „Hornet“ Hesse, Gründer des in Hann. Münden spielenden Automatendartvereins DC Herta Göttingen. „Da machen wir keine Unterschiede.“ Die bestehen allerdings ansonsten. Während Steeldarts zwischen 23 und 25 Gramm wiegen, ist das Gewicht beim E-Dart auf 18 Gramm limitiert, damit die elektronische Zielscheibe nicht kaputt geht. „Zudem kostet E-Dart Geld für die Automaten“, erläutert Hesse. Und während der Automat die geworfenen Punkte direkt anzeigt, muss beim Steeldart oftmals noch selbst gerechnet werden. Mit Konsequenzen: „Viele kriegen das nicht geregelt und kommen, aus Angst, sich zum Horst zu machen, dann zum Automatendart“, berichtet Hesse. fab

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