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Deutsche Talente statt ausländischer Star-Einkäufe

Handball-Experten enttäuscht Deutsche Talente statt ausländischer Star-Einkäufe

Handball-Bundestrainer Heiner Brand war fassungslos über die desaströsen Leistungen seiner Mannschaft.

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Ratlos: Bundestrainer Heiner Brand (links) und seiner Spieler während der Weltmeisterschaft in Schweden.

Quelle: dpa

Bei der Weltmeisterschaft in Schweden verbuchte sein Team nach der 25:35-Niederlage gegen Norwegen, die einem Offenbarungseid nahekam, das schlechteste Abschneiden bei einem WM-Turnier in seiner Geschichte. Auch die Olympia-Teilnahme ist in weite Ferne gerückt. Um sich die Chance auf London 2012 zu erhalten, müsste die DHB-Sieben, sofern sie im kommenden Jahr nicht Europameister wird und sich damit direkt qualifiziert, bei der EM zumindest einen von noch zwei freien Plätzen für ein Olympia-Qualifikationsturnier ergattern.
Mirko Jaissle, Trainer des Oberligisten HG Rosdorf-Grone, nennt die Vorstellung der deutschen Mannschaft „mehr als enttäuschend“. Vor allem spielerisch habe er sich mehr versprochen, „in wichtigen Partien waren die richtige Einstellung und das Zusammenspiel nicht vorhanden“.

Einige Spieler hätten das Turnier „auf die leichte Schulter genommen und mit angezogener Handbremse gespielt“, fügt er hinzu, das sei „auf diesem Niveau tödlich“. Das Team sei bis auf wenige Ausnahmen ein „kompletter Totalausfall“ gewesen. Gegen Island habe die Einstellung in einer Drucksituation „komischerweise gestimmt“, in den beiden letzten Hauptrundenspielen wurden die Angriffe jedoch „zu schnell abgeschlossen und die Außen zu wenig einbezogen“, sagt Jaissle. „Da muss man warten, bis die richtige Chance da ist.“ Außerdem fehle die Explosivität: „Bei einigen Akteuren war die körperliche Fitness ungenügend“, physisch seien Teams wie Frankreich „deutlich im Vorteil“.

Er sei „irritiert über die mangelnde Ideenvielfalt und Spritzigkeit im Team“, sagt der HG-Coach. Nun müssten sich die Verantwortlichen zusammensetzen und „neue Ziele definieren“. Ein Problem stellt für ihn die mangelnde Einbindung junger deutscher Talente in den Bundesligavereinen dar. Bei der HG trainierten Jugendspieler regelmäßig mit, „um sie an die Härte der Liga und die Spielsysteme der Mannschaft zu gewöhnen“. Diese Entwicklung vermisst er teilweise bei den deutschen Spitzenteams: „Dass jungen deutschen Nationalspielern ausländische Star-Einkäufe vor die Nase gesetzt werden, kann ich nicht nachvollziehen“, kritisiert er die Transferpolitik. Man müsse „junge Leute, die wollen“, mehr fördern.

Als „zu schwankend für eine bessere Platzierung“ bezeichnet Jens Wilfer, Trainer des Verbandsligisten HSG Plesse-Hardenberg, die Leistungen der DHB-Auswahl. Heiner Brand solle „über eine Umstellung des Spielsystems nachdenken“, dieses sei „zu starr“ und leicht auszurechnen. Der Rückraum müsse Räume für die Flügelspieler oder den Kreisläufer reißen, zu oft sei einfach aus der Mitte abgeschlossen worden. „Für die Weltspitze war das nicht konstant genug. Erfahrene Spieler haben in entscheidenden Situationen versagt“, findet Wilfer deutliche Worte. Konstant gute Vorstellungen hätten lediglich die Torhüter und Außen abgeliefert. Die Hoffnung auf Olympia „stirbt zuletzt, aber der Weg wird steinig“, sagt der HSG-Trainer.

Bestimmt werde der Bundestrainer „wieder mehr Spielzeit für die Deutschen in ihren Vereinen fordern“, dies sei durchaus berechtigt. „Wie soll man Spieler an Weltklasseformat heranführen, wenn sie kaum Einsatzzeit bekommen“, fragt auch Wilfer hinsichtlich der Spielanteile der Deutschen in der Liga.

„Es fehlt an Durchschlagskraft“ – darin liegt laut Dominik Kemke, der den Landesligisten MTV Geismar trainiert, das Problem im Spiel der DHB-Auswahl. Für den „nicht sehr ansprechenden“ Auftritt habe er „keine Erklärung“. Das Team verfüge sicherlich über die technischen Voraussetzungen, körperlich seien die Spieler jedoch meist unterlegen. Man dürfe aber „nicht alles schlecht reden“, der Umbruch habe schließlich bereits begonnen. „Diesmal hat es einfach nicht zusammengepasst. Das wird besser werden“, blickt Kemke optimistisch in die Zukunft.
Als „katastrophal“ bezeichnet Ekkehard Loest, Abteilungsleiter des Drittligisten TV Jahn Duderstadt, das Abschneiden der Mannschaft. „Es haben Führungsspieler gefehlt“, fügt er an, „die Leistung war nicht konstant genug“. Auch er sieht nun die Bundesliga-Vereine in der Verantwortung: „Das Problem ist, dass junge deutsche Spieler keine Einsatzzeiten bekommen.“ Deutschland verfüge über talentierte Handballer, um die Zukunft zu sichern, schließlich sei man amtierender Junioren-Weltmeister. „Vielleicht wachen die Verantwortlichen in den Vereinen jetzt auf und geben jungen deutschen Talenten mehr Chancen. Dann hätte das schlechte Ergebnis in Schweden doch etwas Positives.“

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