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Ein Deutscher, der in Lexington Erfolge feiert

Dressurreiten Ein Deutscher, der in Lexington Erfolge feiert

„Von oben muss man sich Kentucky vorstellen wie die Hälfte von Niedersachsen, weiß eingezäunt.“ So beschreibt Dressurtrainer Christoph von Daehne aus Hardegsen den Blick aus dem Flugzeug beim Anflug auf Lexington.

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Ein „Wunderpferd“ mit deutschem Vater: Moorlands Totilas, geritten von Edward Gal, bei den Weltreiterspielen.

Quelle: dpa

Von Daehne ist Deutscher, betreute bei den Weltreiterspielen vom 25. September bis 10. Oktober in Kentucky (USA) aber den Luxemburger Gaston Celius und den Österreicher Peter Gmoser. Das Abschneiden der deutschen Dressurreiter verfolgte von Daehne mit Unbehagen. Er versucht seit vielen Jahren den Verband zum Umdenken zu bewegen, ist aber bisher gescheitert. Seine beiden Schützlinge haben hingegen sehr gut abgeschnitten, und so war Lexington wenigstens für einen Deutschen ein „großartiges Erlebnis“.

Für Celius zum Beispiel sei allein die Teilnahme bei den Spielen ein riesiger Erfolg. Durch den internationalen Auftritt seines Schützlings erhofft sich von Daehne einen Aufschwung in dem kleinen Land, besonders bei den Nachwuchsreitern, die er selber trainiert. Auch Gmoser ritt nicht ganz vorne mit, übertraf mit seinen Leistungen in Lexington aber trotzdem alle Erwartungen. Er erreichte sogar das Finale der besten 15 und wurde am Ende zweimal 14. Was das österreichische Team vor eine kleine Herausforderung stellte: „Flüge und Hotel mussten umgebucht werden, da niemand mit diesem Erfolg gerechnet hatte“, sagt von Daehne.

Doch so schön der Erfolg im Ausland auch war, der ehemalige B-Kader-Dressurreiter ist noch immer eng mit Deutschland verbunden, und die Dressur-Misere ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Die gerissene Siegesserie war für ihn eine logische Entwicklung: „Steter Sieg ist die größte Bremse für Weiterentwicklung“, ist sein Credo.

Bereits vergangenes Jahr bei der EM in Windsor habe sich angedeutet, dass die Deutschen ihre unangefochtene Spitzenposition über kurz oder lang verlieren würden. Und einige Trainer hätten schon vor etwa 20 Jahren, unter ihnen auch der Hardegser, auf das Problem in der Förderungsstruktur des Spitzensports hingewiesen. Er kritisiert das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR), zuständig für den Spitzensport. Die Förderungsstrukturen seien nicht mehr zeitgemäß.

Deutschland habe sich zum Beispiel über Jahre hinweg damit gerühmt, die besten Pferde zu haben. Meistbietend seien die Tiere ins Ausland verkauft worden. Was aber für die guten deutschen Reiter – die es zweifellos gebe – bedeutet, dass die Pferde, auf denen sie reiten, keine Top-Tiere sind. Da der Erfolg eines Dressurreiters stark von der Qualität des Pferdes abhänge, hätten diese Reiter keine Chance, in der absoluten Weltspitze mitzureiten.

So hätten sich die ausländischen Reiter den Deutschen Jahr für Jahr angenähert, was eigentlich eine schöne Entwicklung sei, wie von Daehne anführt. Doch wenn sich das führende Land nicht weiterentwickele, werde es zwangsläufig eingeholt und wenig später überholt. Das sei den Deutschen 2010 passiert. An der Spitze reiten jetzt die Holländer. Auch das kommt nicht von ungefähr, sie reiten auf Pferden, „die es so noch nicht gegeben hat“, schwärmt von Daehne.

Die Niederländer haben eine eigene Warmblutzucht. Diese Pferde haben sie mit einem deutschen Spitzenhengst gekreuzt, erklärt der Pferdesportler. Heute gilt der niederländische Totilas als ein „Wunderpferd“, und auch in Lexington hat er gemeinsam mit Reiter Edward Gal überzeugt. Jetzt ist Totilas aber nach Deutschland verkauft worden. Paul Schockemöhle habe ihn „quasi zurückgeholt“. Doch jetzt muss ein deutscher Reiter für Totilas gefunden werden.

Eine schwierige Aufgabe, stellt von Daehne fest. Isabell Werth hat abgesagt, und noch ist kein Anwärter in Sicht. „Wenn sich in Deutschland kein passender Reiter findet, sucht Schockemöhle sich eben einen Sportler aus dem Ausland“, prophezeit der 55-Jährige.

Doch nicht nur an den Pferden macht von Daehne das Dilemma der deutschen Dressurreiterei fest. Auch die Arbeit einiger guter deutscher Trainer werde hierzulande nicht richtig angenommen. Die „unangenehmen“ Trainer wolle man hier nicht haben, doch nur so könne es zu ernsthafter Weiterentwicklung kommen. 15 dieser Trainer seien mittlerweile im Ausland tätig. Auch ein Grund dafür, dass die anderen Nationen näher kommen.

Und die Zukunft des deutschen Dressursports? „Ich weiß nicht, was passiert. Aber wir wollen niemanden rausschmeißen. Wir wollen gemeinsam eine Umstrukturierung vornehmen.“ Vielleicht habe man so in etwa zehn Jahren die Förderungen, die wieder Sportler und Pferde hervorbringt, die in der Weltspitze mitreiten können.

  Christoph von Daehne
  Christoph von Daehne, geboren am 23. November 1954, ist ehemaliger B-Kader-Dressurreiter und zurzeit Nationaltrainer in Luxemburg und Österreich. Der gebürtige Braunschweiger hat 1960 mit dem Pferdesport begonnen. Als aktiver Sportler hat er mehr als 300 schwere Dressurprüfungen gewonnen. 1984 hat er die Reitlehrerprüfung mit Auszeichnung bestanden. Bis 2008 war er selbstständiger Ausbilder auf dem Hof Hardenberg, heute arbeitet er als Berater auf dem Hof Bettenrode.
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Dressurreiten

Als aktiver Dressurreiter hat Christoph von Daehne während der Olympischen Spiele die Entscheidungen im Reiten vor dem Fernseher anschauen müssen, als Trainer ist er nun schon zum zweiten Mal vor Ort dabei. Nach Athen 2004, als er eine griechische Reiterin betreut hat, reist er nun als Coach der Österreicherin Renate Voglsang nach London.

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