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Regional Vom BG-Basketballer zum Footballer
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21:50 10.05.2017
Einlauf der Düsseldorf Panther mit dem Göttinger Aaron Donkor (Nummer 91) in der Mitte. Quelle: Bädorf
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Göttingen

„Du siehst aus wie ein Footballer“, habe ihn ein US-amerikanischer Mitspieler aufgezogen. „Passt doch“, dachte sich Donkor, der nach einer Saison in der Pro B bei Recklinghausen die Lust am Basketball verloren hatte. Also wurde er im Frühjahr 2016 beim Tryout des Bundesligisten Düsseldorf Panther vorstellig. Die Trainer in der Rheinmetropole waren begeistert von der Athletik des 22-Jährigen und gaben ihm prompt einen Platz im Team auf der Position des Defensive Ends.

„Dort muss ich den Passgeber des Gegners unter Druck setzen und im Laufspiel meine Abwehrseite verteidigen“, erklärt Donkor. Was die Statistik von 14 Quarterback-Sacks (Bestwert der Bundesliga) erahnen lässt, bestätigt das Studium des Highlight-Videos des Bruders von Fußballprofi Anton Donkor (FC Everton): Wenn Düsseldorfs Nummer 91, die über mehr Energie verfügt als ein Windpark während eines Tornados erzeugen kann, auf den Quarterback zustürmt, nimmt dieser verzweifelt Reißaus - zumeist erfolglos.

Zunächst mal Masse zulegen

„Football ist ideal für mich. Ein paar Sekunden 100 Prozent geben, dann Pause, und wieder alles herausholen. Dazu ist es ein sehr taktisch geprägter Teamsport. Was du im Training reinsteckst, bekommst du Eins-zu-Eins wieder raus“, schwärmt Donkor, der mit der BG-Basketballerin Katarina Flasarova liiert ist und in Aachen lebt.

Die Umstellung sei nicht einfach gewesen. „Ich musste erstmal mächtig an Masse zulegen, denn Kraft und Explosivität sind die halbe Miete“, berichtet er. Von 92 auf 105 Kilogramm hat sich das 1,85-Meter-“Biest“ hochgearbeitet. Das ging nur durch „Eisen fressen“ im Fitnessstudio - „und viel Erdnussbutterbrot mit Banane“, so Donkor, der seinen Kalorienbedarf auf 4500 beziffert.

Der Arbeitseifer zahlt sich aus. Donkor wurde dem deutschen NFL-Profi Björn Werner vorgestellt, der von 2013 bis 2015 für die Indiana Colts auflief. „Wir spielen auf der gleichen Position und stehen in regelmäßigem Kontakt“, erzählt das Kraftpaket mit ghanaischen Wurzeln, dessen Fähigkeiten Werner überzeugten, sodass er ihm ein Stipendium an einem Junior College in New Mexico verschaffte. Ab Juli wird Donkor dort voraussichtlich Wirtschaftspsychologie studieren, weiter an seiner Karriere arbeiten - und noch schmackhaftere Erdnussbutter als hierzulande verspeisen.

 

Verletzungsgefahr beim Football

Von 1000 Kontakten führen durchschnittlich fünf zu einer Gehirnerschütterung. Nach neun Karriere-Jahren haben 25 Prozent der Akteure mindestens ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Drei Tote pro Jahr während und nach eines Spiels zählen die Statistiker in den USA: Die Problematik durch sogenannte Concussions ist gravierend.

Die hohen Beschleunigungskräfte, mit denen die gewichtigen Athleten bei Tacklings aufeinander krachen, können fatale Langzeitfolgen im Gehirn hervorrufen. „Depressionen, Gedächtnislücken, Verhaltensauffälligkeiten“, zählt Professor Veit Rohde, Leiter der Neurochirurgie der Göttinger Universitätsmedizin, auf. „Dabei werden die Faserbahnen im Gehirn durch Traumata in Mitleidenschaft gezogen und die Verbindungen zwischen Hirnarealen gestört. Diese strukturellen Veränderungen sind bildgebend nachweisbar“, sagt Rohde. Zwar sei eine Concussion nicht weiter schlimm, und die Profi-Footballer werden anschließend auf Verhaltensauffälligkeiten überwacht, nicht unmittelbar nachweisbar sind jedoch die subklinischen Ereignisse, die bei ständigen repetitiven Stößen auf den Kopf entstehen. „Strukturelle Schäden lassen sich durch kein Rehaprogramm ungeschehen machen“, warnt Rohde.

Von Verboten hält der Mediziner, dessen Tochter Rugby in Neuseeland spielt, nichts. Stattdessen rät er zu Prävention und Aufklärung: Bereits im Training – vor allem bei Kindern – sollte ausgiebige Protektion zum Einsatz kommen, zudem müsse „den Sportlern klargemacht werden, welches Risiko besteht. Im Amateurbereich ist die Dunkelziffer an groben Verletzungen noch höher als bei den Profis“.

An diesem Bewusstsein mangelt es besonders in der amerikanischen Profi-Liga NFL jedoch vielen Stars. Aufgerüttelt wurde die Szene erst durch die Suizide zahlreicher Ex-Profis. Prominentestes Opfer ist der zweifache Super-Bowl-Champion Dave Duerson, der sich 2011 per Schuss in die Brust ermordete und in seinem Abschiedsbrief vermerkte, dass Ärzte bitte sein Gehirn untersuchen mögen. 2015 thematisierte der Film „Erschütternde Wahrheit“ mit Will Smith in der Hauptrolle die Problematik. fab

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