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Regional Feuerwerk der Turnkunst: Lokhalle fast ausverkauft
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00:17 25.01.2013
Alte Bekannte: Artem Ghazaryan, Thomas Greifenstein, Tim Schneider und Martin Konecny fliegen auch dieses Jahr wieder am Reck. Quelle: Pförtner
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Michael Bauer ist nicht nur in Göttingen live dabei, sondern hat auch die drei Shows in der Hannoveraner Tui-Arena vor insgesamt 30 000 Zuschauern und die Rekordkulisse von 10 500 Fans in der Bremer ÖVB-Arena gesehen. Die Künstler und Athleten wirken einfach zugänglicher für das Publikum.

Es honoriert die anmutigen Auftritte des ukrainischen Partnerakrobatik-Duos Paradise und besonders die schwindelerregenden Einlagen der Kanadier Heloise und William am Chinese Pole mit lautem Applaus und reichlich Trampeln auf den Rängen. Die jungen Künstler der „Next Generation“ erhalten mitunter erstaunte „Ohs“ und „Ahs“, und wirken beim Tricking, Slackline und Parkour wie publikumsnahe Straßenkünstler, denen man einige Minuten zusieht und dann die wohlverdiente Münze in den Hut wirft.

Zum Auftakt werden die oft beschriebenen Lachmuskeln beansprucht. Komiker Sascha Korf führt als wohl bester Pausenclown der vergangenen Jahre erfreulich locker durchs Programm. Seine teilweise wirklich frechen Witze und Gags kommen gut an, das selbst gereimte Gedicht über Göttingen und die Region noch besser.

Premieren-Show "The Next Generation" des Feuerwerks der Turnkunst in der Lokhalle Göttingen. Fast 3000 Zuschauer waren da. © Swen Pförtner

Schon früh leitet der 44-Jährige zum ersten Höhepunkt über: Heloise und William führen ihre Partnerakrobatik mit viel Grazie aus. Im wesentlich stärker besetzten und spektakuläreren zweiten Teil der Show reißt die turnerische Inszenierung einer Streitszene der Ausnahmeathleten die Fans mit. Dem Publikum stockt der Atem, als William seine katzengleiche Partnerin – kopfüber vom Chinese Pole rutschend – erst fünf Zentimeter über dem Boden auffängt.

Viel Jubel gibt es auch für die romantische Flugshow samt Kuss des Duos Viro, das an seidenen Tüchern hängt. Die blondierten chinesischen „Zehnlinge“ der Troupe Xinjiang türmen sich schüchtern auf und liefern ein imposantes Schattenbild am Wandvorhang.

Alte Hasen beim Feuerwerk sind Artem Ghazaryan und Thomas Greifenstein, die bereits zum siebten Mal gewohnt starke Kunststücke am Reck präsentieren. Ansonsten sind die turnerischen Höhepunkte rarer gesät als in den vorigen Tourneen. Regisseurin Heidi Aguilar setzt ihre jungen Künstler und Trendsportler in natürlichem Umfeld in Szene.

Lasziv-provokant sitzen die Showtänzer in überspitzt bunten Kostümen am Bühnenrand, beobachten mit aufgesetzt gelangweilter Miene Tricking – eine Mischung moderner, jugendlicher Kampfkunst und Gymnastik –, Parkour und den Seiltanz des besten deutschen Slackliners Immanuel Bumb.

Dazu dröhnen Hip-Hop-Bässe und groovige Musik von Olivia und Lay Low aus den Boxen. Etwas besser gelingt Andreas Wessels die Verbindung von Entertainment und Sport. Obwohl die höchst anspruchsvollen Jonglage-Element des Multitalents nicht viel mit Turnen zu tun haben, zieht Wessels die Zuschauer in seinen Bann.

Mit einem Stangenspiel orangefarbener Neonröhren setzt er den optischen Höhepunkt des Abends, wirkt wie ein Magier, seine fliegenden Röhren beschwörend.

Die beste „Next-Generation-Performance“ bieten Capliore beim Double Dutch. Die japanische Kombo grinst in die Halle, meistert mühelos ihre Seilsprünge und versprüht viel Charme. Auch der traumverlorene Alexandre Lane im Cyr-Ring und Inlineskate-Virtuosin Katya Nikiferova gefallen.

Die erst 20-jährige zierliche Tatjana Konobas verdient sich das Prädikat „absolut süß“. Ihr bewusst etwas tollpatschig wirkender Auftritt mit drei Pezzi-Bällen ist koordinativ ungemein schwierig und persifliert das negativ behaftete Image der Gesundheitssport-Utensilien perfekt.

Die ganz großen Stars wie die Alexis Brothers oder Dominic Lacasse fehlen in diesem Jahr. Dafür setzt die Turn-Show ihr Motto „Next Generation“ recht trefflich um. Ergebnis ist eine peppige, manchmal aber auch etwas langatmige Choreografie junger Talente der nächsten Generation.

Von Rupert Fabig

Das Feuerwerk der Turnkunst im Internet.

Für die dritte und letzte Show in Göttingen um 19 Uhr sind noch Tickets erhältlich. Die Abendkasse an der Lokhalle öffnet um 17 Uhr.

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