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In Göttingen wird wieder Speedball gespielt

Bundesligateilnahme ist Ziel In Göttingen wird wieder Speedball gespielt

Für exakt fünf Minuten durfte sie mal ganz und gar Kind sein. Sie durfte toben, dem Plastikball nachjagen, ihn durch die Halle dreschen – und sich dabei so richtig auspowern. Erschöpft legt Alexandra Dudczak schließlich ihren Schläger zur Seite und ersetzt ihn durch ihre Trinkflasche. „Ganz schön pulstreibend“, sagt sie, und versichert: „Fünf Minuten können eine ganz schön lange Zeit sein.“

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Lauf-, Spaß- und Mannschaftssport: Der Ball kann beim „Speedball“ am Boden gedribbelt, aber auch in der Luft geschlagen werden.

Quelle: Heller

Göttingen. Gemeinsam mit 15 anderen Spielern geht Dudczak der Sportart „Speedball“ nach, die seit zwei Wochen am Sportzentrum der Universität angeboten wird.

„Das Spiel erinnert an Hockey. Allerdings spielt man es nicht gebückt, sondern aufrecht“, erklärt Dudczaks Mannschaftskollege Richard Heise. „Und irgendwie“, fügt der 24-Jährige hinzu, „ist es auch ein bisschen wie Fußball“. So besteht das Ziel im Erzielen von Toren, wofür mit dem Schläger – der an ein überdimensionales Wattestäbchen erinnert – Doppelpässe gespielt, Flanken geschlagen und Torschüsse abgefeuert werden. Schnell wird das Spiel vor allem dann, wenn sich der Plastikball (bewährt hat sich ein Exemplar aus einem Ein-Euro-Discounter) in der Luft befindet. Aber auch das Dribbeln auf dem Boden ist möglich, wie Heise eindrucksvoll demonstriert, als er bei einem Konter den gegnerischen Torwart umkurvt.

Technik, Ball- und Körperkontrolle, das wird deutlich, sind entscheidend. Und dennoch mutet Speedball bisweilen wie ein „Hau-Drauf-Spiel“ an. Zum Beispiel dann, wenn sich eine Traube aus Spielern bildet, die nur das eine will: den Ball.

Als „Lauf-, Spaß-, und Mannschaftssport“ bezeichnet Organisator Roman Lossin-Beßler das rasante Spiel. Wie er selbst seien die meisten Akteure erstmals während ihrer Schulzeit am Max-Planck-Gymnasium mit Speedball in Kontakt gekommen. „Meine Generation hat das oft im Sportunterricht gespielt.“ Anfang des Jahres sei schließlich die Idee gereift, „die Leute aus alten Tagen einfach mal wieder zusammenzutrommeln. Aber es war gar nicht mal so einfach, eine Halle zu bekommen“, verdeutlicht der 25-Jährige. Jetzt stehen den Speedballern jeden Sonnabend 60 Minuten zur Verfügung – und die genügen, um Puls und Adrenalin in die Höhe zu treiben.

MPG-Erfahrung bringt auch Richard Heise mit. Das wird nicht nur bei seinem Kontertor, sondern bereits in der ersten Partie des Tages deutlich. Dort wirkt die Ansage „letzte Spielminute“ auf ihn wie ein Weckruf: Mit einem Tunneltor sorgt Heise zunächst für das 2:1, mit zwei weiteren Treffern schließlich für einen 4:1-Sieg. Für den 24-Jährigen ist „das Besondere am Speedball, dass man praktisch ohne Unterbrechungen spielen kann“. Gestört wird der Spielfluss lediglich, wenn der Ball auf die Tribüne fliegt oder der weiche Schaumstoffkopf sich vom Schlägern löst – „nur dann kann es gefährlich werden“, betont Lossin-Beßler. Prinzipiell brauche man keine Angst vor Schläger oder Ball zu haben. Überwindung kostet es aber dennoch, sich bei den imposanten Ausholbewegungen der anderen Spieler nicht reflexartig wegzudrehen.

Mittelfristig möchte Organisator Lossin-Beßler neben der freien Spielzeit auch Systemtraining anbieten. Schließlich besteht sein Ziel nicht nur darin, das Spiel „in Göttingen zu etablieren“. Sondern auf längere Sicht auch darin, ein Wörtchen um den Sieg in der bundesweiten Speedball-Liga mitzureden. Bei den offiziellen Wettkämpfen wird mit einem etwas kleineren Ball und fünf Spielern pro Team (darunter zwei Frauen) auf Handballtore gespielt.

Unklarheit herrscht hinsichtlich der Ursprünge des Sports , welcher auch unter dem Namen „Bouncer-Ball“ bekannt ist: „Es gibt viele, die behaupten, sie hätten das Spiel erfunden“, unterstreicht Lossin-Beßler. Sicher ist indes: „Ursprünglich haben die Hersteller das Gerät, das wir als Schläger nutzen, als allgemeines Sportgerät auf den Markt gebracht.“

Im Gegensatz zu manch anderen Sportspielen hat beim Speedball auch die Rolle des Torhüters ihren Reiz. Zwar ist der Schlussmann den Risiken von Flatterbällen und Gesichtstreffern ausgesetzt, er genießt aber das Privileg, den Ball mit Fuß und Hand spielen zu dürfen. Vor seinem Tor fungiert er als Abräumer, schlägt alle Bälle aus der Gefahrenzone. Und so plump diese Aufgabe wirken mag: Sie eröffnet die Chance, den Ball durch die Halle zu dreschen – und damit Kind zu sein, zumindest für fünf Minuten.

Von Timo Holloway

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