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Regional Malcolm Boone möchte den ASC 46 als Sprungbrett ins Profilager nutzen
Sportbuzzer Sportmix Regional Malcolm Boone möchte den ASC 46 als Sprungbrett ins Profilager nutzen
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19:42 01.01.2014
Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen

„Absolut jeder“ in Göttingen spreche ihn seit seinem Wechsel aus Würzburg vor knapp zwei Monaten auf seinen fünf Jahre älteren Bruder Jason an, der in Südniedersachsen spätestens seit dem Europapokalsieg 2010 mit der BG als Held verehrt wird. Obwohl sich der Neu-Königsblaue mit seinem Bruder ausgezeichnet versteht und die beiden täglich telefonieren, ist er doch stets darum bemüht, aus dessen riesigen Fußstapfen zu treten, sich ein eigenes Profil zu erarbeiten und auf die Unterschiede der Geschwister hinzuweisen.

Die sind schon äußerlich auf den ersten Blick erkennbar. Zwar besteht bei den Gesichtszügen natürlich eine frappierende Ähnlichkeit, doch im Gegensatz zum 2,03 Meter großen Koloss Jason kommt Malcolm mit seinen durchtrainierten 1,95 Metern deutlich agiler daher, ist flinker auf den Beinen und verfügt über einen wesentlich ästhetischeren Sprungwurf.

Ebenso wenig sei eine notorische Schwäche bei den Freiwürfen ein fester Bestandteil der Boone᾽schen DNA. „Ich treffe viel besser als Jason“, versichert Boone, der aktuell 60 Prozent seiner Ein-Punkt-Versuche für den ASC einnetzt. Als er in einem Spiel dennoch lediglich vier seiner zehn Freiwürfe im Korb unterbrachte, gab es spöttische Bemerkungen.

„Glühwein und Bayern-Döner mag ich richtig gerne“

Unter kommt Boone bei einer befreundeten Familie in Roringen. Da er kein Auto besitzt, ist er auf Fahrten mit dem Bus in die Stadt angewiesen. „Das stört mich aber wenig. Ich bin froh, unabhängig zu sein und einfach nur glücklich, dass ich hier Basketball spielen kann“, erklärt Boone, der ununterbrochen lächelt.

Weniger glücklich ist er dagegen darüber, dass er seine Freundin Yasmin, die in Würzburg lebt, nicht mehr täglich zu Gesicht bekommt. Gegen das Vermissen helfe vor allem Krafttraining, erläutert Boone. Auch seine Arbeit als Assistent bei mehreren Jugendteams lenke ihn ab.

Und regelrecht aufblühen konnte der 95-Kilo-Modellathlet auf dem Weihnachtsmarkt: „Glühwein und Bayern-Döner mag ich richtig gerne.“ Mit der Sprache fremdelt der New Yorker mit Vorbild Paul George von den Indiana Pacers hingegen noch: „Ich warte nach wie vor darauf, meinen Deutsch-Kurs zu beginnen.“

In der kriselnden Regionalliga-Mannschaft des ASC ist Boone mit durchschnittlich 12,8 Punkten prompt zum Leistungsträger aufgestiegen. Für einen US-Amerikaner äußerst untypisch tritt der Power Forward weniger als Scorer denn als Passgeber in Erscheinung. „Am liebsten gebe ich den Ball zu dem Mitspieler, der gerade richtig heiß ist.“

Für Höheres berufen

Da sich Boone für Höheres berufen fühlt, sagt er aber auch: „Wenn es nötig ist, kann ich mein Spiel jederzeit auf ein anderes Level heben und selbst punkten.“ Seine Physis, die Spielübersicht und die Fähigkeit, zum Korb zu gelangen, sollen ihm helfen, vielleicht noch in dieser Saison zum Trainingsspieler im Zweitliga-Team der BG aufzusteigen.

Dann müsste der sprunggewaltige Korbjäger allerdings auf die Position des Small Forwards umschulen, weil er als Power Forward für den Profi-Bereich eindeutig zu klein ist. „Dafür sollte ich meine Drei-Punkt-Würfe ein wenig sicherer verwandeln“, weiß Boone. Dass er das schafft, ist er sich ganz sicher.

„Ich denke, ich kann es als Basketballer so weit bringen, wie ich will.“ Sollte Boone tatsächlich mal in die Bundesliga auflaufen, hat er jedoch ein Problem: Ein Bruderduell mit dem in Würzburg spielenden Jason stünde ins Haus, wäre Gesprächsthema Nummer eins. Immerhin könnte Malcolm dann im direkten Vergleich beweisen, dass er bei den Freiwürfen viel besser ist als Jason.

Von Rupert Fabig

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