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Mit Vollgas auf Schnee und Eis durch Frankreich

Eisspione bei der Rallye Monte Carlo Mit Vollgas auf Schnee und Eis durch Frankreich

Die Rallye Monte Carlo gilt als die Mutter des Rallyesports. Seit 2009 ist sie Auftakt der Intercontinental Rallye Challenge (IRC), der zweithöchsten Rallye-Meisterschaft der Welt.

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Staubig geht es abseits der Ideallinie zu: Hans-Joachim Rochlitz und Sohn Benjamin pflügen durchs Gelände.

Quelle: EF

Die Göttinger Hans-Joachim Rochlitz und Sohn Benjamin nehmen ab dem heutigen Mittwoch die Prüfungen über 337 Wertungskilometer als Eisspione für die Pfälzer Rallye-Cracks Andreas Schwalie und Florian Schmidt in Angriff. „Eigentlich sollten die beiden für uns als Eisspione fahren“, berichtet Benjamin Rochlitz. „Alles war vorbereitet, doch ihre Nennung wurde angenommen, unsere nicht. Also haben wir das Konzept umgedreht.“

Als Eisspion wird ein Helferfahrzeug bezeichnet, das die Wertungsprüfungen kurz vor dem Start abfährt, um für den Beifahrer Gefahrenstellen zu markieren. Dieser sogenannte Aufschrieb ist das wichtigste Utensil des Co-Piloten: Es verzeichnet Meter- und Kurvenangaben sowie gefährliche Stellen. „Den Aufschrieb vervollständigen wir um die aktuellen Wetterverhältnisse, markieren Schneewehen und Eisplatten“, erläutert Benjamin Rochlitz. Einen Vorschlag zur Reifenwahl geben die Göttinger ebenfalls.
Typisch für die Rallye Monte Carlo sind die wechselhaften Bedingungen auf der Strecke: häufig trocken am Start, aber Eis und Schnee in den Bergen. „Ohne guten Aufschrieb strandet man schnell an einer Felswand“, so Rochlitz. Es geht darum, das Risiko für Schmidt/Schwalie im Suzuki Ignis 1600 zu reduzieren. Mit einem identischen Fahrzeug sind die Göttinger Eisspione unterwegs. Traditionsgemäß dürfen am dritten Rallye-Tag nur noch die besten 60 Teilnehmer starten, darunter will das Team unbedingt sein. „Wir wollen an der Nacht der langen Messer teilnehmen“, gibt Hajo Rochlitz als Ziel aus. Diese letzte Nacht-Prüfung in den französischen Alpen führt über den Col de Turini und gilt als extrem spektakulär und materialmordend.

„Du darfst natürlich auch als Eisspion nicht langsam über die Prüfungen schleichen, sondern musst schon beinahe im Wettbewerbstempo fahren. Sonst bringt das ja nichts“, freut sich Rochlitz auf Vollgaspassagen und besonders auf die kurvigen Passstraßen. „Viele scheiden früh aus, weil sie keine Eisspione haben“, sagt der Rennfahrer. So „spioniert“ der ehemalige deutsche Rallyemeister Armin Schwarz für den zweiten deutschen Starter Mark Wallenwein, und der amtierende IRC-Champion Juha Hänninnen hat sich den zweifachen Rallye-Weltmeister Marcus Grönholm ins Team geholt. Die Privatfahrer befinden sich also in illustrer Gesellschaft. „Unser großes Team-Ziel ist, innerhalb der Wertung anzukommen“, sagt Rochlitz. „Das wäre für uns alle schon ein Riesenerfolg.“

„Hajo“ Rochlitz fährt seit 1972 sehr erfolgreich internationale Rallyes. Er gewann norddeutsche Meistertitel und krönte sich mehrfach zum Niedersachsen-Champion. Als Mitglied des Sportausschusses im ADAC und Fahrersprecher für Niedersachsen widmet er sich jetzt hauptsächlich der Nachwuchsarbeit.

„Ich habe alles gewonnen, was man als Privatfahrer gewinnen kann“, sagt er ohne jede Spur von Überheblichkeit. Da der Bleifuß in der Familie liegt, begann auch Benjamin bereits mit neun Jahren mit dem Kartfahren. Mehrere Slalom-Erfolge und der Gewinn der Meisterschaft des niedersächsischen Fachverbandes für Motorsport stehen bereits in seiner Vita.

Pro Jahr sei er früher zehn bis 15 internationale Rallyes gefahren, berichtet Rochlitz senior, mittlerweile sind es immer noch knapp unter zehn, die er mit verschiedenen Fahrzeugen bestreitet – unter anderem mit einem Opel Astra mit „reichlich Leistung aus zwei Litern“, wie er das Triebwerk umschreibt, das für den brachialen Antritt des unscheinbaren Fahrzeugs sorgt. „Da wir keine Meisterschaften mehr gewinnen müssen, fahren wir da, wo es schön ist“, schmunzelt er. Auch auf dem „heißen Sitz“ hinter dem Lenkrad wechseln sich Hajo und Benjamin ab.

Nun bricht er mit „elf weiteren Verrückten“ im Team zur berühmtesten Rallye der Welt auf, die vor zwei Jahren das Prädikat eines Weltmeisterschaftslaufs zwar verlor, aber seitdem noch an Prestige und Klasse gewonnen hat. Die Zauberformel lautet „zurück zu den Wurzeln“, erklärt Rochlitz, „es wird wieder nachts gefahren, und der Veranstalter kann sich vor Nennungen kaum retten.“ 305 Teams wollten in diesem Jahr fahren, 121 wurden angenommen, davon drei aus Deutschland.

Von Tobias Christ

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