Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional „Nicht nur der Motor treibt mich voran“
Sportbuzzer Sportmix Regional „Nicht nur der Motor treibt mich voran“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 08.12.2011
Weiß, wie er mit extremen Schräglagen umgehen muss: Christoph Pudlo in einer Kurve beim Rennen auf dem Nürburgring. Quelle: König
Anzeige
Göttingen

Da, wo sonst Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel an den Start geht, ist auch Pudlo zuhause. Rennen auf dem Hockenheimring oder Nürburgring gehören für den Göttinger zum Rennalltag. Seine Lieblingsstrecke allerdings ist die älteste Naturrennbahn Deutschlands im thüringischen Schleiz. „Hier fährt man direkt auf den Parkplatz vom Bäcker, wenn man die Kurve nicht bekommt“, sagt Pudlo. Die Strecke, auf der „Mutti unter der Woche Brötchen holt“, werde am Wochenende für die PS-starken Zweiräder abgesperrt. 270 Stundenkilometer erreicht seine Yamaha R6.

Holt Pudlo sein Gefährt zur kalten Jahreszeit aus der Garage, so muss er die speziellen Rennreifen vorher mit Heizspiralen auf 80 Grad erwärmen. Dass schützt sie davor, bei Kälte Schaden zu nehmen und sorgt im Sommer dafür, dass sie gleich am Start die nötige Betriebstemperatur haben, um extreme Schräglagen zu fahren und in weniger als vier Sekunden von Null auf 100 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. 600 Kubik, vier Zylinder und 120 PS helfen dabei.

Die Reifen sind es auch, die seine Maschine grundlegend vom normalen Straßen-Motorrad unterscheiden. „Ich kann damit nur auf Rennstrecken fahren. Auf der Straße könnte ich die 80 Grad Temperatur einfach nicht halten“, sagt Pudlo. Zudem besitzt sein Bike eine spezielle Rennverkleidung und das Fahrwerk ist angepasst – es ist hochwertiger und straffer. Auf weitere individuelle Veränderungen, beispielsweise am Motor, hat Pudlo verzichtet. „Das würde bedeuten, dass ich in einer anderen, kostspieligeren Klasse fahren müsste“, erklärt er.

Vielmehr reize es ihn sowieso, wenn alle Starter gleiche Voraussetzungen haben. Das wäre im R6-Cup der internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) der Fall. „In der höchsten deutschen Klasse hat jeder das gleiche Material. Es ist vorgeschrieben, dass man zu Saisonbeginn auf einer neuen Maschine starten muss“, so Pudlo. Wenn es nach ihm geht, wird er sich diesen Traum im Jahr 2013 erfüllen. Doch erst einmal will er in der DSM um Siege mitfahren, sein bestes Ergebnis in der zurückliegenden Saison war ein dritter Podestplatz auf dem Lausitzring, in der DSM-Gesamtwertung landete er auf Rang vier. Die IDM-Rennen verfolgt er vorerst also noch im Fernsehen oder als einer von rund 40 000 begeisterten Zuschauern an den Rennstrecken.

Pudlo hat Träume, bleibt aber realistisch. „Ich mache mir nichts vor. Für den Sprung nach ganz oben, ist es längst zu spät. Wer ein Valentino Rossi werden will, muss mit zehn Jahren auf einem Pocket-Bike anfangen und jede Menge Geld investieren.“ Geld, und das nicht wenig, investiert aber auch der Student Pudlo. „Ich habe kein teures Handy oder andere Sachen“, sagt er. Anstatt auf Shopping-Tour zu gehen, arbeitet er neben seinem Wirtschaftswissenschaftsstudium, spart und führt Sponsoren-Gespräche. Unterstützung bekommt er in Göttingen von der Fahrschule Johannes Dünhöft, bei der er das Motorradfahren gelernt hat, von der GUF Göttingen und seinen Eltern, die die Rennsportleidenschaft ihres Sohnes teilen. Für einen Start im 6er-Cup müsste er allerdings noch viel mehr Sponsorengespräche führen, denn Kosten von rund 20 000 Euro müssten gedeckt werden. Platz im Terminkalender hat Pudlo.
Neben der Maschine sorgt auch der Motorradfahrer selbst dafür, dass er schnell unterwegs ist. „Nicht nur der Motor treibt mich voran“, sagt Pudlo. Vor allem in den Kurven sei Bewegung gefragt, und Kräfte, die beim Abbremsen von 270 auf 60 Stundenkilometer auf den Körper wirken, müssten abgefedert werden. Selbstverständlich seien für ihn daher Fitness- und Lauftraining. Seinem sportlichen Engagement und seiner blauen Rennkleidung hat er seinen Spitznamen „Kampfschlumpf“ zu verdanken.

Zum Schutz trägt Pudlo bei Rennen den obligatorischen Helm, einen Lederschutzanzug mit Rückenprotektor und Schuhe, die mit Carbon verstärkt sind. Einmal hatte der 24-Jährige schon einen „Abflug“, bei 140 Stundenkilometern landete er im Kiesbett, sein Motorrad nach einem Flug durch die Luft 30 Meter von ihm entfernt. Dass ihm dabei nichts passiert ist, kann seiner Erfahrung zugeschrieben werden oder kann damit begründet werden, dass er sich mit Fitnesstraining darauf vorbereitet. In erster Linie allerdings ist es die Tatsache, dass Pudlo weiß, dass die Gefahr stets mitfährt. Deswegen hat er sich auch dazu entschlossen, in der Freizeit aufs Motorradfahren zu verzichten. „Auf der Straße ist es viel gefährlicher, da gibt es Bäume und andere Verkehrsteilnehmer.“ Außerdem fahre er sehr gerne sehr schnell, und das sei mit der Straßenverkehrsordnung nun einmal nicht zu vereinbaren.

Mehr über Christoph Pudlo gibt es auf dessen Homepage zu erfahren.

kampfschlumpf.wordpress.com

Von Kristin Kunze

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige