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Regional Nur Schaumburg kann die Anzeigetafel bedienen
Sportbuzzer Sportmix Regional Nur Schaumburg kann die Anzeigetafel bedienen
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18:07 21.09.2011
An seinem Arbeitsplatz in der Sprecherkabine des Jahnstadions: Marcel Schaumburg. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Der 20-Jährige hat es in der Sprecherkabine des Stadions nicht leicht. „Es ist ein ganz alter PC ohne Windows“, berichtet er. Gearbeitet wird mit einem DOS-Betriebssystem, die Taktfrequenz des Prozessors beträgt schlappe 16 Megahertz – für moderne Computer sind drei Gigahertz nicht unnormal. „Jedes Smartphone hat mehr“, sagt Schaumburg. Mit einem Knopf schaltet man den Turbomodus ein, der die Leistung verdoppeln soll. „Aber das ist wohl mehr eine Gag-Geschichte“, berichtet der Schedener amüsiert.

Schaumburg ist ehemaliger Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums und gehörte „als Siebt- oder Achtklässler“, so genau weiß er das nicht mehr, einer AG an, die sich unter anderem mit der Anzeigetafel beschäftigte. Mittlerweile ist er ans Otto-Hahn-Gymnasium gewechselt. „Es gibt noch zwei Jungs aus dem alten AG-Team, die in Göttingen studieren“, sagt er, „die müssten das auch noch können“. Aber sonst niemand. Die AG sei eingeschlafen, und im Prinzip sei er „übrig geblieben“.

Der Jahnstadion-PC, ausgestattet mit einer riesigen Grafikkarte, ist über ein dickes Kabel mit der Anzeigetafel verbunden, die somit als Monitor dient. Das Alter des Ensembles liegt bei knapp 25 Jahren, und deshalb sei es „superschwer, Ersatzteile zu bekommen“. Einmal, bei einem Blitzeinschlag oder einem kalten Winter, habe die Anlage „etwas abbekommen“ – die durch Panels (Steuereinheiten) organisierten Glühbirnen nahmen Schaden, einzelne Zeilen sind nicht mehr zu lesen. „So etwas ist halt nicht wirklich zu reparieren“, sagt Schaumburg.
Der 20-Jährige ist selbst kein Computerfreak und will nach dem Abi im nächsten Jahr Politik, Philosophie und vielleicht Journalismus studieren. Das PC-Rüstzeug hat er von seinem Vater mitbekommen, einem Computertechniker. Seit acht Jahren sitzt der Sohn bei Veranstaltungen wie dem Frühjahrsvolkslauf in der Jahnstadion-Sprecherkabine, seit dem Umzug des RSV 05 in die Arena wieder regelmäßig. „Es ist ein Nebenjob, geht aber schon mehr in Richtung Hobby“, sagt er. „Ich verstehe mich jetzt auch als Unterstützer des Vereins und gebe dem auch Rabatt.“

Die antiquierten Parolen auszuwechseln sei „nur bedingt möglich“, sagt Schaumburg. Zwar stünde ihm bei Texteingaben ähnlich wie bei Twitter eine bestimmte Anzahl von Zeichen zur Verfügung, wolle er aber etwa Logos verändern, müsse er über das PC-Malprogramm jede Glühbirne einzeln ansteuern. „Das dauert Stunden, der Arbeitseinsatz lohnt sich nicht“, sagt er.

Animationen wie die Rakete oder den Smiley („Anfeuern ja, Randale nein“) verwende er aber auch aus nostalgischen Gründen: Er hat noch die Endphase des 1. SC 05 im Jahnstadion erlebt, „und wenn ich die Fans mit diesen kleinen Gags zum Lachen bringe, zeige ich, dass ich zu 05 gehöre“. Ein richtiger Fußballfan werde er aber wohl niemals werden. „Haben Sie alle noch einen schönen Abend.“

Von Eduard Warda

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