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Quälender Wechsel von Steigungen und Abfahrten

Tour d’Afrique Quälender Wechsel von Steigungen und Abfahrten

Hardy Grüne hat sich in das größte Abenteuer seines Lebens gestürzt. Mit 62 Radsportbegeisterten aus aller Welt mutet sich der 48 Jahre alte Göttinger die Tour d’Afrique zu, die von Kairo aus in 95 Tagesetappen über 11    953 Kilometer bis nach Kapstadt führt. Einmal wöchentlich schildert Grüne im Tageblatt seine Erlebnisse, Strapazen und Eindrücke auf einer der längsten und härtesten radsportlichen Herausforderungen der Welt.

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Quelle: EF

Livingstone. 12     000 Kilometer wollen irgendwie überwunden werden. Bis in die malawische Hauptstadt Lilongwe hatten wir „erst“ 7434 Kilometer hinter uns gebracht, und weil bis zum großen Finale in Kapstadt nur noch 38 Tage blieben, brachen nun die Kilometerfresser-Tage an. Als wir Lilongwe verließen, standen stattliche 154 Tageskilometer auf dem Programm, und schon tags darauf stellten wir mit 177 Kilometern einen neuen Rekord auf. Der hatte keine Woche Bestand, als er von einer 182-Kilometer-Tagesetappe gebrochen wurde. Und so geht es weiter, denn wenn wir am 27. April die namibische Kapitale Windhoek erreichen, werden wir binnen 22 Tagen 2754 Kilometer geradelt haben.

Da heißt es, das Hinterteil gut einzucremen und die Beine in Schwung zu halten. Bislang keine allzu einfache Aufgabe, denn vor allem Sambias Osten entpuppte sich als dünn besiedelte Hügellandschaft, die ein norwegischer Teilnehmer in Anlehnung an die Wellblechpisten Sudans treffend als „Wellblechlandschaft in anderer Dimension“ bezeichnete. Bis in Sambias Hauptstadt Lusaka ging es über mehr als 600 Kilometer beständig auf und ab, was nicht nur die Beine forderte, sondern auch den Geist. Einen Rhythmus zu finden, war in dem dauernden Wechselspiel von schnellen Abwärtsfahrten und quälend langsamen Steigungen nicht möglich, und dass hinter jeder Abfahrt unweigerlich eine Steigung kam, ließ Willen wie Kondition im Laufe des langen Tages regelmäßig erlahmen.
Die Landschaft bot nur wenig Abwechselung. Ganze drei erwähnenswert große Orte passierten wir auf den 600 Kilometern, und häufig pedalten wir über lange Zeiträume, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Wo immer wir sie trafen, verursachten wir freilich den inzwischen bekannten Aufruhr und erfreuten uns an ungeteilter Aufmerksamkeit vor allem der Kinder. In Sambia steht übrigens der Begrüßungsruf „how are you“ hoch im Kurs, der uns von Jung und Alt zugerufen wurde. Dass darauf keine Antwort erwartet wird, wurde uns klar, als er zu einem vielstimmigen Anfeuerungschor anschwoll, wann immer wir an einer größeren Gruppe Schulkinder fuhren. Statt „allez, allez“, wie bei der Tour de France, „how are you, how are you“ – eine bemerkenswerte Erfahrung selbst für erfahrene Amateurrennfahrer.
Insgesamt präsentierte sich Sambia deutlich geordneter und auch organisierter als Malawi. Die Kinder tragen gepflegte und saubere Schuluniformen, die Märkte sind voll mit Waren und am Straßenrand finden sich überall kleine Verkaufsstände, auf denen die Erzeugnisse des heimischen Gartens offeriert werden. Etwas ungewöhnlich kommt derweil das heimische „Chibuku“-Bier daher, das in Halb-Liter-Tetrapacks abgefüllt wird. Es wird aus Mais hergestellt und soll nicht nur extrem sauer schmecken, sondern zudem eine fatale Wirkung haben, weshalb wir aus Rücksicht auf unsere sportlichen Ambitionen von einer Verköstigung bislang Abstand genommen haben.

Nach einem Ruhetag in der sambischen Hauptstadt Lusaka ging es für unseren Tross weiter in Richtung Livingstone zu den berühmten Victoriafällen. Erneut waren es lange Tage, denn zur Überbrückung der 491 Kilometer standen uns ganze drei Tage zur Verfügung. Doch der Lohn fiel reichlich aus, liegt unser Campingplatz doch direkt am mächtigen Zambezi und zudem unweit der Wasserfälle, für deren Besuch uns gleich zwei Pausentage eingeräumt wurden. Dort gibt es übrigens nicht nur die Fälle zu bestaunen, sondern zudem allerlei Möglichkeiten, seinen Mut unter Beweis zu stellen – darunter den mit 111 Metern dritthöchsten Bungee-Sprung der Welt. Mal schauen, wer sich alles traut.

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In Duderstadt und Weende

Hardy Grüne, Sportjournalist und Buchautor aus Langenhagen bei Duderstadt, hat die Tour d’Afrique 2011 am eigenen Leib erlebt. Jetzt hat er auf knapp 300 fesselnden Seiten seine Eindrücke zusammengefasst. Am Freitag um 19 Uhr stellt er sein Buch in Duderstadt bei Fahrrad Beckmann (Marktstraße) vor, am Dienstag um 19 Uhr im Vereinsheim von Tuspo Weende (Springstraße).

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