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Regional Sparta Göttingen erhält den Sepp-Herberger-Preis
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00:18 13.05.2013
Preisverleihung in Mannheim: Michael Herberger, Siegfried Löprick, Hans-Jürgen Lechte und Stiftungs-Schatzmeister Horst R. Schmidt (v. l.). Quelle: EF
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Göttingen

Die Laudatio hielt Michael Herberger, Urgroßneffe des legendären Weltmeister-Trainers. Für das Göttinger Projekt in Mannheim vor Ort: Siegfried Löprick von der Jugendanstalt und Hans-Jürgen „Hansi“ Lechte, kommissarischer Jugendleiter von Sparta.

Ins Rollen gebracht wurde die Sache von Löprick, als dieser vom Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) nach einem Kandidaten gefragt wurde. „Wir kennen uns seit vielen Jahren aus der praktischen Arbeit. Da macht man einen solchen Vorschlag sehr gern“, sagt er. In den 80er-Jahren reifte zunächst die Idee, eine Mannschaft mit Leineberger Spielern im offenen Vollzug in den Spielbetrieb zu integrieren. „Wir haben gesagt: Quatsch, die sollen im Verein spielen“, erinnert sich Löprick.

Gesagt, getan: Hin und wieder ist seitdem ein jugendlicher Häftling für Sparta am Ball, momentan spielt einer für die erste Mannschaft. „Sparta hat damit nie ein Problem gehabt. Das ist am Menschen orientiertes, bürokratiearmes Arbeiten“, bekräftigt Löprick.

Die vierte Chance

„Bei uns gibt es die vierte Chance“, sagt Sparta-Ikone Hansi Lechte nicht ohne Stolz – habe einer mal Mist gebaut, werde er am Greitweg nicht schief angeschaut, sondern dürfe wiederkommen. Lechte findet, „dass Sport und soziale Arbeit unwiderruflich zusammengehören“. Allerdings komme man sich nicht vor wie der gute Mensch von Sezuan. „Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch wir haben etwas davon.“

Ein anderes Steckenpferd der Spartaner ist die Integration. Schon immer waren die Rot-Weißen in dieser Hinsicht aktiv, doch so richtig sei es mit dem jugoslawischen Bürgerkrieg losgegangen, als in den 90er-Jahren in benachbarten Schulturnhallen mehr als 100 Flüchtlinge untergebracht waren, berichtet Lechte. „Die standen Schlange. Dass man bei uns Fußball spielen kann, hat sich unter den ausländischen Jugendlichen sehr schnell rumgesprochen.“

Sparta wurde in der Folge noch bunter. „Damals hatten wir 80 Prozent Deutsche und 20 Prozent Migranten. Heute ist das Verhältnis umgekehrt. Ich spreche gern vom Alibi-Deutschen, der in manchen Sparta-Teams spielt“, sagt Lechte. Dank der Sponsoren wie dem Unternehmen Refratechnik sei man gut vernetzt und arbeite auch mit der Jugendgerichtshilfe zusammen: Wenn Jugendliche Sozialstunden ableisten müssen, machen sie das unter anderem bei Sparta.

Die Herberger-Stiftung wolle gezielt Akzente im Jugendvollzug setzen, unterstreicht Löprick. Ziel sei ein Vereinsanschluss der Jugendlichen. „Sparta hat das im Kleinen schon vorgemacht und deshalb verdient den Preis erhalten“, sagt Löprick.

Von Eduard Warda

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