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Regional Spielabbruch nach Schlägerei in Hemeln
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16:41 11.09.2017
Gewalt auf dem Platz, Fußballer des SV Sieboldshausen schlagen in Hemeln zu. Quelle: dpa
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Göttingen

Wenn die schönste Nebensache der Welt gefährlich wird, hört der Spaß auf: In der 2. Fußball-Kreisklasse Süd ist es am Sonntagnachmittag zu einem Spielabbruch gekommen, weil drei Sie-boldshäuser Spieler in der 65. Minute auf einen Hemelner Zuschauer losgegangen sind und auf ihn eingeprügelt haben. 4:0 lag Gastgeber TSV Jahn Hemeln zu diesem Zeitpunkt in Führung, als Schiedsrichter Karl-Heinz Seute sich entschied, die Partie abzubrechen.

Die Tumulte begannen abseits des eigentlichen Spielgeschehens, als der dreifache Torschütze Sebastian Kühne in der Nähe der Torauslinie durch einen Tritt in die Beine gefoult wurde. Weil das Spiel noch lief, war der Unparteiische Seute schon auf dem Weg in Richtung Mittellinie, als er sich umdrehte und die Schlägerei außerhalb des Spielfeldes sah. Ein Hemelner Zuschauer soll etwas in Richtung des beteiligten Gästespielers gerufen haben, woraufhin der Sieboldshäuser zuschlug, es sich eine Rangelei entwickelte – auch mit Schlägen und Tritten an den Kopf. Zwei Mitspieler traten ebenfalls auf den Zuschauer ein, umstehende Hemelner und Betreuer gingen dazwischen und versuchten zu helfen und zu schlichten. „Ich stand drei Meter daneben und konnte nicht eingreifen. Mir ging die Frage durch den Kopf, wie ich jetzt nur möglichst schnell helfen könne. Das sah so schlimm aus. Da habe ich einfach dreimal ganz laut gepfiffen und gesagt, dass das Spiel jetzt zu Ende sei. Da haben sie sich losgelassen und es war plötzlich ganz still. Aber ich konnte das nicht verantworten, dass das Spiel weitergeht“, erzählte Seute, der so etwas in seiner 45-jährigen Schiedsrichter-Laufbahn noch nicht erlebt hat. „Ich habe vorher noch nie ein Spiel abgebrochen, geschweige denn so eine Schlägerei miterlebt.“ Der Hemelner Zuschauer hatte eine Platzwunde am Kopf, ein Krankenwagen wurde nicht gerufen. Allerdings ist er später doch noch zur Untersuchung ins Krankenhaus gefahren und musste sich am Montag nach massiven Beschwerden einer CT-Untersuchung unterziehen. Strafanzeige wurde erstattet.

Dass sich das Geschehen so zuspitzen würde, hatte Seute nicht erwartet: „Natürlich gab es einige Wortwechsel untereinander und kleinere Nicklichkeiten, aber die habe ich sofort unterbunden. Wie schockiert ich über diesen Vorfall gewesen bin, ist mir erst zu Hause wirklich klar geworden. Das war eine Situation, die man doch eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt“, sagte der 77-jährige Referee, der nach dieser Saison die Pfeife aus der Hand legen wird.

Hemelns Spieler Tobias Kühne war gerade ausgewechselt worden, als sich 70 Meter entfernt die Tumulte abspielten. „Traurig“ und „schockierend“ nannte er die Vorkommnisse, den Abbruch der Partie fand er absolut in Ordnung: „Zu einem Spiel wäre es sowieso nicht mehr gekommen. Eigentlich schade, es wäre unser erster Sieg gewesen“, so der Hemelner. Seine Mitspieler, die mitgeholfen haben, die Menschentraube zu entwirren, hätten „sehr besonnen reagiert“.

„Über diesen Vorfall müssen wir natürlich sprechen“, sagt Hans-Dieter Dethlefs, Vorsitzender des NFV-Kreises Göttingen. Schon am Montagabend sollte das Thema während des Schiedsrichter-Lehrabends zur Sprache kommen, auch der Spielausschuss wird sich am Dienstagabend damit befassen. „Das wird an das Sportgericht gehen, nur das kann ermitteln. Das Strafmaß hängt auch vom Bericht des Schiedsrichter ab“, sagt Dethlefs.

Von Kathrin Lienig

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