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Staatsdoping: „Menschen kaputt gemacht“

Betroffener berichtet Staatsdoping: „Menschen kaputt gemacht“

Die Dopingfälle von heute sind nach Einschätzung von Thomas Purschke in ihrer Dimension nicht mit dem Staatsdoping in der ehemaligen  DDR  vergleichbar: Mit einem staatlich organisierten Betrug, erklärte der Sportjournalist in seinem Vortrag in der Bildungsstätte am Grenzlandmuseum, seien Sportler, seien „Menschen kaputt gemacht“ worden.

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Recherchen über DDR-Doping: Thomas Purschke.  

Quelle: Straubel

Radsportler, die im vereinten Deutschland „den Arm ausgestreckt“ hätten, betonte Purschke, hätten gewusst, was sie tun. In der DDR jedoch seien bereits angehende Leistungssportler ohne ihr Wissen gedopt worden. „Der jüngste Schwimmer war acht, die jüngste Schwimmerin zehn Jahre alt“, berichtete der Journalist aus dem thüringischen Steinbach-Hallenberg über den frühzeitigen gezielten Einsatz von leistungsfördernden Präparaten im DDR-Sport. Purschke: „Das war der Wahn der DDR, die damit ihre anderweitigen Minderwertigkeitskomplexe ausgleichen wollte.“

Auf die gesundheitliche  Gefährdung der Aktiven sei in diesem System keine Rücksicht genommen worden, unterstrich der Referent. Neben Oral-Turinabol, dem Standardmittel zum Muskelaufbau, seien auch Medikamente verabreicht worden, die nicht zugelassen gewesen seien – dem durchaus strengen DDR-Arzneimittelgesetz zum Trotz. Auch hätten die Ärzte Psychopharmaka eingesetzt – mit dem Ziel, dass Kinder komplizierte Bewegungsabläufe im  Turnen schneller erlernten. Man habe nichts unversucht gelassen, denn „man wollte Medaillen um jeden Preis“.

Nicht nur eine tiefere Stimme

Nebenwirkungen und Spätfolgen, kritisierte Purschke, seien natürlich nicht ausgeblieben. Eine tiefere Stimme sei für Frauen noch die harmloseste Nebenwirkung und keineswegs die einzige Vermännlichungserscheinung gewesen. Bei Männern habe es zum Beispiel Tumorbildungen im Hodenbereich gegeben, berichtete der Journalist.

Nur wenige Dopingopfer, bedauerte Purschke, seien offiziell als solche anerkannt. Insgesamt werde zu wenig für die Dopingopfer getan.

Ein anerkanntes Dopingopfer saß unter den Zuhörern. Der aus Heiligenstadt stammende Uwe Trömer war bis 1983 Mitglied der DDR-Nationalmannschaft im Bahnradsport. Der 47-Jährige, der heute in Berlin lebt, erlitt vor drei Jahren einen Schlaganfall und leidet zudem unter einer Gehirnerkrankung. Er habe damals „etwas Toxisches bekommen“, und leider bestehe für ihn keine Chance, die genaue Zusammensetzung des Präparates zu erfahren, um so seiner Krankheit entsprechend medizinisch begegnen zu können, erklärte der Obereichsfelder.

Sportler, die von Ärzten und Trainern damals wissen wollten, was für Pillen sie einnehmen sollten, hob Purschke hervor, seien falsch informiert und perfide hintergangen worden, in dem die Tabletten in Vitamindrinks gemischt worden seien. Purschke: „Der Sportler war das letzte Glied in der Kette – der Mensch stand in der DDR nicht im Mittelpunkt.“

Von Michael Bohl

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