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Südfranzösisches Flair im Herzen Göttingens

Pétanque Südfranzösisches Flair im Herzen Göttingens

In Frankreich sind Pétanque spielende Menschen in den meisten Städten und Gemeinden allgegenwärtig. Auch in Deutschland erfreut sich das Geschicklichkeitsspiel immer größerer Beliebtheit. Zurzeit existieren in Deutschland mehrere hundert Clubs mit mehr als 14000 Mitgliedern. Nach Schätzungen des Deutschen Pétanque-Verbandes gibt es allerdings rund eine Million nicht organisierter Freizeitspieler – Tendenz steigend. In Göttingen feiert der 1. Pétanqueclub Boule sur Leine sein 20-jähriges Bestehen. Mark Bambey hat sich auf die Suche nach dem Reiz dieses Sports gemacht.

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Nähe ist alles, Streit möglich: Manchmal geht es beim Pétanque um Zentimeter. Der Zollstock gehört zum festen Bestandteil des Spiels, um zu sehen, welche Kugeln wie nahe am „Schweinchen“ liegen. 

Quelle: Pförtner

Pétanque ist nicht nur ein Spiel, es ist auch ein Stück weit Lebenseinstellung.“ Das sagt Rainer Freudenberg, ein ebenso bekennender Pétanque-Spieler wie Liebhaber der südfranzösischen Lebensweise. „Es geht hier schon ein wenig gelassener zu als bei anderen Sportarten“, sagt das Mitglied des 1. Pétanqueclub Boule sur Leine. „Ja!“, pflichtet ihm der Vorsitzende Harald Neifeind bei: „Es gibt aber auch Mitglieder, die den sportlichen Wettstreit suchen, und die nehmen das Training sehr ernst.“

Hektik und Stress der Alltagswelt bleiben hier auf dem Boule-Platz am Jahnstadion außen vor. Eine sonderbare Ruhe setzt ein, sobald der beigefarbige, mal etwas feinere, bisweilen aber auch recht grobkörnige Schotterplatz betreten wird. Das Leben scheint hier bedächtiger abzulaufen, die Zeit ist nicht der diktierende Faktor. „Wir nehmen uns schon Zeit für die Spiele. Wir sind schon mehrere Stunden hier, meist den gesamten Nachmittag und spielen oft, bis es dunkel wird“, sagt Neifeind.

Der Gang zum Proviantsack und zur Getränkeflasche gehört zwischen den Spielen ebenso dazu wie kurze Pläuschchen während des Spiels. Verpönt und als unsportlich angesehen werden allerdings Aktionen, die die Konzentration des gerade spielenden Akteurs beeinträchtigen. 

Erfindung des Spiels

Pétanque wird erstmals 1907 im südfranzösischen Ort La Ciotat gespielt. Jules Le Noir  – ein guter und leidenschaftlicher Spieler – wird vom Rheuma geplagt. Er kann deshalb beim sogenannten „Jeu Provençal“ nicht mehr die drei Schritte Anlauf machen. Sein Freund Ernest Pitiot erfindet daraufhin das Spiel mit kürzerer Entfernung und ohne Anlauf. Er zieht einen Kreis auf den Boden. Aus diesem heraus wird im Stand mit geschlossenen Füßen gespielt. Daher leitet sich der Name der Präzissionsportart ab. Die Bezeichnung für geschlossene Füße heißt auf französisch pieds tanqués, auf provenzalisch ped tanco. 

Besuch ist willkommen

„Wir spielen auch im Winter. Dann räumen wir uns die Fläche von Eis und Schnee frei. Ein Taschenofen gehört dann ebenso zur Grundausstattung wie wärmende Einlagesohlen für die Schuhe und ein kleines Schnäpschen – um innerlich aufzuwärmen“, sagt Schatzmeister Dieter Aßmus schmunzelnd. 

44 Mitglieder hat der Pétanqueclub Boule sur Leine derzeit. Seit 20 Jahren gibt es den Verein. „Man muss aber nicht zwingend Mitglied sein, um hier zu spielen“, unterstreicht Neifeind. Auch eigene Kugeln und ein „Schweinchen“, so heißt das kleine farbige Bällchen, an das die eigenen Kugeln so nah wie möglich gelegt werden müssen, seien nicht unbedingt nötig. „Viele unserer Mitglieder haben oft einen zweiten Satz dabei. Der wird meist gern verliehen. Man kann also einfach mal vorbeikommen und fragen, ob man mitspielen kann“, berichtet Neifeind. 

Im Deutschen Pétanque Verband (DPV) sind derzeit etwa 14000 Sportler organisiert. Der DPV geht davon aus, dass in Deutschland allerdings etwa eine Million Menschen unorganisiert Pétanque spielen. „Die Regeln sind recht einfach, man kann ohne großes Vorwissen spielen“, sagt Neifeind. Dies sei auch der Grund dafür, warum Pétanque immer populärer werde. 

In Göttingen und der Region wird nicht nur auf den Plätzen am Jahnstadion gespielt. Nur hier herrscht allerdings regelmäßiger Spielbetrieb. Weitere offizielle Bouleplätze finden Interessierte auf dem Sport- und Freizeitgelände des BfnL in Bördel (FKK), auf dem Sportplatz des FC Grone am Rehbach und auf dem Sportplatz auf den Zietenterrassen.

Pétanque in Deutschland

In Deutschland wird als Kugelsportart zunächst nur das italienische Boccia gespielt. Französische Soldaten bringen das Pétanque-Spiel nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland. In Bad Godesberg – in der Nähe von Bonn – wird 1963 der erste Pétanque-Club gegründet. Bonn, das Saarland und Freiburg im Breisgau gelten als Keimzellen des Pétanque in Deutschland. In Bad Godesberg wird 1977 die erste Deutsche Pétanque-Meisterschaft (im Triplette) ausgetragen, erstmals nimmt Deutschland auch an der WM teil. Der Deutsche Pétanque Verband gründet sich allerdings erst 1984.

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