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Regional Ultimate-Frisbee: „Kein Sport, sondern Lebenseinstellung“
Sportbuzzer Sportmix Regional Ultimate-Frisbee: „Kein Sport, sondern Lebenseinstellung“
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00:17 08.03.2013
Finale um den Gänseliesel-Cup: Würzburg (schwarze Trikots) besiegt Dortmund mit 13:10. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Malte Schneider hat im Finale des Gänseliesel-Cups für einen solchen Moment gesorgt: Sein Wurf meisterte die gesamte Hallenlänge, wurde von einem Mitspieler in der Endzone gefangen und brachte dem Team aus Dortmund so einen sehenswerten Punkt ein. Triumphator war am Schluss dennoch der Titelverteidiger aus Würzburg.

„Wir haben den Anfang total verschlafen“, sagte Schneider über den 0:5-Auftakt. „Aber danach haben wir uns zumindest noch einmal zusammengerissen.“ Am Ende hieß es aus Dortmunder Sicht 10:13.

„Natürlich war es unser Ziel, den Titel zu verteidigen“, sagte die Würzburgerin Anna Hör. „Aber auch, zusammenzukommen und Spaß zu haben.“

Für sie sei das Außergewöhnliche am Ultimate Frisbee, „dass es fairer ist als jede andere Sportart“. So ist jeglicher Körperkontakt verboten. Dass es unter den Spielern dennoch zu Diskussionen kommt, hat einen einfachen Grund: Ultimate wird ohne Schiedsrichter gespielt – Ultimate Frisbee basiert auf dem „Spirit of the game“ (Geist des Spiels). Diese wichtigste Regel zieht eine faire und respektvolle Spielweise nach sich.

„Ultimate Frisbee ist kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung“, sagt ein Fan. Das wird auch im Finale deutlich, als die Zuschauer die anfangs völlig unterlegenen Dortmunder lautstark anfeuern – und so dafür sorgen, dass aus einem 1:8 zumindest noch ein 10:13 wird. Die Fans, vor allem die Marburger, ergreifen Partei.

Noch nicht reif für Olympia

Sie sind aber nicht gegen Würzburg, sondern für ein spannendes Finale. Das Spiel, das in der Halle mit fünf Spielern pro Mannschaft (darunter zwei Frauen) gespielt wird und draußen mit sieben, ist Teamsport – allein schon deshalb, weil der Spieler mit der Scheibe keinen Meter laufen darf. Rasanten Körpertäuschungen und schnellen Spielzügen stehen endlos lange Flüge der Frisbee gegenüber.

Kontrastreich gestaltet sich auch die Entwicklung des Sports: So gibt es in den USA und Kanada, wo fast fünf Millionen Spieler der Plastikscheibe nachjagen, bereits Profiteams. In Deutschland ist Ultimate eine Randsportart, „aber immerhin eine wachsende“, unterstreicht Schneider.

Daniel Knoblich vom Ausrichterteam der „Göttinger Sieben“ fügt hinzu: „Wir sind eben noch nicht olympisch.“ Die Heimteams konnten bei der achten Auflage des Gänseliesel-Cups zwar kein Wort um den Sieg mitreden. Doch die jüngere G-7-Mannschaft gewann zumindest die Abstimmung um den „Spirit-Preis“.

Würzburg heimste neben dem Turniersieg den Party-Preis ein. „Spaß zu haben, es gemeinsam zu etwas zu bringen und erfolgreich zu sein, das ist doch das Beste“, sagt die Würzburgerin Anna Hör. Faszinierend seien aber auch „die Flugeigenschaft und die Werte der Scheibe“. Wegen ihnen scheint die Zeit beim Ultimate Frisbee deutlich öfter als in anderen Sportarten für einen kleinen Augenblick stehenzubleiben.

Von Timo Holloway

Ultimate Frisbee

Ultimate Frisbee (heute eigentlich nur Ultimate  – der Begriff Frisbee ist geschützt) wurde ursprünglich von amerikanischen Studenten erfunden. Die Sportart wird in mehr als 40 Ländern ausgeübt, die Anzahl der Aktiven liegt nach Schätzungen weltweit bei mehr als fünf Millionen. Schwerpunkte sind die USA und Kanada.

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