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„Volle Pulle“: Uli Borowka war Alkoholiker „England ist viel weiter“

Interview mit Uli Borowka

„England ist viel weiter“

Hamburg, Leipzig, Göttingen: Uli Borowka, ehemaliger Werder-Profi, ist mit seinem Erfolgsbuch „Volle Pulle“ auf Lesereise. Vor seinem TV-Auftritt am Dienstag bei Markus Lanz hat der 50-Jährige mit Eduard Warda über Lampenfieber, Reaktionen von ehemaligen Mitspielern und seinen Status als Werder-Idol gesprochen.

„Habe mich im Privatleben leider genauso verhalten wie auf dem Platz“: Uli Borowka.

© Pförtner

Sie kehren im Buch Ihr Innerstes nach Außen. Wie groß ist das Lampenfieber vor einer Lesung?

Am Anfang habe ich jedes Mal einen Kloß im Hals, die Gefühle schlagen ein kleines Rad. Immerhin sitzen mir wildfremde Menschen gegenüber. Ich ziehe aber auch Kraft daraus.

Inwiefern?

Die Resonanz von ehemaligen Mitpatienten oder Abhängigen ist brutal. Neulich in Oldenburg ging es in der Fragerunde fast nur um Alkoholismus und kaum um Fußball. Viele Profisportler mit Suchterkrankungen haben sich seit Erscheinen meines Buches bei mir gemeldet. Ich möchte jetzt einen Verein gründen und ihnen helfen. Meine Erfahrung ist: Jeder hat in seinem Bekanntenkreis mindestens eine Person, die ein Suchtproblem hat.

Wie haben Ihre ehemaligen Mitspieler auf das Buch reagiert?

Einer hat mich nach dem Vorabdruck in der Bild-Zeitung beschimpft und bedroht. Ich habe ihm gesagt: Lies erst mal das Buch – und er hat sich nicht mehr gemeldet. Günter Hermann hat mir gesagt: Es war ’ne schwere Zeit mit dir – schließlich habe ich ihn beschimpft, wenn er mir geraten hat, weniger zu trinken. Aber auch er ist ganz zufrieden mit dem Buch, denke ich.

Glauben Sie, dass heute die Fußballszene etwas offener mit Krankheiten, also zugegebenen Schwächen, umgeht?

Nach dem Tod von Robert Enke gab es zwei Wochen lang Betroffenheit, aber dann ist man wieder zum Geschäft zurückgekehrt. Es hat sich nicht viel geändert. In England ist man viel weiter. Ich freue mich auf ein Treffen mit Tony Adams, der eine Entziehungskur gemacht hat und bei seinem Comeback zehn Minuten lang mit Standing ovations begrüßt wurde. Heute ist er Betreiber einer Suchtklinik. Da leben wir in Deutschland noch hinterm Mond.

Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Ich würde gar nichts ändern. Diese Erfahrungen gehören zu meinem Leben, und ich möchte sie nicht missen. Von Professoren höre ich, dass mein Buch vielen Patienten geholfen hat. „Dafür brauchen unsere Psychologen sonst sechs Monate“, sagen sie.

Hat Ihr Image als ehrlicher Fußball-Malocher Ihrer Meinung nach zum Erfolg des Buches beigetragen?

Ich habe immer mit offenem Visier gekämpft, und deshalb bin ich auch überall rausgeflogen. Bei Bremen und in der Nationalmannschaft. Aber auch daraus ziehe ich etwas. Neulich haben die Bremer Fans ein 16 x 9 Meter großes Transparent mit meinem Konterfei hochgehalten. Da hatte ich Tränen in den Augen. Ich finde es toll, dass noch Resonanz da ist.

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