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Regional Vom Sinn und Unsinn der Leistungssportreform
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12:44 25.09.2017
Zum 30. Geburtstag der DOG wird eifrig über das Thema „Welcher Sport ist noch bezahlbar?“ diskutiert. Quelle: Christoph Mischke
Göttingen

„Welcher Sport ist noch bezahlbar?“ lautete vor dem Hintergrund der angestoßenen Reform die Frage, zu deren Diskussion die Göttinger Zweigstelle der DOG fünf Gäste nach Göttingen eingeladen hatte. Über den Nutzen und Nachteil der Umstrukturierung debattierten die Sportschützin, mehrfache Medaillengewinnerin bei den Paralympics und Mitglied der Athletenkommission des DOSB Manuela Schmermund, die Sportjournalistin Bianka Schreiber-Rietig, die Pressesprecherin des DOSB Ulrike Spitz, der Sportwissenschaftler Wolfgang Buss und der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete und Sportausschuss-Mitglied Fritz Güntzler. Die Moderation übernahm Arne Göring, Vorstandsmitglied der Göttinger DOG-Zweigstelle.

Schnell zeigte sich, dass in der Runde reichlich Unzufriedenheit mit der Leistungssportreform herrschte. Deren Ziel ist nach Angaben des DOSB, „über die Dachorganisation den Spitzenverbänden optimale Rahmenbedingungen für ihre Leistungssportsstrukturen bereitzustellen.“ Besondere Bedeutung käme dabei den Olympiastützpunkten und den Einrichtungen und Kooperationen des Wissenschaftlichen Verbundsystems des Spitzensports zu, heißt es auf der Internetseite des DOSB.

Schmermund kritisierte, dass es bei der Reform vor allem darum gehe, Gelder neu zu verteilen. Wichtig sei eine möglichst frühe Förderung von Talenten und Potenzialen schon im Kindesalter. Auch sei der Rückgang deutscher Olympiamedaillen ein zweifelhafter Ansatz für solch eine Reform, sagte die Athletin. Dem stimmte Schreiber-Rietig zu. „Leistung kann man nicht nur über Medaillen definieren“, erklärte die Sportjournalistin und kritisierte den so entstehenden Leistungsdruck, dem die Athleten ausgesetzt seien. Aus den Fehlern der Vergangenheit sei, mit Blick auf den Reformprozess, offenbar nicht gelernt worden. Spitz verteidigte die Reform. Es gehe nicht darum, Medaillen zu zählen, sagte die DOSB-Sprecherin. „Wir wollen den Athleten bessere Bedingungen bieten durch die Reform, damit sie ihre Potenziale ausschöpfen können.“ Es sei bereits als ein erstes Resultat der Leistungssportreform zu erkennen, dass die Beteiligten näher zusammenrückten und miteinander sprächen, lobte Spitz. Die Reform nicht von vornherein zu zerreden, sondern daran zu arbeiten, dass sie verbessert werde, mahnte auch Güntzler.

Auf die Frage, welche Funktion Leistungssport überhaupt habe, antwortete der Göttinger Sportwissenschaftler Buss, dass Spitzensport sich durch seine Vorbildfunktion stimulierend auf den Breitensport auswirke, der wiederum allein schon aus gesundheitlichen Gründen wichtig für die Gesellschaft sei. Dass die Reform tatsächlich in der Umsetzung sei, wie Spitz behauptet hatte, bezweifelte Buss. Nach der Bundestagswahl würden die Karten neu gemischt werden. Ein weiterer Kritikpunkt, den Buss anführte, war, dass der Breitensport von der neuen Reform nicht profitieren werde. Das System der Leistungsstützpunkte führe dazu, dass junge Athleten in vielen Fällen ihre Familien verlassen und wegziehen müssten. „Für diejenigen, bei denen die Kinder und die Eltern entscheiden, sie wollen die Kinder in der Familie lassen, die werden vor Ort nur begrenzt gefördert werden können.“

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass Sportler nicht nur gute Trainings-, sondern vor allem auch Lebensbedingungen benötigten, um Spitzenleistungen zu erbringen. „Es kann nicht sein, dass sich jeder darum kümmern muss, wie er das tägliche normale Leben stemmt“, sagte Schmermund, die Vollzeit im öffentlichen Dienst arbeitet. Auch Spitz äußerte den Wunsch für die Zukunft, dass es jungen Menschen ermöglicht werde, Leistungssport ohne Existenzängste zu betreiben. „Wenn wir entscheidend reformieren wollen“, betonte Buss, „dann müssen wir die Lebensbedingungen, die sozialen Bedingungen der Athletinnen und Athleten in den Vordergrund stellen.“ Und: Der Staat müsse viel mehr Geld in den Breitensport investieren.

Von Maximilian Zech

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