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Regional Vortrag in Göttingen über „Antisemitismus im (ost-)deutschen Fußball“
Sportbuzzer Sportmix Regional Vortrag in Göttingen über „Antisemitismus im (ost-)deutschen Fußball“
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16:30 11.04.2018
Im 05-Fanraum wurde Antisemitismus im (ost-)deutschen Fußball thematisiert. Quelle: r
Göttingen

Der Vortrag zeichnete das Schicksal von Juden im deutschen Fußball nach und wurde von den 05ern in Kooperation mit der Hochschulgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft organisiert.

Ein „wilder Sport“, bei dem man sich in kurzen Hosen Knie zeigt? Das gehörte sich nicht in der von Ordnung und Autorität geprägten Sportkultur des beginnenden 20. Jahrhunderts. Turnen und Antisemitismus hatten Tradition. Doch der Fußball ließ sich nicht aufhalten.

Während der NS-Zeit schlossen die Nationalsozialisten Juden systematisch aus und verfolgten sie. Sie degradierten jüdische Sportler und Vereine, schrieben ihnen Dekadenz zu. Widerstand war die Ausnahme.

In der DDR zog sich der Antisemitismus in die Wohnzimmer zurück, berichtete Fischer

Nach Kriegsende ordneten die Alliierten die Auflösung aller Vereine an. Stattdessen sollte es innerhalb der Besatzungszonen kommunale Sportgemeinschaften geben. In der DDR zog sich der Antisemitismus in die Wohnzimmer zurück, berichtete Fischer.

Der Journalist verwies auf Bernd Wagner, Leiter einer DDR-Polizeiabteilung, der sich bis heute mit ostdeutschem Neonazismus beschäftigt. Wagners Einschätzung: Die reaktionärsten Gruppen sammelten sich seit 1960 in den Fankurven ostdeutscher Stadien.

In den Stadien wurden rechtsextreme Parolen skandiert, oder es wurde der Hitlergruß gezeigt

Es wurden rechtsextreme Parolen skandiert, oder es wurde der Hitlergruß gezeigt. Ohne Skrupel und Sanktionen, betonte Fischer. Fan-Gruppen fuhren nach Auswärtsspielen mit der Bahn, um in besetzten Straßenzeilen linke Jugendliche oder Migranten zu verprügeln – „das waren regelrechte Hetzjagden“, berichtete Fischer.

Antisemitische Vorfälle wurden zwar von der Stasi dokumentiert, aber die Reaktionen der SED fielen verhalten aus. Einerseits weil einige Vereine vom Staat getragen wurden, andererseits fasste man nationalsozialistische Anfeindungen unter dem Begriff „Rauditum“ zusammen. Die Neonazi-Szene und die rechten Fans der Ost-Vereine seien gut vernetzt gewesen, und sie seien es bis heute.

Neofaschistische Fanszenen würden wachsen und in der Kurve den Ton angeben

Besonders im Amateurbereich könne sich der Antisemitismus ungestört austoben, sagte Fischer, beide Augen würden hier zugedrückt. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass neofaschistische Fanszenen wachsen und in der Kurve den Ton angeben.

Solange es keinen Willen gebe, harte Sanktionen zu verhängen, werde sich wenig daran ändern. Hier sieht Fischer die Verbände in der Verantwortung, zumal rechte Hooligans wie in Cottbus mit der Rotlicht- und der Türsteher-Szene fusionierten. Individueller Widerspruch sei in diesem Fall schwierig, fasste Fischer zusammen, man dürfe die rechtsextremen Aktionen nicht kleinreden.

Von Piero Costanzo

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