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Wassermassen sorgen für stressige Ruhepause

Tour d‘Afrique Wassermassen sorgen für stressige Ruhepause

Hardy Grüne hat sich in das größte Abenteuer seines Lebens gestürzt. Mit 62 Radsportbegeisterten aus aller Welt mutet sich der 48 Jahre alte Göttinger die Tour d’Afrique zu, die von Kairo aus in 95 Tagesetappen über 11    953 Kilometer bis nach Kapstadt führt. Einmal wöchentlich schildert Grüne im Tageblatt seine Erlebnisse, Strapazen und Eindrücke auf einer der längsten und härtesten radsportlichen Herausforderungen der Welt.

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Vor dem Regen und der Ruhe: Tour-Teilnehmer auf dem Weg zum Mount Meru in Tansania.

Quelle: EF

Zwei Monate lang blieb der Himmel trocken. Für viele von uns durchaus ungewöhnlich, denn wie Francis, ein aus London stammender Brite, strahlend feststellte, war dies der „bislang längste Zeitraum meines Lebens, in dem ich keinen Regen gesehen habe“. Und ausgerechnet an den mit Sehnsucht erwarteten drei aufeinanderfolgenden Ruhetagen im tansanischen Arusha erwischte es uns. In der zweiten Nacht erschütterte ein tosendes Gewitter das Massai-Camp und setzte diverse Zelte unter Wasser. Es bot sich ein groteskes Bild, als mit Stirnlampen bewaffnete Radler fluchend durch den prasselnden Regen irrten und nach schützenden Unterständen für ihr wertvolles Hab und Gut suchten.

Doch es hilft nichts, denn seit dem 15. März befinden wir uns offiziell in der „großen Regenzeit“, und entgegen unserer Hoffnungen hat sie auch pünktlich begonnen. Für die Region ist der Regen eine willkommene Wohltat – auch in Arusha hängen überall an Toiletten und Duschen warnende Schilder, mit dem sonst seltenen Gut Wasser sparsam umzugehen, da die Vorräte nach der langen Dürre fast aufgebraucht seien. Und eigentlich können wir uns ja auch glücklich schätzen, dass es uns an einem freien Tag erwischt hat und nicht unterwegs auf den Rädern. Allerdings stehen nun acht aufeinanderfolgende „Offroad“-Tage auf dem Programm, und wenn ich mir ausmale, wie wir stundenlang über vom heftigen Regen in glitschige Schlammbäder verwandelte Staubpiste rutschen und anschließend noch nicht einmal duschen können...

Lediglich zwei Tage dauerte die Fahrt von Nairobi nach Arusha, und im Nachhinein erscheint mir die kenianische Hauptstadt wie ein fremdgesteuertes Ufo voller Marsmenschen. Auf dem Weg nach Nairobi hatten wir im Norden ein ländliches und verschlafenes Kenia durchquert, das wir südlich von Nairobi prompt wieder trafen. Mitten drin aber liegt dieser fremdartige, brodelnde Moloch mit seinen zigtausenden von Autos, seinen modernen Shoppingmalls und seinen westlichen Strukturen, der mit dem restlichen Kenia nichts gemein hat.

Die drei Pausentage in Arusha gaben allen Teilnehmern die Gelegenheit, endlich einmal die Seele baumeln zu lassen. Die Aktiven unter uns buchten eine Safari oder flogen kurz mal nach Sansibar, während die weniger Quirligen die Gunst der Stunde nutzten und drei Tage süßes Nichtstun genossen. Zudem wurde viel reflektiert über das, was bereits hinter uns liegt. Nach allgemeiner Einschätzung haben wir die härtesten Passagen der Tour d’Afrique absolviert, denn die zweite Hälfte soll deutlich leichter und angenehmer werden. Das lässt Hoffnungen aufkommen, das dieses Abenteuer vielleicht doch noch eine Urlaubsreise wird.

Insgesamt wabert eine gehörige Portion Stolz durch das Camp. 5500 Kilometer haben wir abgeradelt, den Äquator überquert und mit Tansania das fünfte Land erreicht. Vor zwei Monaten war das noch blanke Theorie, und was für eine gewaltige Strecke wir auf unseren Zweirädern und mit eigener Muskelkraft zurückgelegt haben, wird bei jedem Blick auf eine Karte deutlich.

Man sieht es uns allerdings auch allmählich an, denn vor allem an den Armen und an den Beinen haben sich Muskelpakete gebildet, die in Kairo noch nicht einmal zu ahnen gewesen waren. Und auch das Selbstvertrauen ist gestiegen. Sorgten in den ersten Wochen knapp über die 100-Kilometer-Marke hinausgehende Tagesetappen noch stets für ein besorgtes und zweifelndes Grummeln, heißt es nun meistens erleichternd: „Oh, das wird ein kurzer Tag, da bin ich früh im Camp.“ Man wächst eben mit seinen Aufgaben! Auch im Sudan und Äthiopien waren die Unterschiede zwischen Hauptstadt und Provinz groß gewesen – doch das war absolut kein Vergleich zu Kenia.

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In Duderstadt und Weende

Hardy Grüne, Sportjournalist und Buchautor aus Langenhagen bei Duderstadt, hat die Tour d’Afrique 2011 am eigenen Leib erlebt. Jetzt hat er auf knapp 300 fesselnden Seiten seine Eindrücke zusammengefasst. Am Freitag um 19 Uhr stellt er sein Buch in Duderstadt bei Fahrrad Beckmann (Marktstraße) vor, am Dienstag um 19 Uhr im Vereinsheim von Tuspo Weende (Springstraße).

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