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Wellen auf der Tribüne, aber keine La Ola

Jahnstadion-Areal senkt sich Wellen auf der Tribüne, aber keine La Ola

Der Rundgang beginnt am großen Einlasstor des Jahnstadions. Am Pavillon neben der Gegengerade stehend, fällt der Blick auf Fahnenmasten. Sie stehen schief, aber nicht windschief: Der Boden gibt nach, und das auch unter der Haupttribüne. „Passieren kann nichts“, versichert Alexander Frey, Geschäftsführer des Stadionbetreibers Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF), eines Tochterunternehmens der Stadt. Damit das so bleibt, sind jedoch immer wieder Sicherungsmaßnahmen vonnöten.

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Abgesackt: Tribünen-Beton.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Da, wo die Arena heute steht, existierte in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Kiesgrube. Aufgeschüttet wurde sie später mit Hausmüll. „Der Grund hat heute eine Konsistenz wie der Faulschlamm im Kiessee“, sagt Frey. „Die Hänge sind alle in Bewegung.“ Folgen sind oder waren schiefe Geländer, Gullideckel, die vorstehen, oder Verwerfungen auf der Haupttribüne – Risse im Beton, bis zu zehn Zentimeter starke Absackungen, Fenster, die die Spannung nicht mehr aushielten und zerbrachen.

Momentan wird die Nordkurve saniert. „Der Zaun hat beinahe horizontal gestanden“, sagt Frey und blickt auf Wellenbrecher, die darauf warten, wieder im Boden verankert zu werden. Im Frühjahr ist die Südkurve dran. 25 000 Euro werden pro Kurve fällig, aber eine Alternative gibt es nicht. „Entweder Rückbau oder Reparatur. Dieses Riesenstadion aber nur noch als Schafweide zu nutzen, wäre es auch nicht“, sagt der GoeSF-Chef.

Von 2005 an wurde das Jahnstadion-Areal in zwei Schritten saniert: Kunstrasenplätze wurden errichtet, ein Parkplatz gebaut, die Stromversorgung verbessert. Dann, Ende 2007, war die Arena selbst an der Reihe. Unter anderem wurde die Stehtribüne neu hergerichtet, die Laufbahn erneuert und der Untergrund befestigt. Alles in allem wurden fast drei Millionen Euro investiert. Politik und Verwaltung schwebte eine Multifunktions-Arena mit Flutlichtanlage vor. Vor allem auch Konzerte sollten im Jahnstadion stattfinden.

Seitdem ist der Blick auf das Areal nüchterner geworden, wenngleich Frey betont: „Wir wollten zwar alles etwas schöner machen, aber vor allem ging es um Erhaltungsmaßnahmen.“ Konzertveranstalter meiden die Arena, weil sie für Grönemeyer und Co. zu klein ist und bei kleineren Konzerten das Risiko zu groß wäre. Bei geschätzten Kosten von 500 000 Euro ist auch Flutlicht kein Thema mehr.

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Warum auch? Selbst in der Regionalliga käme der Oberligist RSV 05, seit vergangenem Jahr Hauptnutzer der Arena, ohne aus. Eine neue Anzeigetafel schlüge mit rund 100 000 Euro zu Buche. „Würden dadurch ein Tor mehr geschossen und ein Zuschauer mehr kommen“, fragt Frey. „Wir investieren erst, wenn es notwendig wird.“

Das Jahnstadion frisst auch so genug Geld. Die Reparatur des Haupttribünen-Daches kostete in diesem Jahr 230 000 Euro, für die Erneuerung der Glasfassade am Restaurant plus Dachsanierung und Wärmedämmung wurden noch einmal 200 000 Euro fällig. Dabei liegen die jährlichen Unterhaltungskosten für den Jahnsportpark bereits bei 700 000 Euro.

Auf der Haupttribüne weist Frey auf einen Messpunkt hin: Sackt der Grund weiter ab? Wellen sind zu sehen, aber keine La Ola – Sitzreihen haben sich gesetzt. Besonders gut sind die Verwerfungen an den Scheiben zu beobachten. Doch das Konstrukt ist dank der starken Träger, der Pylonen, nicht gefährdet. Das habe eine Untersuchung mit Bohrung und Kamera ergeben. „Man muss sich keine Sorgen machen“, so Frey.

Der GoeSF-Geschäftsführer setzt zukünftig auf die Karte Leichtathletik. Im kommenden Jahr finden im Jahnstadion zum zweiten Mal die Deutschen U-23-Meisterschaften statt. Den Ausrichter kostet so etwas 200 000 Euro, eine neue Zeitmessanlage schlägt mit 20 000 Euro zu Buche – Investitionen, die sich lohnen könnten, glaubt Frey: Die Titelkämpfe seien gleichermaßen Werbung für die Stadt und die Arena, denn nur noch wenige deutsche Stadien verfügten über eine Laufbahn, auf der, das haben die ersten U-23-Titelkämpfe im Jahnstadion gezeigt, Rekorde möglich sind.

Eine Sanierung des Platzes, der wegen Beschaffenheit und fehlender Drainage zwar für Fußballspiele, aber nicht für das Training genutzt werden kann, sei demgegenüber zu teuer. Für einen Neuaufbau würden 250 000 Euro fällig, für einen Kunstrasenbelag 700 000 bis 800 000 Euro, weil ein Austausch von Natur- auf Kunstrasen extra koste.

Ein kompletter Rückbau des Stadions war nie ein Thema. Eine umfassende Modernisierung kommt mangels Perspektive nicht in Frage. In Zahlen: Allein die Kosten für den Abriss einer Kurve betragen 10 000; ein Neubau schlüge mit jeweils 200 000 Euro zu Buche. Also geht es um den Erhalt des Status quo. An der Südkurve mit den schiefen Wellenbrechern angekommen, sagt Frey: „Ein Kaufmann würde das Stadion wahrscheinlich als teures Hobby bezeichnen.“

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