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Regional In Goldschuhen zu Gold
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10:37 10.05.2017
Mit dem ersten Flop seines Lebens (Erfinder Dick Fosbury bekommt diese Aufnahme hoffentlich nie zu sehen) überspringt Rupert Fabig 1,50 Meter. Quelle: Swen Pförtner
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Bovenden

Alexander Schneehain ist bekannt als Vereinsboss voller Tatendrang, der am liebsten bei jeder Sportart, die der Bovender SV anbietet, selbst aktiver Teilnehmer wäre. Bei diesem Vorhaben hat er sich aber übernommen: Den fittesten Journalisten Mitteldeutschlands im Kampf um das Deutsche Sportabzeichen fair besiegen? Blasphemie!

Da Schneehain ein kluger Kopf ist, weiß er das. Was mich beim Eintreffen an der Sportanlage in Bovenden gleich zur Vermutung führt, der Rechtsanwalt greife zu unter lauteren Mitteln, als ich ihn dort unter den Händen von Physiotherepeut Tobias Schnedler ächzend vorfinde. Sonderbehandlung, na klar. Denkste! „Du darfst dich auch gleich behandeln lassen“, sagt Schnedler.

Die Massage ist eine gute Voraussetzung, um sich gleich in Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination prüfen zu lassen. Nicht weniger als Gold streben Schneehain, BSV-Immobilienvorstand Hans-Jürgen Sittig und ich an. Dafür müssen wir in allen Kategorien Gold erreichen und dürfen uns nur eine Silberwertung leisten - für die es beim Kugelstoßen bei mir nicht ansatzweise reichen würde. Die Idee, in der Kategorie Kraft die 7,26 Kilogramm schwere Kugel auf mehr als neun Meter zu wuchten, wird nach Versuchen auf ungefähr 7,50 Meter verworfen. Wie Olympioniken mehr als dreimal so weit stoßen, bleibt mir absolut schleierhaft. Stattdessen entscheiden wir uns für den Standweitsprung. Die Gold-Norm erfüllen beide Kontrahenten im ersten Versuch, als Schneehain meinen Wert übertrifft, muss ich allerdings wieder nachlegen, denn in meiner Paradedisziplin Springen lassen ich mich nicht besiegen. Während die restlichen Prüflinge warten müssen, tragen wir unser Privatduell aus, bis die erste Runde nach jeweils fünf Hopsern mit 2,80 Metern an mich geht.

Nun steht die Disziplin Laufen an, aufgrund der unterschiedlichen Altersklassen für mich der 100-Meter-Lauf, für Schneehain der 50-Meter-Sprint. Zur Aufwärmung muss ein lockeres Joggen quer über den Fußballplatz genügen, wofür sich meine Oberschenkelmuskulatur später per leichter Zerrung bedanken wird. Auf dem Weg zum Goldabzeichen ziehe ich meine nagelneuen, im Überschwang des olympischen Gold-Tripels gekauften goldenen Usain-Bolt-Rennschuhe an. Auf einer sandigen Bahn mit oder ohne Spikes zu laufen, nimmt sich allerdings so viel wie eine Magersüchtige am Büffet: nichts. Dementsprechend enttäuschend ist die Zeit von 13,2 Sekunden. Das reicht nur für Silber, jetzt muss beim Rest die Höchstwertung her, sonst ist der Traum vom goldenen Sportabzeichen geplatzt.

Zum Glück hat sich unter allen Teilnehmern schnell eine Gruppendynamik entwickelt, gegenseitig treiben wir uns an, was den Spaßfaktor nochmals erhöht. „Das geschieht bei der Abnahme des Sportabzeichens fast ausnahmslos“, sagt Mike Kanbach, Abteilungsleiter Leichtathletik beim BSV. Während ich trotz Potenzials bei der Technik 5,15 Meter weit springe und mit dem ersten Flop meines Lebens die 1,50 Meter überquere, quält sich Schneehain am Hochsprung-Goldstandard vergebens und erreicht „nur“ Silber. Ich erwische mich, wie ich mich über die knappen Fehlversuche meines einstigen Konkurrenten tierisch ärgere.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass wir beide die 3000 Meter in der Goldzeit absolvieren müssen - während Senior Sittig jeden Test mit Bravour bestanden hat. Nun ist mir vorab bewusst, dass ich siebeneinhalb Stadionrunden ohne Probleme in 13 Minuten bewältige. Mein eigentliches Ziel lautet daher: Vereinsvorsitzende überrunden. Ob ich auf Kurs liege, wird Runde für Runde penibel kontrolliert, gut 200 Meter vor der Ziellinie ist es geschafft. Vom sportlichsten Vereinsboss und einem der fittesten 43-Jährigen der Region, der seinen Normwert mit knapp über 14 Minuten auch problemlos schafft, gibt es dafür einen Schulterklopfer. Zur Revanche besiegt er mich einige Wochen später beim Nachweis der Schwimmfähigkeit, bei der Schneehain die 25-Meter-Bahn in 13 Sekunden abkrault.

Dann der feierliche Moment: Kanbach verleiht uns das Deutsche Sportabzeichen in Gold. Meine Hoffnung, mich nun so erhaben zu fühlen, wie ein Olympiasieger wird zwar nicht erfüllt, dafür aber die, dass ich mir 25 Euro fürs Bonusheft der Krankenkasse gutschreiben lassen kann. Dazu die Gewissheit, diesen erheiternden Test im nächsten Jahr erneut zu absolvieren. Ziel sind nun 50 goldene Sportabzeichen.

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