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„Ein handgefertigtes Einzelstück"

Paralympics: Ersatz-Gliedmaßen „Ein handgefertigtes Einzelstück"

Mit Beginn der XIV. Paralympischen Sommerspiele am 29. August in London werden sie Teil des visuellen Alltags von Sportinteressierten sein: die Sportprothesen der Behindertensportler. Es gibt Unter- und Oberschenkelprothesen. Ins Auge fällt bei beiden die gebogene Carbon-Feder. Hier erfahren Sie, wie aufwendig die Herstellung der Ersatz-Gliedmaßen ist.

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Quelle: AFP

Duderstadt. Jede Carbon-Feder ist ein handgefertigtes Einzelstück“, betont Maximilian Segl. Er ist beim Duderstädter Medizintechnik-Unternehmen Ottobock Carbon-Spezialist.

Die Erklärungen des Carbon-Spezialisten sind teilweise schwer verständlich. Das liegt weniger am Akzent des gebürtigen Tirolers als viel mehr an den salvenartig abgegebenen Ausdrücken in Ingenieur-Fachsprachen-Denglisch. „Unidirektionales Prepreg“ zum Beispiel nennt der Fachmann die mit einem Harz vorimprägnierten, nur in eine Richtung verlaufenden Carbonfaser-Schichten.

In Duderstadt werden etwa 150 Federn pro Jahr hergestellt. Nach Gewicht und Aktivität des Sportlers wird die Feder individuell angepasst. Die Produktion dauert etwa drei Tage. Eine Feder besteht aus 40 bis 80 Carbonfaser-Schichten. Ein Techniker bringt diese Schichten auf einen Korpus auf, der der Feder die Form gibt. Die Schichten sind aufgrund des Harzes sehr klebrig. Je mehr Schichten, desto härter ist die Feder später.

Das Gewicht des fertiggestellten Unikats beträgt etwa zwischen 400 und 800 Gramm. Verbaut sind bis zu zwei Quadratmeter unidirektionale Carbonfaser-Schichten. „Die Kosten pro Quadratmeter belaufen sich auf etwa 45 Euro. Prepreg mit Gewebestruktur ist teurer. Es gibt sehr viele verschiedene Qualitätsstufen“, so Segl.

Gleich nebenan werden in Duderstadt Füße für Alltagsprothesen produziert. „Davon stellen wir hier jährlich 150 000 her“, verdeutlicht Unternehmenssprecher Karsten Ley die Dimensionen.

Spätestens mit Beginn der XIV. Paralympischen Sommerspiele am Mittwoch, 29. August, in London werden sie Teil des visuellen Alltags von zahlreichen Sportinteressierten sein: die Sportprothesen der Behindertensportler. Es gibt Unter- und Oberschenkelprothesen. Ins Auge fällt bei beiden besonders die gebogene Carbon-Feder. Mark Bambey (Text) und Swen Pförtner (Fotos) haben sich beim Duderstädter Medizintechnik-Unternehmen Ottobock von Carbon-Spezialist Maximilian Segl erklären lassen, wie aufwendig die Herstellung der Ersatz-Gliedmaßen ist.

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Kein Hightech
Im Wettkampfsport ist keine Prothetik zulässig, die zusätzliche Energie liefert. Hightech seien seine Wettkampfprothesen deswegen nicht, unterstreicht Heinrich Popow. Der 100-Meter-Silbermedaillengewinner von Peking will in London Gold gewinnen. „Hightech ist mein chipgesteuertes C-Leg, mit dem ich auf Kopfsteinpflaster oder Treppen gehe“, so Popow. Der 28-Jährige benutzt im Training und Wettkampf verschiedene Federn. Eine recht weiche zum Laufen beim Warmmachen und eine extrem steife zum Weitsprung. Um diese Feder zu biegen muss enorme Kraft aufgewendet werden.
Keine Kassenleistung
Sportprothesen sind Ersatz-Gliedmaßen, die speziell für die Ausübung einer Sportart hergestellt und genutzt werden. Die Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes sieht sie als sogenannte Freizeithilfsmittel an. „Diese Prothesen gehören deswegen nicht zur Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen und müssen selbst bezahlt werden. Die Kosten belaufen sich mit Adaptern, Schaft und Kniegelenk auf etwa 8000 bis 10 000 Euro. Wir vertreten die Meinung, dass Sport durchaus präventiv betrieben wird und zum Beispiel Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verhindern kann. Es sollte also eine Kassenleistung werden“, sagt Ley.
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