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Niedersachsens sechs Richtige – und eine Zusatzzahl

Landessportler bei Paralympics Niedersachsens sechs Richtige – und eine Zusatzzahl

Die deutsche Delegation ist überschaubarer geworden – und mit ihr die Anzahl der niedersächsischen Athleten, die bei den XIV. Paralympischen Sommerspielen um Medaillen kämpfen werden. Im Vergleich mit Peking 2008 hat sich die Anzahl der Sportler aus Deutschlands zweitgrößtem Bundesland mehr als halbiert. Wir stellen sie vor.

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Hier noch als Niedersachse im Vogelnest genannten Olympiastadion in Peking im Einsatz: Hochspringer Reinhold Bötzel aus Hannover startet inzwischen für Koblenz.

Quelle: Becker

Göttingen/Hannover. Karl Finke, Präsident des Behindertensportverbandes Niedersächsischen, ist dennoch optimistisch, dass seine Athleten einigen Medaillen gewinnen werden. In den sinkenden Zahlen sieht er lediglich eine kurze Schwächephase – Besserung sei in Sicht. 2008 hat Deutschland noch 170 Athleten nach Peking entsandt, bei den Paralympics, die am Mittwoch, 29. August, in London beginnen, werden es nur 150 Sportler sein.

Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Delegation, betont allerdings, dass Deutschland gut aufgestellt sei. „Wir hoffen, dass die Sportler in London ähnlich abschneiden wie unsere Olympiamannschaft“, sagte Quade am Dienstag gegenüber der Deutschen Presseagentur.

"Drei, vier Medaillen sollten drin sein"

Mehr als ein Drittel der um 20 eingebüßten Startplätze trägt der niedersächsische Behindertensportverband. In Peking starteten noch 13 niedersächsische Athleten, in London werden es nur noch sechs Sportlern sein. Finke glaubt trotzdem an den kleinen Kader. „Auch wenn wir keine sicheren Goldmedaillenanwärter haben, drei vier Medaillen sollten drin sein.“ Eine Vorgabe will er nicht machen. „Wir machen da keinen Druck, sondern hoffen einfach, dass unsere Athleten zur Stunde X die beste Leistung bringen.“ In Rio, so hofft Finke, sind es dann wieder mehr Paralympioniken.

Trotz des kleineren Aufgebots peilt die deutsche Mannschaft im Medaillenspiegel erneut Platz elf wie in Peking an. In China sammelten die Sportler 14 Gold- , 25 Silber- und 20 Bronzemedaillen. In Athen 2004 kam Deutschland auf den achten Rang, 2000 in Sydney wurde Deutschland Zehnter.

Als übermächtig werden in London wieder die Chinesen eingestuft, die in Peking 89 Goldmedaillen gewannen und zudem 70-mal Silber und 52-mal Bronze holten. Um Platz zwei wird ein Zweikampf zwischen Gastgeber Großbritannien und den USA erwartet.

Genaue Zielvorgaben macht auch Chef de Mission Quade nicht: „Im Gegensatz zu den Olympioniken müssen die Behindertensportler keine Zielvorgabe bei der Medaillenjagd erfüllen.“ Die Erwartungen der Sportler selbst sei ohnehin schon groß. Das Motto für die niedersächsischen Paralympioniken fasste Präsident Finke bei der Verabschiedung der Sportler am treffend zusammen: „Daumen drücken für sechs Richtige.“

  Niedersachsens Aufgebot
Vico Merklein nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich fahre nicht nach London um Zweiter zu werden“, sagt der Handbiker, von der GC Nendorf im Landkreis Nienburg/Weser. Der 34-Jährige hat allen Grund selbstbewusst zu sein. Er ist amtierender Weltrekordhalter über die Marathondistanz und war 2011 Vizeweltmeister im Zeitfahren. Seit einem Unfall vor 14 Jahren ist Merklein querschnittsgelähmt, seit neun Jahren betreibt er seinen Sport professionell. Worauf er sich in London freut, weiß er schon: „Auf die Siegerehrung mit mir in der Podestmitte, am liebsten gleich zwei Mal.“
Handbiker Bernd Jeffré ist ein heißer Medaillenanwärter. Der 48-Jährige, der beim Einzelzeitfahren und im Marathon an den Start geht, richtete sein Leben in den vergangenen Jahren ganz auf den Sport aus. „Ich wollte nicht mehr hinterherfahren“, sagt der Sportler, der sonst ebenfalls für Nendorf startet. Also stellte er seine Ernährung um, nahm 15 Kilo ab und trainierte fortan 35 Stunden in der Woche. „Für Hobbys bleibt da wenig Zeit“, sagt Jeffré. Das Training hat sich gelohnt. Er fuhr internationale Podiumsplätze ein und stellte 2009 einen inoffiziellen Weltrekord auf der Marathonstrecke auf. In London ist nun sein Motto: „Dabeisein und Medaille holen.“
Lena Weifen ist die jüngste niedersächsische Paralympics-Teilnehmerin. Der Dressurreiterin, der der rechte Unterarm fehlt, reitet schon seit 15 Jahren und sitzt täglich auf dem Pferd. Bei der EM holte sie mit der Mannschaft die Bronzemedaille und wurde bei der WM in Kentucky im Einzel Vierte. „Alles Weitere toppt das Ganze jetzt nur noch“, sagt die Böselerin aus dem Landkreis Cloppenburg, die für Falkenberg reitet.
Schon bevor er sich 2011 bei einem Gartenunfall eine Hirnverletzung zuzog war Matthias Alpers begeisterter Bogenschütze. „Meine Eltern betreiben diesen Sport schon seit 50 Jahren“, sagt der 44-Jährige, der daher früh den Bogen in der Hand hatte und schon im Junioren-Nationalteam stand. Nach dem Unfall half ihm der Sport, zurück ins Leben zu finden. Fünf Stunden trainiert er täglich in einer Lagerhalle mit Fußbodenheizung. Turnhallen haben nicht die erforderliche Länge von 70 Metern. Als Ausgleichssport tobt er mit seinen drei Kindern. Für London hat er eine Medaille im Visier.
Für Torben Schiewe geht in London ein Lebenstraum in Erfüllung. Für Peking hatten die Sitzvolleyballer die Qualifikation nicht geschafft. Jetzt haben sie sich als letztes Team – wie die Olympia-Volleyballer – noch die Teilnahme gesichert. Der 27-Jährige, der eine Behinderung am Fuß hat, die seine Beweglichkeit einschränkt,  ist als Zuspieler einer der Leistungsträger im Team. Und nicht nur hier: Beim TuS Bröckel ist er ebenfalls Zuspieler und schaffte mit seiner Mannschaft den Aufstieg in die Regionalliga – bei den Nichtbehinderten. Bei den Paralympics träumt der Celler, dessen Vater und Schwester ebenfalls begeisterte Volleyballer sind, nun von einer Medaille.
„Training, Training, Training“ bestimmten in den vergangenen Monaten das Leben von Frank Heitmeyer , der zudem Filialleiter einer Sparkasse in Osnabrück ist: „Ein Vollzeitjob.“ Drei bis fünf Mal in der Woche trainiert der Sportschütze am Olympiastützpunkt in Hannover. In London hofft der 42-Jährige, dessen linker Arm seit einem Motorradunfall gelähmt ist, das Finale zu erreichen und dann auf einen sauberen Wettkampf. „Es wird Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt der Schütze der SSG Wittlage, der auch in Peking mit dabei war.
Und dann ist da noch Reinhold Bötzel . Der 36-Jährige Hochspringer kommt eigentlich aus Hannover, startet aber für Rot-Weiß Koblenz, weswegen er nicht zum niedersächsischen Kader gehört. In London nimmt der Leichtathlet, dem seit einem Unfall 1983 der linke Arm fehlt, nicht nur am Hochsprungwettbewerb sondern auch als Läufer mit der  4 x 100-Meter-Staffel teil. 2003 sprang Bötzel über zwei Meter – das wird in London schwer.

Von Manuel Becker
und Mark Bambey

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