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125 Jahre Göttinger Tageblatt Das Göttinger Tageblatt und der Einzelhandel
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15:10 03.04.2014
In seinem Kellergewölbe entstanden viele kreative Ideen: Juwelier Fritz Schügl, langjähriger Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Fritz Schügl, von 1982 bis 1998 Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes, holte dort die wichtigsten Köpfe der Stadt zusammen: Karstadt-Chefs, die Vorstände der Werbegemeinschaft, Redakteure des Tageblatts, Sparkassenvorstände, Oberstadtdirektoren.Inhaber von Traditionsgeschäften wie Leder-Schäfer und Nahme, Stempel-Bergen, Sport-Müller und Heine waren dabei.

Im Gewölbe der Schügl-Immobilie wurde diskutiert, innerstädtische Probleme thematisiert, da wurden Lösungen gefunden, Aktionen geplant, Ideen geboren, Visionen formuliert. „Wir haben geredet und gemeckert, aber auch gestaltet“, erinnert sich der 83-jährige Goldschmied. Da wäre zum Beispiel der „Silberne Kaufmannslöffel“.

Tageblatt-Redakteur Michael Bockemühl hatte Bücher gewälzt und war dabei auf die Jahrhunderte alte Tradition der Kaufmannsgilde gestoßen, verdiente Mitglieder mit einem Silberlöffel zu würdigen.
Mit Bockemühl, Schügl, Sparkassendirektor Gerhard Scharner und Rudolf Kahlmeier (damals Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft) wurde der Plan eines jährlich wieder stattfindenden Gildentags mit Vergabe des Silbernen Kaufmannslöffels geboren.

Geschäftsmann Uwe-Jens Müller (damaliger Chef von Sport-Müller), Stephan Schäfer (Vorsitzender der Werbegemeinschaft) und Karstadtgeschäftsführer Günter Möller erhielten 1990 nach Wiederaufleben der Tradition als erste Bürger der Stadt den Silbernen Kaufmannslöffel, der als Gravur das Siegel der Göttinger Kaufmannsgilde trägt.

Klangvolle Namen

Heute gehört der erste Dienstag im November noch immer der Kaufmannsgilde. Viele für die Stadt engagierte Bürger haben die Auszeichnung bereits erhalten. Zuletzt war es Architekt Hansjochen Schwieger, der von EH-Vorstand Willi Klie die Auszeichnung erhielt. Klie ist seit 1999 Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes (heute: Handelsverband Hannover).

Schügl erinnert an Redner und Schirmherren des Gildentags, an klangvolle Namen wie Ministerpräsident Gerhard Schröder, Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth oder Ministerpräsident Sigmar Gabriel. Das waren Zeiten, sagt er. „Damals war der Teufel los in der Stadt“, erzählt Schügl aus den 1980er Jahren, als er und andere Geschäftsleute im legendären Keller die „Riesendemos“ diskutierten und die „Entglasung der Stadt“ verurteilten.

Damals habe man den Geschäftsleuten die Sicherung der Schaufenster mit Brettern empfohlen, auch den Banken, die regelmäßig Opfer der Pflastersteine wurden. Das Tageblatt habe damals viel darüber berichtet, erinnert sich Schügl – über die Demonstrationen, die Konsequenzen und über die Sorgen der Einzelhändler.

„Da hat uns das Tageblatt sehr geholfen“

Im Gewölbekeller habe man auch Dinge diskutiert, „die heute selbstverständlich sind“, erzählt Schügl – der lange Donnerstag zum Beispiel mit Öffnungszeiten bis 20 Uhr oder die Verlängerung des Weihnachtsmarktes. Einen guten Draht habe man nicht nur zum Tageblatt gehabt, sondern auch zu Hermann Schierwater. Der damalige Oberstadtdirektor sei oft im Keller gewesen, habe Verständnis für die Belange der Einzelhändler gezeigt.

Ein wichtiges Thema war der Donnerstagsmarkt, heute Lieselmarkt. „Da hat uns das Tageblatt sehr geholfen“, erinnert sich der Juwelier. Oder der „Deko-Oscar“, der etliche Jahre vom Göttinger Tageblatt, dem Einzelhandelsverband und der Werbegemeinschaft ausgelobt wurde. Die Trophäe wurde ab 1987 in Gold, Silber und Bronze an Geschäftsinhaber verliehen, die ihre Schaufenster besonders kreativ gestalteten.

Tausende von Tageblatt-Lesern haben damals mit abgestimmt, beschreibt Schügl die große Zustimmung. 52 Geschäfte hatten sich am ersten Deko-Oscar unter dem Motto „Frühlingsahnen“ beteiligt. Gold ging damals an Juwelier Hartwig (Inhaber Wolfgang Lüttge), Silber an die Bäckerei Gerhardy und Bronze an das Optikfachgeschäft Nieger.

Traueranzeigen für Straßenfest

Im Kellergewölbe hatten auch Aktionen ihren Anfang, die für Schügl heute nicht mehr denkbar sind. Modenschauen in ausverkaufter Stadthalle, mit Künstlern, „von denen man heute nur träumen kann.“
Eine tolle Aktion sei auch die City-Gruppe im Tageblatt gewesen. 1988 initiiert vom Tageblattgeschäftsführer Manfred Dallmann, fanden regelmäßige Treffen von Zeitung, Einzelhandel und Politik im Verlagsgebäude in der Dransfelder Straße statt. „Da haben wir aktuelle Themen besprochen“, so Schügl.

Da seien Sorgen, Pläne und Visionen auf den Tisch gekommen. „Dabei ist viel rausgekommen“, zieht er Bilanz und wünscht sich eine Neuauflage dieser Tradition mit dem Göttinger Tageblatt.
Mehr als 30 Jahre ist Willi Klie im Einzelhandelsverband tätig, ist im Vorsitz der Nachfolger von Schügl.

Wie sein Vorgänger kann auch der Inhaber von Sylvester-Märten so manche Anekdote erzählen. Als Oberstadtdirektor Schierwater ein Straßenfest in der Groner Straße wegen des Busverkehrs untersagen wollte, hängten die Geschäftsleute große Traueranzeigen in ihre Schaufenster. Schierwater habe gekocht, erinnert sich Klie. Oder die Geschichte mit dem Gänselieselfest, das Stadt, Einzelhandel und Göttinger Tageblatt initiiert hatten.

Viele Aktionen für die Innenstadt

Da habe das Ordnungsamt zunächst einen Riegel vorschieben wollen. Schierwater habe damals die Verantwortung „persönlich“ übernommen. „Die Zusammenarbeit war und ist gut“, betont Klie. Mit dem Tageblatt und dem Anzeigenblatt Blick habe man viele Aktionen für die Innenstadt realisieren können – und etliche neue Pläne im Köcher. Im Bereich Cross-Channel etwa planen Einzelhandel und Medienhaus, neue Möglichkeiten zu nutzen.

Als Werbepartner für Aktionen in der Stadt Göttingen wertet Klie das Miteinander mit dem GT im Jubiläumsjahr als angenehm und gut.

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