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In Freiheit fast vergessene Werkarbeit

Basteltipps zum Mitmachen In Freiheit fast vergessene Werkarbeit

In diesem Jahr öffnet das Tageblatt bis zum Heiligen Abend wieder täglich ein Türchen des Adventskalenders. Dahinter verbergen sich weihnachtliche Basteltipps zum Mitmachen und Nachbasteln. Heute zeigen Patienten und Therapeuten des Maßregelvollzugszentrums Moringen, wie weihnachtliche Laubsägearbeiten entstehen.

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Ergotherapeuten: Antje Schäfer (links) und Michaela Danai.

Quelle: Gückel

Sie gehört zu den Kulturtechniken, die einst jeder Junge im Unterrichtsfach Werken als erstes lernen musste: Laubsägearbeiten. Jeder Werkkasten für Schüler enthielt den u-förmigen Bügel mit hölzernem Griff und einen Satz Laubsägeblätter zum Einspannen. Man lernte, geduldig und gleichmäßig zu sägen, lernte, dass auch Metall bricht, und man lernte Respekt vor Tischkanten. Die waren hinterher trotzdem gezeichnet, wenn man das Klemmbrett mit dem Rund am Ende des v-förmigen Ausschnitts nicht benutzt hatte.

Heute findet man kaum noch jemanden, der freiwillig Bildchen in Sperrholz sägt. Dabei ist das Laubsägen eine pädagogisch wertvolle, geradezu therapeutische Art der Holzbearbeitung – fast meditativ. Und deshalb findet man dort, wo Ergotherapie im Vordergrund steht, noch jene sonst fast ausgestorbene Kulturtechnik.

Deren Ergebnisse sind sogar überaus beliebt. Gerade hat das Niedersächsische Maßregelvollzugszentrum, früher Landeskrankenhaus Moringen, seinen Adventsmarkt gehabt  – und alle Laubsägearbeiten waren ausverkauft. Beleuchtete Schwippbögen, zusammensteckbare Elche, Szenen und Figuren aus der Produktion der Patienten – alles verkauft.

Früher, sagt Piet P. (Namen geändert), hätte er sich nicht träumen lassen, mal Laubsägearbeiten anzufertigen: „Das hab ich mit Abscheu betrachtet, da hatte man andere Flausen im Kopf.“  Aber hier, so der junge Mann vom Typ Rocker, strukturiere die Arbeit in der Holzwerkstatt den Tag. Und das sei ja auch ein Ziel des Maßregelvollzugs, Patienten wieder arbeitsfähig zu machen. Auch für Olli O. gilt das. Er sägt sogar besonders gern. Gerade baut er für seine Mutter eine Uhr aus Laubsäge-Elementen als Weihnachtsgeschenk. Stücke wie Schwippbögen werden an der Maschine gesägt. Nur das abschließende Schleifen, so sagt er, nerve dann doch.

Für Antje Schäfer, Leiterin der Ergotherapie, gehört der kreative Umgang mit Holz zu jenen Tätigkeiten, bei denen Patienten Erfolgserlebnisse haben können, aber auch Umgang mit Frust erlernen, wenn sich das Sperrholz gegen die Säge sperrt. Übrigens: Der Begriff Laubsägen für die italienische Erfindung der Intarsien-Bearbeitung (vermutlich 1562) stammt daher, dass damals meist Einlegarbeiten in Form von Blättern gefertigt wurden.

Die Arbeiten im Maßregelvollzug werden nach fertigen Schablonen per Bleistift aufs Sperrholz gebracht und ausgesägt. Wer möchte, kann eigene Entwürfe kreieren. Dem Anfänger seien erst einmal Sterne, Tannen, Weihnachtsmänner oder Schlitten empfohlen, die ausgesägt an den Christbaum gehängt werden. Aber Vorsicht mit der Tischkante!

Haben Sie auch eine weihnachtliche Bastel-Idee? Dann schicken Sie uns Ihren Vorschlag per Post an das Göttinger Tageblatt, Redaktion, Dransfelder Straße 1, 37070 Göttingen, oder per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.
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