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Im Leinetalgraben rauchten einst die Vulkane

Die Geschichte des Gaußturms, Folge 3 Im Leinetalgraben rauchten einst die Vulkane

Der Gaußturm wird in den kommenden Monaten saniert. In einer Serie stellt das Tageblatt das touristische Wahrzeichen der Region und seine Geschichte vor.

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Fuhr einen Sechszylinder Brennabor Typ AL/AK: Basaltwerk-Direktor Karl Koch.

Quelle: Archiv Schindewolf

Anstelle der alten, unbefestigten Heer- und Handelsstraßen des Mittelalters entstand während des 19. Jahrhunderts ein neues Netz von Landstraßen. Den dafür benötigten Schotter und die Pflastersteine lieferten Basaltsteinbrüche. Auf dem Hohen Hagen begann der Abbau des Vulkangesteins 1825. 

Vor 15 Millionen Jahren rauchten in Südniedersachen und Nordhessen rund 1000 Vulkane. Zum Vergleich: Heute sind weltweit 1300 aktive Vulkane bekannt. Zu den nördlichsten feuerspeienden Bergen jener Zeit gehörte die Bramburg bei Adelebsen, auf der die Firma Wegener noch heute Basalt abbaut. 

Das Vulkangebiet erstreckte sich im Süden bis nach Frankfurt. Als sein Zentrum gilt der Vogelsberg. Das gesamte Gebiet wiederum war Teil eines 700 Kilometer langen Vulkan-Bogens, das von Deutschland über Tschechien bis nach Polen reichte. Ursache des Vulkanismus war die Bewegung der Erdplatten, die auf dem flüssigen Erdinneren schwimmen. Die afrikanische drückt gegen die eurasische Platte. Im Bereich des Leinegrabens wurde damals 1200 Grad heiße Lava aus 60 Kilometer Tiefe nach oben gepresst. Ein Teil der Lava erkaltete in den Vulkanschloten und zog sich zu sechseckigen Säulen zusammen, dem Basalt. Diese Säulen stehen im Schlotzentrum des Hohen Hagens fast senkrecht.

Kloster tritt Berg ab

Die Menschen wussten lange Zeit nichts mit dem harten Gestein anzufangen. Jahrhundertelang bewirtschaftete das Kloster Hilwartshausen, das bei Hann. Münden liegt, die Felder und Wälder des Hohen Hagens. Die Nonnen übertrugen den Berg 1529 an die Stadt Dransfeld. Die hatte dort bereits 1492 das Jagdrecht auf Hasen eingeräumt bekommen. 

Als der Rohstoff Basalt interessant wurde, verpachtete die Stadt die Flächen. Basaltabbau war lange Zeit Knochenarbeit. Die Steine wurden mit der Hand geschlagen. Fuhrleute brachten das fertige Material auf Pferdewagen zu den Baustellen. Als 1857 die Eisenbahnlinie zwischen Göttingen und Münden eröffnet wurde, stieg die Nachfrage steil an. Der Tagebau wurde erweitert. 

1924 übernahmen die Kieswerke der Provinz Schleswig Holstein den Steinbruch und setzten nun verstärkt Maschinen zum Abbau ein. Um die größeren Mengen abzutransportieren, entstand eine Seilbahn vom Hohen Hagen zum Dransfelder Bahnhof. Werksdirektor Klaus Koch senior residierte in Dransfeld in der Hoher-Hagen-Straße 2 am Feuerteich.  Seine Enkelin, Gertraud Schindewolf, hat dem Tageblatt ein Foto zur Verfügung gestellt. Es stammt eventuell aus den 30er Jahren und zeigt Direktor Koch vor seinem repräsentativen Wagen, einem Sechszylinder Brennabor Typ AL/AK. 

Koch, der aus Norddeutschland stammte, hatte drei Söhne. Klaus Koch junior wurde sein Nachfolger als Werksdirektor. Ludwig Koch lernte Gärtner. Später unterrichtete er als Volkschullehrer in Settmarshausen und dann in Dransfeld. Otto Koch wurde Straßenbahnfahrer in Hamburg. Koch senior starb im Dezember 1970. Er liegt auf dem Dransfelder Friedhof begraben. 

                                                                                                                    Von Michael Caspar

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