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Sogar der Kaiser spendet für den Gaußturm

Die Geschichte des Gaußturms, Folge 2 Sogar der Kaiser spendet für den Gaußturm

Der Gaußturm wird in den kommenden Monaten saniert. In einer Serie stellt das Tageblatt das touristische Wahrzeichen der Region und seine Geschichte vor.

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Koloriert: Der Turm war ein beliebtes Postkartenmotiv. 

Die Fernsicht von Südniedersachsens höchstem Berg, dem Hohen Hagen, ist bei gutem Wetter phantastisch. Der Blick reicht vom Weserbergland bis zum Hohen Meißner in Hessen, vom Brocken bis Kassel-Wilhelmshöhe. Das beeindruckte schon Johann Wolfgang von Goethe, der nach einem Kuraufenthalt in Bad Pyrmont 1801 den Hohen Hagen bestieg. Damals war der Berg noch unbewaldet. Das änderte sich in den folgenden 100 Jahren. 

Um Besucher weitherhin die schöne Aussicht bieten zu können, beschloss der Verschönerungsverein Dransfeld 1906, einen Turm zu errichten. Der Verein war zwei Jahre zuvor aus dem bereits seit 1881 bestehenden „Comitee für Dransfelder Sommerfrische“ hervorgegangen. Die ersten 100 Mark stiftete der Bruder des Dransfelder Pastors, der in Berlin ansässige Geheimrat August Gieseke. 

„Kantor Karl Forthmann, der den Turmbaufond verwaltete, verfasste unermüdlich Bettelbriefe“, berichtet Dransfelds Stadtarchivar Friedrich Rehkop. Auch in Göttingen ließ der Kantor Spendenbüchsen aufstellen. Als das Kapital auf 15000 Mark angewachsen war, steuerte Kaiser WilhelmII. 4000 Mark bei. 

Angesichts solcher Rückendeckung wartete der Verschönerungsverein mit der Grundsteinlegung nicht erst, bis die Bausumme von 51000 Goldmark vollständig zusammen war. Zur Feierstunde am 29. Juli 1909 kamen auch die Kasseler Architekten des 35 Meter hohen, wuchtigen Bergfrieds, Ludloff und Stiege.  Als Baumaterial diente unter anderem Basalt, das der Basalt-Steinbruch auf dem Hohen Hagen lieferte. Dransfelder Handwerker führten die Arbeiten unter Leitung eines Maurermeisters aus Friedland aus. Die Stadt übereignete dem Verein das Grundstück kostenfrei. 

Benannt wurde der Turm nach Carl-Friedrich Gauß, der auf dem Hohen Hagen mit der Vermessung des Königreichs Hannover begonnen hatte. Einige von dessen Nachkommen reisten zur Eröffnung des Turms am 31. Juli 1911 aus Deutschland und den USA an, wohin zwei Kinder des Professors ausgewandert waren. 

Hausorden der Hohenzollern

In Gegenwart von mehr als 2000 Gästen ehrte Landrat von Stockhausen Kantor Forthmann mit dem vom Kaiser verliehenen Hausorden der Hohenzollern. Nach dem Fondverwalter ist einer der Hauptwanderwege zum Hohen Hagen benannt. Eine Forthmann-Linde pflanzte später auf Initiative des ehemaligen Dransfelder Bürgermeisters Dr. Hans Meinheidt (1958-1962) Stadtarchivar Rehkop auf dem Kirchplatz. An den Geheimrat Gieseke erinnert ein Gedenkstein bei den Altarsteinen am Hohen Hagen.  

Im Gaußzimmer, das im Erdgeschoss untergebracht war, fanden sich Nachbauten des Heliotrops und des Gauß-Weberschen Telegraphen. Der aus Spiekershausen gebürtige und mit Hann. Münden verbundene Berliner Professor Gustav Eberlein stiftete eine weiße Marmorbüste von Gauß. Ausgestellt wurden ferner Bilder und Schriftstücke. 

Als Turmwächterin wirkte 25 Jahre lang Lina Eilers. „Tante Eilers“, wie sie die Ausflügler nannten, verkaufte Eintrittskarten und machte Führungen durchs Gaußzimmer. Sie selbst ging an jedem Wochenende zu Fuß hinauf zum Hohen Hagen. Gestorben ist sie am 22. Mai 1950. „Einige Tage vorher hatte sie noch ihren Dienst versehen“, meint Rehkop beeindruckt. Ein Nachfahre, Bernd Eilers, arbeitete später als Kämmerer der Stadt Dransfeld. 

                                                                                                                     Von Michael Caspar

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