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Eisen statt Bronze: Sparzwänge der fünfziger Jahre

Folge 3: St. Albani Eisen statt Bronze: Sparzwänge der fünfziger Jahre

St. Albani Kirche in Göttingen.

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Gusseiserne Glocken rosten leicht: Geläut in der Göttinger Albanikirche.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Sie ist nicht die größte, aber die älteste Kirche Göttingens: die Albani-Kirche am Ostrand der Innenstadt. Es gibt kein schriftlich überliefertes Gründungsdatum – das erste urkundliche Zeugnis stammt aus dem Jahre 1254.

Darin heißt es, die Kirche sei „durch die Frömmigkeit eines Kaisers begründet“. Es ist anzunehmen, dass die Albanikirche die Kirche des Dorfes Gutingi gewesen ist, das urkundlich 953 erwähnt wird. Albrecht Saathoff mutmaßt 1929 in seinem Buch „Aus Göttingens Kirchengeschichte“, Otto der Große sei Stifter der alten Albanikirche gewesen. Am Albaniplatz sind wir also Zeugen einer mehr als tausendjährigen Geschichte.

Ähnlich wie in St. Jacobi ist der Hochaltar von St. Albani ein ganz besonderes Schmuckstück. Es stammt von Hans von Geismar, entstanden ist er im Jahre 1499. Die Orgel der Albanikirche wurde 1964 von Paul Ott errichtet, 1990 von Rudolf Janke überarbeitet und neu intoniert. Sehr aktiv ist die Kantorei an St. Albani, die heute von Arwed Henking, dem früheren Kantor an St. Jacobi, geleitet wird.

Zusammen mit der Nikolaikirche kann die Albanikirche stolz sein auf die älteste urkundliche Erwähnung von Glocken in Göttingen. Im Jahr 1271 erhielten beide Kirchen je eine neue Glocke. Im 20. Jahrhundert dagegen hatte St. Albani, vorsichtig formuliert, etwas Pech. Bereits im Ersten Weltkrieg musste die Kirche, wie in der Stadtchronik vermerkt ist, Glocken „zu Heereszwecken“ abliefern und konnte erst lange nach Kriegsende am 22. November 1925 drei neue Glocken weihen. Der Zweite Weltkrieg beraubte die Kirche abermals ihrer Glocken, die nicht einmal 20 Jahre hatten Dienst tun können.

Erst 1951 erhielt die Kirche ein neues Geläut – aus finanziellen Gründen aber nicht aus Bronze, dem edlen, jahrhundertelang haltbaren Material, sondern aus Gussstahl. Eingeweiht wurden sie am 10. Juni 1951.

Eine Notiz des Glocken­revisors Frohwalt Hardege im Göttinger Jahrbuch von 1952 beschreibt die Preissituation eindringlich. Eine neue Bronzeglocke in leichter Ausführung („leichte Rippe“) mit dem Kammerton a’ hätte zu dieser Zeit ohne Montage und Transport ungefähr 3100 DM gekostet, drei Glocken wären also kaum unter 10 000 DM zu haben gewesen. Doch mit dem Altmetallwert einer einzigen Bronzeglocke, die nicht beschlagnahmt worden war, konnte St. Albani das gesamte Gussstahlgeläut bezahlen, heißt es in dieser Notiz weiter. Der Autor veranschlagte den Preis einer „Klangguss-Glocke“ – ein Material, das gegenüber reinem Gusseisen einen weicheren Ton ergibt und eine längere Nachhallzeit hat – lediglich mit 1200 DM. Der Nachteil: Die Glocken können leicht rosten, was nicht ganz ungefährlich ist. Der Vorteil, so Hardeges Notiz weiter: „Stahlglocken bleiben von Beschlagnahmungen verschont.“

Die drei Glocken des Albani-Geläuts haben Durchmesser von 156 Zentimetern (Ton es’), 138 Zentimetern (Ton f’) und 117 Zentimetern (Ton as’). Ursprünglich sollten sie noch um einen vierten, tieferen Ton (c’) ergänzt werden. Doch dieser Plan wurde nicht realisiert. Gegossen wurden sie von der Gießerei J. F. Weule in Bockenem, die zu dieser Zeit etliche Klangguss-Glocken produziert hat, unter anderem für die Antoniuskirche in Bad Grund und die Kirche in Spiekershausen. Auch die 1949 eingeweihte Heimkehrerglocke in Friedland stammt von Firma Weule.

Alle drei Albani-Glocken tragen Inschriften: die größte „Siehe, ich verkündige euch große Freude“, die mittlere „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ und die kleinste „Lobe den Herrn, meine Seele“. Ihre drei Schlagtöne stehen für das Tedeum („Großer Gott, wir loben dich“).

Von Michael Schäfer

  • Den Podcast zu den Glocken von St. Albani finden Sie auf unserer Podcast-Seite.
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