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Ihren Ton hat schon Immanuel Kant gehört

Folge 11: Klosterkirche Bursfelde Ihren Ton hat schon Immanuel Kant gehört

Frühere Zeitalter waren noch nicht derart mit politischer Korrektheit belastet wie die Gegenwart. Ungeniert nannten im Mittelalter die Bewohner der Region, die heute Südniedersachsen heißt, ihren Landesherrn Graf Heinrich den Fetten.

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Läutet dreimal täglich zu den Stundengebeten: Glocke in der Klosterkirche Bursfelde, hinten die Königsberger Glocke.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der wurde um 1055 geboren und stiftete acht Jahre vor seinem Tod in der Nieme-Aue an der Weser das Kloster Bursfelde.

Besetzt wurde es mit Mönchen aus Corvey. Das Jahr der Klostergründung 1093 ist zugleich das Entstehungsjahr der Westkirche, einer romanischen Basilika, deren Portal auf die Weser blickt. In dieser Kirche mit den Namenspatronen St. Thomas und Nikolaus steht ein Grabdenkmal des Stifters, der 1101 von den Friesen erschlagen wurde. Wo sein Leichnam ruht, ist unbekannt.

Nur etwa 40 Jahre nach dem Kirchenbau stiftete Kaiserin Richenza, die Tochter Heinrichs des Fetten, die Ostkirche, deren Schiff sich unmittelbar an die Westkirche anschließt. Türme erhielt die Kirche um 1180. Die heutigen Türme an der Westfassade allerdings wurden erst 1903 in historisierendem Stil errichtet, die alten Türme waren nach dem 30-jährigen Krieg abgetragen worden. Die Ausmalung der Westkirche stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Zur selben Zeit erhielt die Ostkirche gotische Maßwerk-Fenster.
Die weitere Geschichte des Benediktinerklosters ist sehr wechselvoll.

 In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird Bursfelde Ausgangspunkt eines Netzwerks von Reform-klöstern, der sogenannten Bursfelder Kongregation, die weit über 100 Klöster im mitteleuropäischen Raum, darunter Maria Laach und Alpirsbach, unter sich vereinigt. Rund hundert Jahre später, als die Reformation von Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen eingeführt wird, erlischt nach und nach das Klosterleben. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 wird das Kloster endgültig evangelisch.

1722 lässt Landgraf Carl zu Hessen (der Gründer Karlshafens) den Westflügel des Klosters zu einem Gutshaus umbauen. 1828 wird erstmals der Titel „Abt von Bursfelde“ an einen Göttinger Professor der evangelischen Theologie verliehen. Heute ist das Kloster ein geistliches Zentrum mit einem Tagungs- und Einkehrhaus. Abt von Bursfelde ist derzeit Prof. Joachim Ringleben.

Über der Westempore der Kirche hängen zwei Glocken. Die eine ist uralt. Sie stammt aus dem Dom von Königsberg, gegossen 1470 von Joachim Grytte in Danzig. Bei Kriegsende 1945 lag sie auf dem Glockenfriedhof im Hamburger Freihafengelände und wurde dort 1952 von Prof. Carl Stange, dem damaligen Abt von Bursfelde, entdeckt. Stange, ein gebürtiger Königsberger, veranlasste die Anbringung in Bursfelde.

Diese kleine, nur 100 Kilogramm schwere Glocke hat schon der Philosoph Immanuel Kant gehört. Ihres hohen Alters wegen wird sie in Bursfelde nur an hohen kirchlichen Feiertagen geläutet. Noch zwei weitere Glocken des Königsberger Doms hängen in Deutschland: eine ist in der Gedenkstätte des deutschen Ostens auf Schloss Burg an der Wupper untergebracht, eine zweite läutet jetzt in St. Georg in Wester-Wanna bei Cuxhaven.

Die zweite Bursfelder Glocke mit dem Schlagton d’ ist so alt wie das Deutsche Reich: Sie wurde 1871 von dem Glockengießer C. Isermann in Eber­götzen gegossen. Isermann hat zur selben Zeit auch Glocken für die Kirchen in Westerode und Lerbach bei Osterode gefertigt. Geläutet wird in Bursfelde täglich dreimal: um 8, um 12 und um 18 Uhr, entsprechend den Zeiten der Stundengebete Laudes, Sext und Vesper.

Von Michael Schäfer

  • Den Podcast zu den Glocken der Klosterkirche Bursfelde finden Sie auf unserer Podcast-Seite.
  • Klosterkirche Bursfelde als Klingeltown hier downloaden.

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