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Nur an hohen Kirchenfesten läuten alle fünf

Folge 2: St. Jacobi Nur an hohen Kirchenfesten läuten alle fünf

St. Jacobi Kirche in Göttingen wird vorgestellt.

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Hier schwingen nur die Klöppel: das 1968 errichtete Glockenspiel der Göttinger St.-Jacobi-Kirche. Es besitzt insgesamt 13 Glocken.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Zwei besonders große Kirchen stehen im Zentrum Göttingens: die Johannis- und die Jacobikirche. War erstere die Kirche des Rates der Stadt (daher nennt sie Albrecht Saathoff in seinem Buch „Aus Göttingens Kirchengeschichte“ die „Hauptkirche der Stadt“), so war St. Jacobi, dicht an der herzoglichen Burg gelegen, nach derselben Quelle die „Lieblingskirche der Herzöge“. Die heutige Gestalt geht auf einen Bau aus dem 14. Jahrhundert zurück. Wertvollster Schmuck ist der prachtvolle Wandelaltar von 1402. Und auch die 1966 von Paul Ott erbaute, 2006/07 von Siegfried Schmid renovierte Orgel (die größte Göttingens) ist ein Schmuckstück. In dieser Kirche singen der große Chor der St.-Jacobi-Kantorei und Kammerchor.

Was die Zahl der Glocken angeht, steht St. Jacobi eindeutig der erste Rang in Göttingen zu. Fünf Bronzeglocken umfasst das Geläut im Glockenturm, dazu kommt ein bronzenes Glockenspiel, bestehend aus 13 kleineren Glocken. Dies ist ein Musikinstrument, auf dem sich Melodien spielen lassen, etwa Choräle. Hier schwingen nicht die Glocken, sondern nur die Klöppel. Der Glockenspieler bedient mit seinen Fäusten eine Tastatur, von der aus die Klöppel über Gelenke und Züge bewegt werden.

Eingerichtet wurden das große Geläut und das Glockenspiel in der heutigen Zusammenstellung im Jahre 1968. Es war vor allem der damalige Jacobi-Pastor Ernst Arfken, der sich der Glocken annahm. Auf ihn geht auch die Läuteordnung zurück, nach der das Geläut im Kirchenjahr auf verschiedene Weise erklingt. Von den fünf Glocken mit den Schlagtönen d, es, f, g und b wird in einer Kirchenjahreszeit jeweils eine Glocke fortgelassen. Nur an den hohen Festtagen – Weihnachten, Ostern und Pfingsten – erklingen alle fünf Glocken zugleich.

Den klingenden Tönen können auch liturgische Melodien oder Choräle zugeordnet werden: Darauf hat der Physiker und Kirchenmusiker Ernst Pusch­mann bei seiner Glockenführung in St. Jacobi am Sonnabend eigens hingewiesen. Zwei Beispiele: Die Töne es, f und g verweisen auf das Vaterunser oder das Kyrie, die Töne d, f und g ergeben den Anfang des Chorals „Herr Gott, wir loben dich“, also das Tedeum.

Die älteste Glocke im Geläut ist die mit dem Schlagton g’: Sie hat 1443 der Geschütz- und Glockengießer Henrick Hestirbom gegossen, damals als Büchsenmeister in Göttingen angestellt. Bis 1942 war sie nur für den Stundenschlag zuständig, wurde dann beschlagnahmt, ruhte auf dem Hamburger Glockenfriedhof, kehrte 1947 wieder nach Göttingen zurück und blieb bis 1968 stumm. Seitdem aber ist sie wieder aktiv – nun als Läuteglocke. Sie ist mit einem Durchmesser von 105 Zentimetern vergleichsweise klein. Ihre lateinische Inschrift besteht nur aus der Datierung und dem Hinweis auf den Gießer. Die übrigen vier 1968 gegossenen Läuteglocken mit den Schlagtönen d’, es’, f’ und b’ stammen von der Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn. Sie alle tragen Choraltexte als Inschriften.

Von Michael Schäfer

  • Den Podcast zu den Glocken von St. Jacobi finden Sie auf unserer Podcast-Seite.
  • St. Jacobi als Klingelton hier downloaden.

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