Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° bedeckt

Navigation:
Zum 850-jährigen Jubiläum eine dritte Glocke

Folge 8: Klosterkirche Nikolausberg Zum 850-jährigen Jubiläum eine dritte Glocke

In der heutigen Folge wird die Kirche auf dem Nikolausberg vorgestellt.

Voriger Artikel
Sie läutet erst, wenn St. Jacobi schweigt
Nächster Artikel
Zwei Glaubensrichtungen in einer Kirche vereint

Platz für sechs Glocken, sind es heute nur noch zwei: Glockenstube im Turm der Nikolausberger Klosterkirche.

Quelle: Hinzmann

Nikolausberg. Zur Stadt Göttingen im Leinetal gehört seit 1964 Nikolausberg, gern auch das Bergdorf genannt. Die exponierte Lage mag schon im Mittelalter ein Anreiz für fromme Christen gewesen sein, dort eine Wallfahrtsstätte mit Reliquien des heiligen Nikolaus zu errichten. Aus dem Jahre 1162 stammt ein Schutzbrief des Papstes Alexander III., in der erstmals ein Kloster an dieser Stelle erwähnt wird. Die um 1150/60 errichtete Klosterkirche ist eine der ältesten Kirchen der Region.

Früher war sie geradezu verschwenderisch mit Glocken ausgestattet. Bis zum 16. Jahrhundert soll dort ein Geläut von sechs Glocken vorhanden gewesen sein. Heute hängen im Turm nur noch zwei Bronzeglocken. Die größere mit dem Schlagton c” hat einen Durchmesser von 81 Zentimetern und wiegt 250 Kilogramm. Gegossen wurde sie 1858 von J. H. Bartels in Hildesheim unter Verwendung einer älteren Glocke. Sie trägt die Inschrift „Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango“, auf Deutsch „Die Lebenden rufe ich. Die Toten beweine ich. Die Blitze breche ich“ – eine uralte Glockeninschrift, die Schiller 1801 seinem „Lied von der Glocke“ vorangestellt hat.

Die kleinere mit dem Schlagton d” wurde 1993 in Karlsruhe gegossen und läutete Heiligabend 1993 zum ersten Mal. Sie trägt die Inschrift „Sit nomen domini benedictum ex hoc nunc et usque in saeculum“, „Der Name des Herrn sei gelobt von nun an bis in Ewigkeit“.

Die Geschichte der Vorgänger dieser kleineren Glocke ist ungewöhnlich bewegt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt die Nikolausberger Kirche vom Hamburger Glockenfriedhof eine kleine Glocke aus Schlesien. Dieses Instrument erwies sich aber als zu klein, es gab keinen harmonischen Zusammenklang. Umgekehrt hatte die Northeimer Corvinuskirche eine zu große Glocke zugewiesen bekommen.

So einigte man sich 1953 auf einen Tausch: Die Northeimer Glocke, angeblich ebenfalls aus den Ostgebieten, kam nach Nikolausberg. Doch stellte 1983 der hannoversche Glockensachverständige Karl-Friedrich Waack durch Tonvergleiche fest, dass diese 1769 von Joseph Arnold gegossene Glocke aus Franken stammte, genauer: aus Villersbronn bei Dinkelsbühl. Nach der geltenden Rechtslage war die Kirchengemeinde verpflichtet, die nun nicht mehr herrenlose Glocke zurückzugeben. Dies geschah – wenn auch erst zehn Jahre später.

Einen Wunsch hat Pastor Gerd Liebenehm für die Kirche: Wenn sie in zwei Jahren das 850-jährige Jubiläum ihrer ersten urkundlichen Erwähnung feiern kann, möchte er gern eine dritte Glocke im Geläut – dann wäre es wenigstens halb so groß wie vor 500 Jahren.
In der kommenden Woche: die Glocken der St.-Marien-Kirche in Bovenden.

Von Michael Schäfer

  • Den Podcast zur Klosterkirche Nikolausberg finden Sie auf unserer Podcast-Seite.
  • Klosterkirche Nikolausberg als Klingelton hier downloaden.

 


Voriger Artikel
Nächster Artikel
GT-Nightlounge im Amavi Wild Göttingen am 9.12.2017