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Göttinger Zeitreise Auf Tournee mit Michael Holm
Thema Specials Göttinger Zeitreise Auf Tournee mit Michael Holm
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17:03 04.01.2013
Einer der bekanntesten Schlagersänger Deutschlands: Michael Holm in den 70er Jahren. Quelle: EF
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Für die Beziehung zwischen Michael Holm und den Göttinger Musikern von „Love and Tears“ gilt sogar das Gegenteil. Man staunt, wie klar die Erinnerungen nach so vielen Jahren sind. Nach der gemeinsamen Zeit – Ende der 60er bis Mitte der 70er etwa – gefragt, sprudelt es aus dem heute 69 Jahre alten Schlagerstar Holm heraus, als wäre es gestern gewesen. „Wir haben eine tolle Zeit zusammen erlebt – und eine erfolgreiche noch dazu“, resümiert er.

Zur Zusammenarbeit mit den Göttinger Musikern sei es gekommen, erinnert sich Holm, nachdem seine Nummer-Eins-Single „Mendocino“ 1969 die deutschen Charts erobert hatte. Die deutschsprachige Adaption eines Stückes des Sir-Douglas-Quintets war die meistverkaufte Single des Jahres: Holm konnte sich vor Angeboten für Auftritte kaum retten.

Eigenständige Band mit eigenem Namen

Zugleich war ihm klar: „Ich wollte unbedingt mit Musikern auftreten und nicht Playback singen.“ Begleitmusik vom Band, das schien nichts zu sein für jemanden, der bereits als Kind mit Mozart und Vivaldi in Berührung gekommen war. „Wir haben Hausmusik gemacht“, wiegelt er ab, „nicht die schweren Sachen, sondern Hausmusik.“ Aus klassischer Musik wurde später Unterhaltungsmusik. Holm gründete seine erste Band als Jugendlicher.

Mit dem Auftrag, eine Begleitband für den Solokünstler Michael Holm zu suchen, schickte er Manager und Booker Dieter Belinda los, sich in der Musikerszene umzuhören. Belinda legte ihm eine junge Göttinger Band ans Herz. Holm traf sich mit den Musikern – und war begeistert. „Ich fand es einfach toll, was die Jungs drauf hatten“, schwärmt er.

Die Jungs, das waren Gerd Grabowski – später bekannt als G. G. Anderson –, Bernd Dietrich, Wolf-Ekkehard Stein, Wolfgang Jass und Gino Dominioni. Sie besetzten zu dieser Zeit die Band „The Blue Moons“ und waren in Göttingen und Umland längst keine Unbekannten mehr. Auch über die Region hinaus kannte man den Sound der Band, der so international klang, dass Holm überzeugt war: Mit dieser Band wollte er arbeiten. Und sie sollte weiterhin eine eigenständige Band mit einem eigenen Namen bleiben.

Eine Stimme wie Rod Stewart

An Holm lag es also nicht, dass aus den „Blue Moons“ schon bald „Love and Tears“ wurden. Diesen Bandnamen legte sich die Gruppe Anfang der 70er zu – womöglich, um die Beat-Ecke zu verlassen. Aus dieser hatte sich die Band bereits seit einiger Zeit verabschiedet, dem Namen hing der Beatgeruch jedoch noch an. Wie genau es zu der Umbenennung kam, kann Holm allerdings nicht mehr nachvollziehen: „Irgendwann hat sich ,Love and Tears‘ einfach durchgesetzt“.

Dass die Begleitband  aus einem anderen stilistischen Lager kam als der Schlagersänger selbst, störte Holm nicht. Musikalische Grenzen kannte er damals nicht und kennt sie heute nicht. Neben den bekannten Schlagern existieren von ihm ungewöhnliche Soundtracks, experimentelle Rocksongs und elektronische Musik im Stil des New Age der 80er Jahre. „Musik muss berühren“, begründet er. Ob nun Schlager oder Rock für Gänsehaut sorge, sei nebensächlich.

Bei „Love and Tears“ muss das Gefühl gestimmt haben. Holm beschloss, die Talente zu fördern. „Ich fühlte mich manchmal wie ein Mentor der Band“, sagt er. Jeder Musiker sei für sich genommen spannend gewesen; die Kombination aus allen erst recht. Daher habe er sie dazu angehalten, nicht nur für ihn zu spielen, sondern auch solistisch zu wirken und den eigenen Charakter herauszuarbeiten: „Ekkis Stimme, die klang wie Rod Stewart, bevor jemand Rod Stewart kannte“, schwärmt er. „Dazu Bernd, der sein Stimmvolumen einsetzte, wie es eigentlich erst in den 80er Jahren üblich war und dann Gino...“ – Das habe ihn den Erfolg wittern lassen.

Erfolgreich bis heute

Gemeinsam mit seiner Begleitband tourte Holm durch die Konzertsäle. Deutschlandweit, europaweit. An einige Stationen erinnere er sich heute noch, beispielsweise an einen Auftritt auf Sardinien, für den das gesamte Equipment eingeflogen werden musste – in den 70er Jahren ein enormer Aufwand für ein einziges Konzert.

Zumal es ein kleines Publikum war:  „Wir spielten für die Marineflieger der Bundeswehr, die dort stationiert waren. Das war unsere Art Danke für ihren Einsatz zu sagen: mit unseren Stimmen und Instrumenten.“ Für die Soldaten dürfte der Auftritt ebenfalls ein denkwürdiges Ereignis gewesen sein, denn schließlich hatten sie den Interpreten zahlreicher Schlagerhits zu Gast: „Mendocino“, „Barfuß im Regen“, „Leg‘ Dein Herz nicht in den Eisschrank“ und „Tränen lügen nicht“ zählen zu den erfolgreichsten Titeln der Zeit – zum Teil bis heute.

Konzerte, Touren und Fernsehauftritte folgten. Zudem moderierte Holm die WDR-Fernseh-Produktion „Show nach Wunsch“, eine Musiksendung, bei der auch die Love and Tears mitwirkten. Eine Sendung, die Holm und seinen Musikern vollen Körpereinsatz abverlangte:  Sie rasten steile Abhänge auf Schlitten herunter, quetschten sich singend und spielend in wackelige Gondeln und jagten samt Schlagzeug in einer Kutsche durch den Schnee. „Wir waren echte Kerle“, sagt Holm schmunzelnd.

Auch die Göttinger profitierten

Während dieser Sendung sei eine denkwürdige Aufnahme entstanden, „30 Sekunden, die ein Vermögen eingespielt haben“, sagt Holm: Ein Pool, an dem ein Mann im Smoking steht und einen Regenschirm hält. Darin: Holm, der in Badehose singt. „Barfuß im Regen“. „Was wir damals alles gemacht haben ...“, schwelgt er in Erinnerungen. Mit Erfolg: Die Zuschauerzahlen steigen während der Ausstrahlungszeit von fünf auf 60 Prozent hessenweit. „Show nach Wunsch“ wird zum Vorbild bundesweiter Erfolgssendungen wie „Bananas“.

Von Holms Erfolg und seiner Bekanntheit sollten auch die Göttinger profitieren. Holm machte sie mit Giorgio Moroder bekannt, dem Erfolgsproduzenten, mit dem Holm unter anderem für sein Projekt „Spinach“ zusammenarbeitete. Moroder schrieb für „Love and Tears“ den Titel „Action Man“, Holm produzierte ihr erstes Album.

Es wurde in Deutschland ein Erfolg. Im Ausland allerdings blieben die Reaktionen verhalten: „Ich verstehe bis heute nicht, warum die Platte in England und den USA nicht einschlug“, sagt Holm. „Beispielsweise ,Needles and Pins’ ist eine phantastische Produktion.“

In Göttingen seien Holm und Band nicht oft gewesen. „Wir haben hier geprobt und ein- oder zweimal gespielt“, kramt er in seinem Gedächtnis, „ich glaube, in der Stadthalle.“ Mehr nicht. Und das, obwohl der Bayer Holm familiär mit Göttingen verbandelt ist. „Zu besonderen Anlässen bin ich schon noch dort.“ Dann sei es möglich, den Schlagerstar in der Fußgängerzone zu treffen – und vielleicht ein Schwätzchen zu halten über die 70er Jahre mit den Göttinger Musikern. Die Erinnerung daran ist ihm schließlich noch frisch.

Für die Göttinger Zeitreise werden historische Filme und Fotos gesucht.

Infos unter goettinger-zeitreise.de oder auf Facebook.

Unterwegs mit Michael Holm: Love and Tears. EF

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