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Begräbnis und Wiedererweckung

Marktgeschehen Begräbnis und Wiedererweckung

Das Göttinger Marktgeschehen ist älter als die Stadt selbst. Um den Albaniplatz herum lag das Dorf Gutingi. Entlang der Langen Geismarstraße und Groner Straße ging es zur Leinefurt bei der Pfalz Grona. In deren Schutz entstanden erste Märkte. Die nach und nach aufgebaute Stadt dehnte sich zunächst entlang der Fahrstrecke aus. Das übrige spätere Stadtgebiet war noch ein Sumpf, der später trocken gelegt wurde.

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Weender Straße mit Blick auf den Kornmarkt: Marktstände bauten die Händler teils vor den eigenen Häusern auf.

Quelle: Göttinger Tageblatt

Damit begannen die Bewohner in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Marktes. Die Schuhmachergilde bekam einen Schuhhof, das Paulinerkloster entstand. 1325 wurde ein Haus für die Bäckergilde errichtet. Vor dem Johannisfriedhof lag ein großer Platz. Dort unter anderem spielte sich rund sieben Jahrhunderte lang das Göttinger Markttreiben ab.

Als 1369 das Rathaus gebaut wurde, wurde der Raum für Vieh-, Fisch-, Getreide und Gemüsehändler knapp. 1376 erhielt die Stadt eine Marktordnung, die Standgebühren für einheimische und durchreisende Kaufleute und Bauern festlegte. Einheimische Händler durften Stände vor dem eigenen Haus aufschlagen. Knapp vier Jahrhunderte lang wurden Lebensmittel und Vieh nebeneinander verkauft. Erst 1734 wurde per Marktordnung verfügt, dass der Schweinemarkt in den Bereich Stumpfebiel, der Ziegenmarkt zum Albaniplatz verlegt werden sollte. Die Fleischhändler mussten wegen der Geruchsbelästigung in neue Stände einziehen, die am Fuß der Johanniskirche gebaut wurden. Das sonstige Markttreiben prägten unter anderem die sogenannten Hökerweiber: Marktfrauen, die in den Nächten vor dem Wochenmarkt mit Kiepen auf dem Rücken aus umliegenden Dörfern, aus dem Bramwald oder Solling zu Fuß bis nach Göttingen wanderten, um Waren aus ihrem Heimatort an den Käufer zu bringen. 1856 beschränkte eine neue Marktordnung den Verkauf auf die Groner Straße, Zindel-, Pauliner-, Johannis- und Weender Straße sowie den Kornmarkt und den Platz vor und hinter dem Alten Rathaus. Mit zunehmendem Autoverkehr wurde während des Zweiten Weltkrieges die Groner Straße für Marktstände gesperrt.

Seit 1950 diskutierten die Stadtväter über eine generelle Verlegung des Wochenmarktes weg vom Hauptgeschäftszentrum. Im Januar 1961 beanspruchte laut Berichterstattung im Göttinger Tageblatt die Universität den Platz vor der Paulinerkirche und kündigte bald darauf den Pachtvertrag. Der Rat fasste den Beschluss, die Wochenmärkte bis zu einer endgültigen Lösung vorübergehend auf dem 82er Platz (heute Hiroshimaplatz) unterzubringen. Ein Aufschrei ging durch die Händlerschaft und die Bevölkerung. Marktbeschicker und Hausfrauen protestierten und trugen den Göttinger Markt in einer Demonstration symbolisch zu Grabe. „Umwege, Zeitverschwendung, schlechte Platzverhältnisse“ fürchteten die Gegner der Verlegung. 2500 Unterschriften wurden gegen den Plan gesammelt.

Durchgesetzt wurde er dennoch. Am 31. Januar fand der erste Markttag auf dem 82er Platz statt. Mit nicht einmal so schlechtem Ergebnis. „Der erste Markttag auf dem neuen Platz – doch besser als zunächst vermutet“ titelte tags darauf das Göttinger Tageblatt. Bis 1967 blieb der Markt jenseits des Walls. Erst als mit der Umgestaltung des Geismartors begonnen wurde, kam er wieder zurück. Seit der Zeit ist er auf seinem heutigen Standort an der Hospitalstraße.

Für die Zeitreise, eine Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes und der Stadt Göttingen, werden Filmaufnahmen und Fotografien aus den 1960er Jahren gesucht. Informationen im Internet unter www.goettinger-zeitreise.de oder unter der Telefonnummer 05 51 / 90 17 66.

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