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Göttinger Zeitreise Plötzlich im 20. Jahrhundert: Göttingen und sein Bahnhof
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12:51 16.09.2018
31. Juli 1854: Zur Erinnerung an den Festzug bei der Eröffnung der Eisenbahn in Göttingen entstand diese Zeichnung und Lithographie von Fritz Schneider. Quelle: Stadtarchiv Göttingen
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Göttingen

Teil 1:  Von der Eröffnung 1854 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts

Im Königreich Hannover gab es bereits 1834 erste Pläne zum Bau von Eisenbahnen. Es gab große Skepsis, doch 1842 bis 1844 wurde bereits die erste Verbindung von Hannover nach Braunschweig über Lehrte und Peine angelegt. Es folgten Strecken nach Celle und Hildesheim. Den Süden des Landes hatte man zunächst nicht mit eingeplant. Als einer der wichtigsten Befürworter für Südniedersachsen erwies sich der Göttinger Stadtsyndikus Ferdinand Oesterley (1802-1858). Er führte die Verhandlungen des Magistrats mit der Regierung in Hannover und musste sich viel Kritik wegen der befürchteten Kosten anhören.

Einstimmiger Beschluss

Oesterley setzte sich durch. Der Magistrat beschloss am 13. März 1851 einstimmig, in Hannover die Anlage eines Bahnhofes an der Masch, also westlich der Stadt, zu beantragen. 1852 begannen die Planungen, schließlich der Bau des Bahnhofsgebäudes, dessen Ursprünge bis heute weitgehend zu erkennen sind.

Es ist ein Beispiel des „Hannoverschen Rundbogenstils“, Vorbild war der zehn Jahre zuvor errichtete Hannover-Bahnhof. Im mittleren Bereich hatte man den Billet-Verkauf und die Gepäckaufnahme untergebracht, seitlich große Warteräume eingerichtet. Und im südlichen Pavillon fand bis 1874 die Post ihre Unterkunft.

Bilder vom Bahnhof in Göttingen - Der Göttinger Bahnhof ist in Berlin als „Bahnhof des Jahres 2013“ ausgezeichnet worden.

Eröffnung am 31. Juli 1854

Die Eröffnung der Strecke und des Göttinger Bahnhofes am 31. Juli 1854 war denn auch ein großer Tag für die Stadt Göttingen. Um 10.30 Uhr fuhr der Zug aus Alfeld kommend ein. Gefahren wurde er, das ist überliefert, von dem aus Westerode bei Duderstadt stammenden Lokomotivführer H. Wilcke.

Am Bahnsteig wurde er feierlich von Göttingens Generalsuperintendenten Friedrich Rettich empfangen. Die Ehrengäste erwartete Jubel und Blechmusik auf dem reich geschmückten Bahnhofs-Vorplatz, wo große Zelte errichtet waren. Ein Festzug durch die Straßen der Stadt. Dann wurde um 14.30 Uhr vor dem Bahnhof ein Festmahl serviert, das den Ausklang der Feier bildete.

An die Schwelle des 20. Jahhrunderts katapultiert

Göttingen wurde damit an die Schwelle des 20. Jahrhunderts katapultiert, wie es Stadtarchivar Ernst Böhme beschreibt. Die seit Jahrzehnten bei etwa 10 000   verharrende Einwohnerzahl verdoppelte sich binnen 30 Jahren. Durch den Bahnhof änderte sich auch die Ausrichtung der Stadt. War der Verkehr bis dahin auf der Nord-Süd-Achse durch die Stadt gerollt, so gab es jetzt auch die ost-westliche-Allee, an deren Ende nicht zufällig der Gastwirt Carl Gebhard 1862 ein stattliches Hotel errichtete - bis heute als Hotel Gebhards bekannt.

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke nach Eichenberg 1867 und dann bis Bebra 1875 steigerten sich die Anforderungen an die Funktionalität des Bahnhofes. So wurde 1876 ein Betriebswerk nördlich des Personenbahnhofes neu errichtet, der Güterbahnhof nach Norden verlegt. Ein neuer Lokschuppen sowie ein Wasserturm für die Versorgung der Lokomotiven entstand.

Zeitreise zum Beginn des Fernreisens: Vor 159 Jahren wurde in der Stadt Göttingen ein Bahnhof gebaut, 19 Jahre nach der Premierenfahrt einer deutschen Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth.

Zunächst war nur ein Bahnsteig vorgesehen

Im Zuge dieser Arbeiten legte man die Gleisanlagen im nördlichen Bereich höher und ersetzte den Bahnübergang am Maschmühlenweg durch eine Unterführung. Zunächst war nur ein Bahnsteig vorgesehen. Bereits 1887 wurde beträchtlich erweitert, ein zweiter Bahnsteig angelegt, für diesen ein Tunnel unter den Gleisen geschaffen. Auch das Empfangsgebäude selbst wurde verändert und vergrößert. Nun öffnete es sich zu ebener Erde zum Bahnhofsvorplatz hin.

Beliebtes Verkehrsmittel für Ausflüge

1897 nahm die Göttinger Kleinbahn AG ihren Betrieb auf und erhielt ihren Endbahnhof südlich des Bahnhofsvorplatzes. Von hier aus wurde das Eichsfeld erschlossen, und die Gartetalbahn, wie sie von den Göttingern genannt wurde, spielte zeitweise eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft der Region. Vor allem aber war sie ein beliebtes Verkehrsmittel für Ausflüge.

Nächste Folge: 1900 bis zur Zerstörung 1945.

Quelle: Jens-Uwe Brinckmanns Buch über den Göttinger Bahnhof: „Auf Schienen durch die Zeit“, editionpeperkorn 2001 (vergriffen).

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