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Göttinger Zeitreise Kiste Bier vom 05-Vorstand für Meisterschaft
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06:17 23.04.2012
Demonstration der Stärke: Nach der Ehrung für den zweiten DM-Titel flanieren die 05-Basketballerinnen auf der Weender Straße. Quelle: Otto
Göttingen

Sie holten zwischen 1968 und 1974 fünf Deutsche Meistertitel (von 1970 bis 72 drei in Folge) und gewannen 1973 den erstmals ausgespielten DBB-Pokal (64:52 in Hagen gegen den TV Grafenburg). Das bis heute erfolgreichste Sportteam Südniedersachsens löste in der Stadt einen wahren Basketball-Boom aus. Bei den Bundesliga- und Europacup-Heimspielen der 05er platzte die 1000 Zuschauer fassende Wörthhalle aus allen Nähten. Der Göttinger Fotograf Karlheinz Otto hat in seinem Archiv einiges gefunden, was die große Zeit des Damenbasketballs in der Universitätsstadt zu dokumentiert.

„Das Geheimnis unseres Erfolges war der große Zusammenhalt im Team, dessen Stamm über viele Jahre hinweg zusammengeblieben ist“, berichtet Maria Hampe, die damals Pieper hieß und zehn Jahre lang als Erfolgsgarantin und Seele der Mannschaft galt. 1945 in Berlin als Tochter einer Serbin und eines Deutschen geboren, lebte sie als Maria Diener bis zu ihrem 19. Lebensjahr in Belgrad, wurde mit Roter Stern jugoslawischer Meister und war als Spielmacherin Leistungsträgerin des Nationalteams. Kurz nach dem Abitur zog sie 1964 zu ihrer Schwester nach Göttingen und schloss sich dem 1. SC 05 an, der seit 1960 zur Spitze des deutschen Damenbasketballs gehörte, 1960, 63 und 67 aber jeweils im DM-Finale scheiterte.

Deutsche Meisterschaft 1968

Um so ausgelassener feierte die ganze Stadt die erste Deutsche Meisterschaft 1968 nach dem überraschenden Finalsieg gegen den Titelverteidiger und hohen Favoriten TV Groß Gerau: mit einem Autokorso und einem Empfang auf dem Markplatz, wo das Team von Tausenden Anhängern bejubelt wurde. Nach ihrer Meisterpremiere starteten die Schwarz-Gelben erst richtig durch. 1969 gelang es ihnen, mit der Tschechin Marta Melicharova eine der weltbesten Spielerinnen nach Göttingen zu holen.  Sie gab dem von Klaus Rümenapp trainierten Team um Ina Bartels, Gisela Engelhardt, Sabine Feuerle, Marianne Ihde, Gabriele Jörns, Beate Leichert, Bärbel Metge, Insa Möhle, Maria Pieper, Christel Schirmer, Elke Siller und Heike Spaeder erst den richtigen Kick. Zwar feierte der 1. SC 05 im Eurocup in vier Anläufen nur einen Sieg (1972 mit 62:49 gegen KFUM Stockholm), während sich Mannschaften wie Sparta Prag, VTSK Budapest oder Hellas Gent als zu stark erwiesen. Doch auf nationaler Ebene konnte dem Team kaum ein Gegner das Wasser reichen.

Doch die erfolgverwöhnten 05-Damen mussten feststellen, dass auch das Sammeln von Deutschen Meistertiteln zur Routine werden kann. Statt Autokorso und Oberbürgermeister-Empfang wie bei den ersten beiden Titeln gab es bei der fünften Deutschen Meisterschaft 1974 nur noch eine Minimal-Gratifikation der Vereinsführung. „Der 05-Vorstand hat eine Kiste Bier spendiert. Ich glaube auch noch eine Mokkatasse für jede – das war’s“, erzählt Maria Hampe. „Geld hat eh niemand von uns bekommen, ganz anders als die Fußballer“, unterstreicht sie.

Rivale ATV Düsseldorf

Kurz darauf fand die Erfolgsgeschichte des 05-Basketballs ein jähes Ende. Um mehr Geld in die Fußballer stecken zu können, die in die zweite Bundesliga strebten, setzte der 05-Vorstand die Basketballerinnen vor die Tür. Die meisten von ihnen schlossen sich der neu gegründeten BG 74 an, einige hörten ganz auf – wie Maria Hampe. „Ich habe seitdem nie wieder Basketball gespielt und mir auch nie mehr ein Spiel live in Göttingen angeschaut“, erzählt sie. Was bleibt sind die Erinnerungen an eine grandiose Zeit, die ihr Mann Werner Hampe in etlichen Aktenordnern akribisch dokumentiert hat. Ihr schönster Sieg, sagt sie, war das Meisterschaftsfinale 1971 gegen den großen Rivalen ATV Düsseldorf: „Ich habe mir früh im Spiel die linke Hand gebrochen, habe aber trotzdem weitergespielt, und wir haben unseren dritten Titel gewonnen.“

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