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Komparse in Kino-Klassikern

Filme von der Leine Komparse in Kino-Klassikern

Nicht nur wegen seiner Universität war Göttingen in den 50er Jahren bundesweit bekannt: Viele Filme, die damals in den Kinos Furore machten, wurden damals in der Leinstadt gedreht. Die meisten von ihnen waren Unterhaltungsfilme der eher seichteren Art, aber auch einige Klassiker des deutschen Nachkriegsfilms entstanden in Göttingen.

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In „Nacht fiel über Gotenhafen“: Dieter Neckritz (l.) in Aktion.

Quelle: EF

Bei den wichtigsten der Klassiker als Komparse oder in kleinen Nebenrollen dabei: Dieter Neckritz. 1956 als Student nach Göttingen gekommen, fand er mit seiner Bühnenleidenschaft schnell den Weg zu den Studios im Westen der Stadt, wo die Filmer der Göttinger Filmaufbau auf dem Gelände des alten Flughafens ideale, weil auch kostengünstige Bedingungen vorgefunden hatten.

Dass er sich auf der Bühne und vor der Kamera zu bewegen wusste, fiel schnell auf. Daher, erinnert sich Neckritz heute, „hatte ich einen gewissen Vortritt beim Komparsenbüro“ – auch für Rollen in drei anspruchsvollen Klassikern: So spielte er in „Hunde, wollt ihr ewig Leben?“, einem kritischen Kriegsfilm über die Stalingrad-Kämpfe, mit. In „Fabrik der Offiziere“ über eine Offiziersschule im Zweiten Weltkrieg mimte Neckritz einen Gestapo-Mann, und auch in „Nacht fiel über Gotenhafen“, einem Film über den Untergang des Flüchtlingsschiffes „Wilhelm Gustloff“, spielte er mit. Und in „Rosen für den Staatsanwalt“ über einen NS-Juristen, der im Nachkriegsdeutschland seine Karriere unbehelligt fortsetzen kann, gab Neckritz einen Reporter, der mit einer Gruppe anderer Journalisten dem Staatsanwalt nach Aufdeckung von dessen Vergangenheit ein Interview abtrotzen will.

Nicht nur wegen seiner Universität war Göttingen in den 50er Jahren bundesweit bekannt: Viele Filme, die damals in den Kinos Furore machten, wurden damals in der Leinstadt gedreht. Zum Artikel.

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Eine merkwürdige Anekdote schildert Neckritz besonders gerne. Damals habe es in der Kantine zwei Räume gegeben. Bei den Dreharbeiten zu den Kriegsfilmen seien die „Offiziere“ und die „Gefreiten“ jeweils gern unter sich geblieben. Die militärische Rangfolge setzte sich in der Filmwelt fort: die Offiziere saßen in einem Raum, die niederen Ränge in dem anderen. Neckritz: „Die Sortierung war eindeutig.“

Bekannt war auch, dass die Filmbudgets selten üppig ausfielen. Für „Nacht fiel über Gotenhafen“ wurde eine Ausnahme gemacht und eine große Plattform mit darunter angebrachten, unterschiedlich großen Rädern angefertigt, um mit dem Drehen der Plattform das Schlingern des untergehenden Schiffes zu simulieren. Kosten: um die 30 000 Mark, damals eine riesige Summe.

Das aber sei herausgeworfenes Geld gewesen, sagt Neckritz. Die Dreharbeiten nämlich fanden in der alten Turnhalle der heutigen Geschwister-Scholl-Gesamtschule statt – und der Hallenboden geriet leicht ins Schwanken, was sich auf die Kamera übertrug. Resultat: stark verwackelte Bilder. Schließlich, sagt Neckritz, habe man die Plattform Plattform sein lassen und statt der Gesamtszenerie einfach nur die Kamera geschwenkt.

Auch die leichtere Göttinger Filmkost griff auf Neckritz zurück. So ist er unter anderem in dem fabulösen Heinz-Erhardt-Streifen „Natürlich die Autofahrer“ und in „Mein Mädchen war ein Postillion“ (auch: Das Posthaus im Schwarzwald) mit den damals sehr populären Kessler-Zwillingen zu sehen.

Am Ende seines Studiums entschloss sich Neckritz jedoch gegen eine Karriere als Schauspieler: „Vielleicht war ich einfach zu bürgerlich“. In die Nähe der alten Wirkungsstätte zog es ihn dann doch: Der heute 75-jährige Pädagoge wurde Chef der Geschwister-Scholl-Gesamtschule.

Nach wie vor suchen Tageblatt und Stadtarchiv alte Filme und Fotos. Infos: Telefon 05 51 / 9 0 17 66 oder www.goettinger-zeitreise.de.

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Das Gesicht der Stadt Göttingen veränderte sich im 20. Jahrhundert von der beschaulichen Fachwerkstatt zum südniedersächsischen Oberzentrum. Deutlich zeigen das die Fotografien und Filme, die Tageblatt-Leser, Institutionen und Geschäftsleute für die Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes, Stadtarchivs und Städtischen Museums zur Verfügung gestellt haben.

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