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Göttinger Zeitreise Nahrungsknappheit während des Ersten Weltkriegs
Thema Specials Göttinger Zeitreise Nahrungsknappheit während des Ersten Weltkriegs
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00:17 18.02.2013
Städtische Speisehalle an der Geiststraße: An kalten Nachmittagen konnten sich die Bürger hier aufwärmen. Quelle: Städtisches Museum
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Göttingen

Der Regierungspräsident ruft Oberbürgermeister Georg Calsow aus dem Urlaub zurück.

Für die Göttinger, mehr als 30 000 Menschen, begann eine schwere Zeit. „England erklärt Deutschland den Krieg. Das Weltdrama beginnt sich vorzubereiten“ titelte am 6. August das Göttinger Tageblatt. In der gleichen Ausgabe bittet der Verlag um Verständnis für künftiges unregelmäßiges Erscheinen, verursacht „durch das Aufhören der regelmäßigen Post und Eisenbahnverbindung … sowie durch die Einberufung von 12 Mann unseres Betriebes zu den Fahnen“. Die Männer fehlten in vielen Unternehmen, in der Landwirtschaft, den Schulen und Behörden. Weibliche Dienstboten für die Erntearbeit wurden gesucht, Mädchen und Frauen für die Betreuung durchreisender Soldaten auf dem Bahnhof und „Liebesgaben“ der Bevölkerung für die künftigen Frontkämpfer.

Die Stadt Göttingen stellte sich auf die Kriegsjahre ein. Laut städtischer Chronik gab es einen Wachdienst der Bürgerschaft zur Besetzung öffentlicher Einrichtungen, unter anderem der Licht- und Wasserversorgung. Lebensmittelpreise wurden festgesetzt um Preissteigerungen über Gebühr zu verhindern, 15 Morgen Land auf dem Maschwiesengelände für den städtischen Gemüsebau hergerichtet. 1915 sind einige Nahrungsmittel bereits rationiert. Weißbrot etwa darf nur für Kranke gebacken werden. Die Stadt verkaufte ihre selbst kultivierten Kartoffeln von Juli 1915 an für „60 Pfennig für die Metze“. Auf dem städtischen Schlachthof begann der Verkauf von „Dauerfleischwaren, Schmalz und Speck“.

Ende Mai 1916 geschah ein Weiteres, um die Versorgung der Bevölkerung zu unterstützen. Ein erster städtischer „Speisewagen“ fuhr durch die Straßen, ausgestattet mit zwei Kochkisten zu je 230 Litern Eintopf. Zwei weitere sollten folgen. In der Turnhalle der Zentralschule am Ritterplan wurde die „städtische Speiseanstalt“ eröffnet, in der Mahlzeiten ausgegeben wurden. Eine Portion Bohnen und Kartoffeln mit Fleischwürfeln kostete 25 Pfennig. Bis zu 1000 Hungrige fanden sich dort täglich ein. Eine zweite Halle der Volksküche wurde im Hof St. Spiritus an der Geiststraße in Betrieb genommen. Beide Einrichtungen hatten während der Wintermonate eine zweite Funktion: als Wärmehallen für die Bürger. Geschlossen wurde der Saal am Ritterplan 1920. In der Geiststraße gab es eine Nachnutzung: Dort wurden fortan Studenten beköstigt.

Ausgabe von „Dauerfleischwaren, Schmalz und Speck“: lange Schlangen am Schlachthof.

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