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Göttinger Zeitreise Pläne für Universitätsneubauten 1967 komplett verbrannt
Thema Specials Göttinger Zeitreise Pläne für Universitätsneubauten 1967 komplett verbrannt
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20:13 01.09.2011
Bei den Planungen für Theologicum (vorne) und Oeconomicum: Architekten Matthies, Bamberg und Bode (von links). Quelle: EF

Der 80-Jährige erinnert sich, dass der Ausbau im Jahr 1967 beinahe unterbrochen werden musste: „Einer der Architekten war beim Kochen unvorsichtig, so dass das Neubauamt fast vollständig abgebrannt ist. Damit sind sämtliche Originalpläne verloren gegangen.“ Nur durch die vorherige Auslagerung von Kopien konnte der Bau zügig fortgeführt werden. „Als erstes hatten wir das Juridicum fertiggestellt. Das war im Jahr 1960“, erzählt Matthies. Im ursprünglichen Bebauungsplan von 1957 stellte das zweigeschossige Gebäude den Abschluss des Zentralcampus im Nordosten dar. Es folgten das Theologicum und das Oeconomicum im Jahr 1964.

Insgesamt gab es bei der Planung und Umsetzung der Neubauten vor allem drei Probleme. „Zum einen bekamen wir regelmäßig neue Hochrechnungen zu Studentenzahlen und der benötigten Nutzungsfläche“, erzählt Matthies. Die Schätzungen des Deutschen Wissenschaftsrats vom Ende der 50er Jahre erwiesen sich als zu gering. Lag die Anzahl aller Studenten nach dem Zweiten Weltkrieg noch bei etwa 5000, stieg diese bis 1965 auf über 9000 an. „So schnell wie die Studentenzahlen anstiegen, konnten wir kaum planen, geschweige denn bauen“, erinnert sich der Architekt. Zum anderen war eine Gesamtplanung aus einer Hand für den weiteren Bauverlauf nötig. „Die Standorte für die neuen Fakultäten mussten so ausgewählt werden, dass auch für die Zukunft genug Platz für mögliche Erweiterungen blieb“, so Matthies. Doch die zur Verfügung stehenden Flächen in der Innenstadt waren bereits nahezu ausgeschöpft und weitere Zukäufe konnte die Universität sich kaum leisten.

„Damit ergab sich schnell ein drittes und allseits bekanntes Problem: die Finanzierung“, erzählt Matthies. Da zur gleichen Zeit auch die Universitäten in Oldenburg und Osnabrück umgestaltet wurden, hatte das Land Niedersachsen nicht die finanziellen Möglichkeiten, die Georgia Augusta in kurzer Zeit so stark auszubauen wie von den Architekten geplant. Das Amt hatte für den Ausbau aller Fakultäten ein Bauvolumen von etwa zwei Milliarden Mark errechnet. Matthies erinnert sich: „Das war für damalige Verhältnisse ein fast unmöglich zu stemmender Betrag.“ Daher suchte das Land Niedersachsen nach einem Investor, um den Ausbau dennoch sicherzustellen.

1967 stieg die Unternehmensgruppe „Neue Heimat“ in das Projekt ein und das Neubauamt I wurde aufgelöst. Noch im gleichen Jahr wurde das Socio-Oeconomicum fertiggestellt. Von 1968 bis 1972 entstanden dann die Zentralmensa mit rund 1500 Plätzen, das Zentrale Hörsaalgebäude (ZHG) mit 16 Hörsälen für insgesamt 4100 Studenten, diverse kleinere Gebäude für weitere Fakultäten und mehrere Studentenhäuser.

Von Marina Engler

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