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Rote Rosen, große Stars und kleine Bambis

Zeitreise: Filmstadt Göttingen Rote Rosen, große Stars und kleine Bambis

München und Berlin sind große deutsche Filmstädte. Vor fast 50 Jahren endeten die anderthalb Jahrzehnte, in denen auch die kleine Stadt Göttingen diesen Titel für sich beanspruchen konnte.

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Bei der Bambi-Preisverleihung 1950: Ernst Bohlius (v.l.), Rudolf Jugert, Hans Abich und Rolf Thiele.

Quelle: Städtisches Museum

Die Zeitreise führt in die Welt der 1950er Jahre – als Schauspieler wie O. W. Fischer, Horst Buchholz und Ruth Leuwerik in der Unistadt unterwegs waren.

Die Geschichte begann mit einem Drehbuch, das der Berliner Student Rolf Thiele der Ufa anbieten wollte, es aber nicht wagte. 1945 tat er sich mit dem in München lebenden Juristen Hans Abich zusammen, um sich im Filmgeschäft selbstständig zu machen. Beide beschlossen, dem Gerücht zu glauben, dass in der britisch besetzten Zone „alles viel leichter sei“. Göttingen hatte zudem den großen Vorteil, dass eine Tante Abichs dort ein Haus besaß – und sich tatsächlich als gastfreundlich erwies. In der Wöhlerstraße wurde die Filmaufbau gegründet und zog 1947 um auf das Gelände des alten Militärflugplatzes am Elliehäuser Weg. Zum Duo Abich und Thiele stießen in Göttingen noch Fritz Wiedbrauck und Walter Haag, und die Filmproduktion konnte beginnen.

„Liebe 47“, nach dem Stück „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert, hieß der erste von mehr als 100 Spielfilmen der Filmaufbau-Gesellschaft Göttingen. Die Hauptrollen spielten Hilde Krahl und Karl John. Die Drehorte von damals sind noch heute im Göttinger Stadtbild zu finden: Die Ortskommandantur Charkow aus „Hunde wollt ihr ewig leben“ war die Aula am Wilhelmsplatz. Der Blumenstand aus „Der müde Theodor“ (1957) wurde vom Markt vor dem Rathaus eigens an die Goetheallee verlegt. Das Wohnhaus von Hermann Löns wurde für „Rot ist die Liebe“ (1957) ein Gebäude am Walkemühlenweg.

Stars reisten an: Allein auf der Darsteller-Liste von „Es kommt ein Tag“ (1950, mit einem Bambi-Filmpreis ausgezeichnet) tauchen Dieter Borsche, Maria Schell, Lil Dagover und Gustav Knuth auf. Filme wie „Frauenarzt Dr. Prätorius“ (1950), „Die spanische Fliege“ (1955), „Witwer mit fünf Töchtern (1957) und die „Buddenbrooks“ (1959) wurden hier gedreht. An vielen Produktionen waren Göttinger als Komparsen und Dienstleister beteiligt: eine Blumenfrau bediente Peter Weck, ein Student spielte einen Soldaten und die Göttinger Feuerwehr stellte Material und Personal für den Dreh eines Schiffsunterganges zur Verfügung.

Für die Geschichtswerkstatt „Göttinger Zeitreise“ des Tageblattes, des Stadtarchivs und Städtischen Museums Göttingen werden noch Filmaufnahmen aus den 50er Jahren und folgenden Jahrzehnten gesucht. Infos unter Telefon 05 51 / 90 17 66, per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.

Von Katharina Klocke

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Kaum ein Aspekt des Zeitreise-Projekts von Tageblatt, Stadtarchiv und Städtischem Museum hat derart viel Rückmeldung an die Redaktion ausgelöst wie das Thema Filmstadt Göttingen.

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