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Vor 74 Jahren in Flammen aufgegangen

Synagoge Vor 74 Jahren in Flammen aufgegangen

In der vergangenen Nacht wurde als Vergeltung für den jüdischen Mord in Paris die Synagoge, Untere Masch 13, bis auf die Grundmauern niedergebrannt.“ Diesen einzigen Satz widmete vor 74 Jahren ein Göttinger Stadtchronist der Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 während der nationalsozialistischen November-Pogrome.

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Vom 9. auf den 10. November 1938 von den Nazis angezündet und ausgebrannt: die Göttinger Synagoge.

Quelle: Städtisches Museum

Göttingen. Zeitreise in die 70er-Jahre: Dreieinhalb Jahrzehnte dauerte es, bis am alten Standort der Synagoge ein Mahnmal zum Gedenken der Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitbürger errichtet wurde.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Göttinger jüdische Gemeinde so groß geworden, dass sie sich von der alten Synagoge an der Prinzenstraße verabschieden und einen Neubau an der Oberen Maschstraße in die Tat errichten wollte (Matthias Manthey/Cordula Tollmien, Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt, Bd. 3). Zwischen 1869 und 1874 entstand das Bauwerk ohne öffentliche Zuschüsse aus eigener finanzieller Kraft. Nach einer Erweiterung 1890 bot die Synagoge Platz für 450 Gemeindemitglieder. Die Juden in Göttingen, darunter viele Geschäftsleute, waren fest in die Göttinger Bevölkerung assimiliert: Viele von ihnen trugen deutsche Vornamen. Die Kinder gingen in normale Göttinger Schulen. Viele Männer meldeten sich bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum freiwilligen Kriegseinsatz.

Vor 74 Jahren ging die Synagoge in Göttingen in Flammen auf. 1973 wurde das Mahnmal eingeweiht, das noch heute am Platz der Synagoge steht.

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1933 lebten rund 500 jüdischen Bürger in der Stadt. Schon seit Beginn der 30er Jahre, vor Beginn des nationalsozialistischen Terrors, waren sie jedoch antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Viele Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaft emigrierten, rund 200 bis Ende des Jahres 1938. Am 9. November, zwei Tage nach den Schüssen eines polnischen Juden auf den in Paris lebenden Botschaftssekretär Ernst Eduard von Rath, zogen SA- und SS-Angehörige auch in Göttingen brandschatzend und prügelnd durch die Straßen. „Die Göttinger gedachten in einer nächtlichen Feierstunde der Blutzeugen der nationalsozialistischen Bewegung, die vor 15 Jahren in München starben“, schrieb der Stadtarchivar damals in die städtische Chronik und hielt am 10. November fest, dass die Synagoge „in der vergangenen Nacht“ in Flammen aufgegangen sei.

An das imposante Bauwerk erinnert sich der wenige Tage vor der Brandstiftung ausgewanderte Göttinger Rabbiner Hermann Ostfeld, dessen Aufzeichnungen seit 2007 im Stadtarchiv aufbewahrt werden, so: „Die Göttinger Synagoge, die in der Kristallnacht im November 1938 völlig zerstört wurde, war eine schöne Synagoge gewesen, mit Holz ausgetäfelt und mit vielen Schnitzereien geschmückt…Ich erlebte Stunden tiefer Ergriffenheit, wenn ich die Menschen meiner Gemeinde vor mir sah, die spürten, daß der Boden, auf dem sie lebten, unter ihren Füßen zitterte und immer mehr zu versinken drohte.“

Was auch geschah: Göttinger Juden wurden entrechtet, aus den öffentlichen Einrichtungen, dem Arbeits- und Geschäftsleben gedrängt und schließlich um ihren Besitz gebracht. Bis 1942 versuchten weitere jüdische Göttinger, durch Flucht ihr Leben zu retten. Viele starben in Konzentrationslagern. Wer zurückblieb, wurde deportiert und getötet. Im Februar 1945 war nicht nur die Synagoge, sondern die gesamte jüdische Bevölkerung aus Göttingen verschwunden.

Mahnmal errichtet

Der erste Anstoß, am ehemaligen Standort der Synagoge ein Mahnmal zu errichten, kam bereits 1947 von Zwi Horowitz, Vorsitzender der Jüdisch Historischen Kommission. Das Vorhaben scheiterte. Der als Eiferer geltende Horowitz fand kein Gehör. Er wanderte 1949 mit seiner Familie nach Israel aus.

1970 regte die SPD-Ratsfrau  Hannah Vogt, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit, erneut den Bau eines Mahnmals an. Im Mai 1970 habe der Rat das Vorhaben beschlossen, berichtete der damalige Göttinger Oberbürgemeister Artur Levi, am 9. November 1973 während seiner Rede zur Einweihung des von dem jüdischen Künstler Corrado Cagli aus Rom entworfenen Denkmals. Levi, seit 1956 Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat und seit Anfang der 60er-Jahre Mitglied der Göttinger jüdischen Gemeinde, erklärte während der Feierstunde: „Hier wird Unheil verkündet, aber auch Hoffnung verheißen.“

Basis der 5,60 Meter hohen Plastik aus Stahlrohren ist der jüdische Davidstern. Das Kunstwerk besteht aus 86 Dreieicken und 800 Metern Stahl, schrieb das Tageblatt eine Woche vor der Zeremonie. Die Feier am 9. November verlief unter Polizeischutz und großer Anteilnahme der Bevölkerung.

Seit Errichtung des Mahnmals versammeln sich jährlich am 9. November, dem Jahrestag des Novemberpogroms 1938, Göttinger am Platz der Synagoge, um der getöteten Juden und anderer Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu gedenken.

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