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Kommunalpolitik, Klarinette und Kinderlachen

Landratskandidaten im Portrait Kommunalpolitik, Klarinette und Kinderlachen

Am Sonntag wählen die Niedersachsen neue Kommunalparlamente. Für den Landkreis Göttingen – zu dem auch die Stadt Göttingen gehört – wird außerdem eine neue Landrätin oder ein neuer Landrat gesucht. Zwei Frauen und ein Mann bewerben sich für das Amt. Das Tageblatt stellt sie vor, die Reihenfolge dabei haben sie selbst ausgelost. Heute: Dinah Stollwerck-Bauer, Landratskandidatin der CDU.

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In Familie und Landkreis ständig unterwegs: „Ohne die Oma ginge das gar nicht“, sagt die Kandidatin Dinah Stollwerck-Bauer.

Quelle: Hinzmann

Als Dinah Stollwerck-Bauer 2006 überraschend zur Bürgermeisterin in der sozialdemokratischen Hochburg Adelebsen gewählt wird, beginnt sie Klarinette zu lernen – „ein Kindheitstraum“. Bis heute spielt sie bei den Adelebser Blasmusikanten. Sooft es ihr Zeitplan zulässt. „Es reicht nicht, um Solo-Klarinettensonaten zu spielen. Aber es macht Spaß.“ Zum Repertoire der Kapelle gehören klassische Märsche und schmissige Egerländer-Melodien von Ernst Mosch wie Modernes à la Hardrock-Hallelujah, Filmmusik („Fluch der Karibik“) und Schnulziges wie „Can You Feel The Love Tonight“. Als Musikantin und Politikerin muss man eben die richtigen Töne treffen, in der Kapelle und im Rathaus.

Dinah Stollwerck-Bauer kam am 1. Dezember 1976 in Köln zur Welt, wo sie ihre frühe Kindheit verbrachte. Im Sommer 1989 folgte der Umzug nach Kassel – der Vater musste aus beruflichen Gründen wechseln. Aus der Kasseler Zeit sind ihr besonders Trennung und Wiedervereinigung der deutschen Staaten in Erinnerung geblieben: der Schrecken des Zaunes, die Euphorie der Wende. „Ich bin heilfroh, das noch selbst miterlebt zu haben.“ Dann kam die Einheit. Auch politisch könnte sie das Erlebte geprägt haben, zu sehen, dass Visionen und Träume in Erfüllung gehen können. 1993 ist sie in die CDU und in die Junge Union eingetreten, nach einer Führung durch den Hessischen Landtag mit Manfred Kanther. 1996 erhielt sie ihr Abitur am Engelsburg-Gymnasium. Zum Wintersemester 1996/97 nahm sie ihr Jurastudium in Göttingen auf. Freilich, nicht ohne aktiv zu werden. Allerdings nicht hochschulpolitisch: „Ich möchte mitmachen“, ist ein typischer Satz für Stollwerck-Bauer. Stollwerck-Bauer ging zur Elsa, der European Law Students’ Association.
Im Studium lernt Stollwerck-Bauer auch ihren Mann Torsten Bauer kennen. Die beiden heiraten 2006 im Steinarbeiter-Museum in Adelebsen. Die Politikerin ist angekommen.

Im Mai 2010 kommt Töchterchen Laetitia zur Welt. Jetzt zahlt sich aus, dass die ehrgeizige Studentin früh gelernt hat, ihre Zeit einzuteilen. Das begann im Studium, erst recht zum Examen (2002). Nach der Bundestagswahl im gleichen Jahr nimmt sie einen Job beim CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer an – neben dem Referendariat. Es folgt ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Uni Hagen. Und dennoch: „Bei allem ist es mir wichtig, mir Freiräume zu nehmen.“ Das war zum Beispiel die Elternzeit nach der Geburt der Tochter. Auch heute sind Stollwerck-Bauer Freiräume wichtig: „Mit einem Kind musst du flexibel sein.“ Auch telefonisch. Zum Tageblatt-Gespräch kommt Stollwerck-Bauer mit dem Ersatzhandy, ohne Termine, ohne Erinnerungen. Mit dem Smartphone spielt die Kleine so gerne. Die Mutter hat es schlicht vergessen. Was die Kandidatur für zu Hause bedeutet, ist Stollwerck-Bauer klar: „Mit der Familie musst du im Reinen sein.“ Eine wichtige Hilfe lebt mit im Haus: die Schwiegermutter. „Ohne die geht das gar nicht“, sagt die Mutter und Landratskandidatin dankbar.

Sich selbst bezeichnet Stollwerck-Bauer als fröhlichen Menschen, „bodenständig mit leichter Flugangst“, als ehrlich und nicht nachtragend. Sie setzt auf Sympathie. Nicht nur im Wahlkampf: Das Spiel der BG verfolgt sie lieber im Fanblock, als von der VIP-Tribüne aus. Einmal hat sie die Plätze noch in der Halbzeit gewechselt: „Ist bei euch noch etwas frei?“ Im Fußball schlägt ihr Herz für den 1. FC Köln. Stollwerck-Bauer weiß also auch, was es heißt, zu verlieren. Ihre Chancen im diesjährigen Rennen um den Posten des Landrats sieht sie so: „Ich glaube, es wird ein knappes Ergebnis – und genau deshalb rechne ich mir auch Chancen aus.“

„Wenn du Klarinette spielen kannst, kannst du auch Saxophon spielen“, weiß die Klarinettistin. Und wer Bürgermeisterin kann, kann auch Landrätin? Mit Saxophon will Stollwerck-Bauer nicht mehr anfangen. Sie würde sich aber freuen, wenn sie auch als Landrätin noch genug Zeit hätte, um bei den Blasmusikanten in Adelebsen Klarinette zu spielen. Klarinette und Kinderlachen – flexibel muss frau bleiben.

Von Lukas Breitenbach

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Stollwerck-Bauer

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